Im "Tagblatt" und in der Linzer "Tages Post" konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
Pfarrer Anton Lehner war von 1898 bis 1919 in Hinterstoder.
Tagblatt, 31. August 1919
Tagblatt 14. September 1919
Pressegesetzes verlange ich in Bezug auf die in Ihrem Blatt vom 31. August enthaltene, mich betreffende Notiz „Zarte Sehnsucht, süßes Hoffen" die Aufnahme folgender Zeilen in einer Ihrer nächsten Auflagen:
„Zarte Sehnsucht, süßes Hoffen.“
Der unseren Lesern als ein Freund der Sommergäste wohlbekannte Pfarrer Lehner wurde von Hinterstoder nach Helfenberg versetzt und hier bemüht sich der „hochwürdige" Herr, für die Rückkehr der Habsburger eifrigst Stimmung zu machen. Die Wiederkehr des einstens mit soviel Tam-tam gefeierten 18. August (Kaiser Franz Joseph Geburtstag) konnte der Helfenberger Pfarrer nicht vorübergehen lassen, ohne seiner Sehnsucht nach dem alten Regime Ausdruck zu geben.
Und so hielt er am Vortag, am Sonntag den 17. August, vor dem Hochamt eine Predigt, in welcher er mit rührenden Worten an den gewesenen Kaiser und seine „arme" Familie erinnerte. Am Schluss ermahnte der „Verkünder des Wortes Gottes" die überraschten Kirchenbesucher, sie mögen der „von bösen Geistern gestürzten armen Mitglieder des Kaiserhauses" im Gebet gedenken. Wir begreifen ja die Sehnsucht des Helfenberger Pfarrers nach den früheren Zuständen, möchten ihm aber doch empfehlen, seinen Gefühlen etwas mehr Zwang aufzuerlegen und die monarchistische Propaganda auf der Kanzel zu unterlassen, wenn er sich Unannehmlichkeiten ersparen will.
Kaiser Franz Joseph I |
Tagblatt 14. September 1919
Der kaisertreue Pfarrer von Helfenberg.
Wir erhalten folgendes Schreiben: „Löbliche Redaktion! Auf Grund des § 19 des Pressegesetzes verlange ich in Bezug auf die in Ihrem Blatt vom 31. August enthaltene, mich betreffende Notiz „Zarte Sehnsucht, süßes Hoffen" die Aufnahme folgender Zeilen in einer Ihrer nächsten Auflagen:
"Es ist unwahr, dass ich von Hinterstoder nach Helfenberg versetzt wurde.
Wahr ist, dass ich freiwillig um Helfenberg mich beworben habe. Es ist unwahr,
dass ich mich hier eifrigst bemühe, für die Rückkehr der Habsburger Stimmung zu
machen. Wahr ist, dass ich am Geburtsfest unseres letzten Kaisers in der
Predigt darauf hingewiesen habe, dass der gewesene Kaiser für uns die von Gott
gesetzte Obrigkeit darstellt und dass wir unserer daraus resultierenden Pflicht
auf die einzig gegenwärtig noch mögliche Art Genüge tun sollen dadurch,
dass wir für den unglücklichen Kaiser beten. Wahr ist auch, dass ich im Herzen monarchistisch gesinnt bin.
(Linzer) Tages-Post 11. September 1919
Hochachtungsvollst Anton Lehner, Pfarrer."
-- Eine Bemerkung zu dieser Berichtigung ist wohl überflüssig.
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Bergführer Georg Auer.
Aus Hinterstoder wird uns berichtet: Gestern abends starb hier der bekannte,
behördlich autorisierte Bergführer Georg Auer vulgo „Graber", auch Zimmermann,
Totengräber und Mesner etc. im 59 Lebensjahr (für Stoderer Verhältnisse in
noch jungen Jahren!) infolge eines schweren Herzleidens, das er sich durch
Überanstrengung auf seinen vielen gemachten Touren zugezogen hatte. Damit
ist nun die „Alte Garde" der Stoderer Führer dahingegangen (der alte Harschlager
vulgo Kniewasser, Eustachius Prieler, Ignaz Stallinger und Richard Buchegger).
Er hinterlässt außer der kränklichen Witwe zwei Söhne, die beide den Feldzug
mitgemacht haben und noch mehrere Töchter. Auer war über 30 Jahre behördlich
autorisierter Führer (seit 1887), ging aber auch schon früher mit Touristen.
Er war in Bergsteigerkreisen eine sehr bekannte und auch mit Recht beliebte
Persönlichkeit. Sein gerader und lauterer Charakter, sein bescheidenes Wesen,
sowie die stets bewiesene Umsicht in kritischen Situationen und seine
Bergkenntnis auch außerhalb der Prielgruppe und des „Toten Gebirges“
(so zum Beispiel des Dachsteingebietes, des Großglockners etc.) sichern
ihm gewiss ein gutes und ehrendes Andenken unter den Natur- und Alpenfreunden.
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