Freitag, 14. Mai 2021

Wenn Herr Biedermann auf Reisen ging.



In Linz erschien 1843 „für seine besonderen Freunde und Verwandten als Andenken“ ein kleines Druckwerk, betitelt: „Reise des Augustin Dersch, Gastwirt zu Mauthausen. Angefangen am 5. Juli beendet am 12. September 1841.“ Das kleine Büchlein gibt uns bemerkenswerte Einblicke in die europäischen Verkehrsverhältnisse von 1840. Dersch, der die ganze Zeit über tagebuchartige Aufzeichnungen führte, reiste in Begleitung seines sprachkundigen Freundes Wachtberger aus Tulln. Wir wollen nun einen kleinen Blick in die große Welt tun, die unser Mauthausner Biedermeier damals staunend durchmaß.
Dabei sei einiges über die Reiseverhältnisse jener Zeit erklärend gesagt.
Die Oberdonau-Zeitung vom 12.9.1943 berichtete darüber. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

„Am 5. Juli 1841 um 4 Uhr früh fuhren wir von Mauthausen zu dem Eisenbahnstationsplatze Lest und von da nach Budweis, wo wir abends eingetroffen sind. Bekanntlich waren es 1825 bis 1832 Ritter von Gerstner und sein Ingenieur Ritter von Schönerer gewesen, die den ersten aller Schienenstränge auf dem europäischen Festland, nämlich die für Pferdezug bestimmte Eisenbahn Gmunden—Linz—Lest—Budweis erbauten. Erst 1872 wurde die Strecke auf Dampfbetrieb umgestaltet. Lest bei Kefermarkt, wo das große Bahnhofsgebäude heute noch steht (1943), war — ebenso wie Kerschbaum — eine Pferdewechselstelle und daher verkehrsmäßig weit bedeutsamer als etwa die Stadt Freistadt, an der die Strecke wegen der Geländeverhältnisse in beträchtlicher Entfernung vorbeiführte. Da der Schienenstrang von Linz — Urfahr— Magdalena — Gallneukirchen — Neumarkt nach Lest verlief, also Mauthausen nicht berührte, dürfen wir annehmen, dass unsere Reisenden mit einem Pferdefuhrwerk auf der uralten Hochstraße und weiter über Pregarten nach Lest reisten und erst dann in die von Pferden gezogene Eisenbahn umstiegen. Uber Summerau — Kerschbaum — Wullowitz gings dann in einer „Geschwindigkeit“ von etwa 10 Stundenkilometern nach Budweis. Von da reiste man tags darauf über Prag — Karlsbad — Teplitz — Kulm (wo die Schlachtfelder von 1813 besichtigt wurden) nach Teschen weiter, zumeist im Postwagen.

Es ist da einiges über diese Reiseart etwa 1840 zu sagen: Wollte man nicht auf Schusters Rappen die Straßen entlang ziehen — eine Angelegenheit, die übrigens mit Recht weit höher in Achtung stand, als heute — und hatte man auch kein wirkliches Reitpferd oder wollte sich die Schererei ersparen allabendlich nicht bloß für sich, sondern auch für sein Pferd Unterstand und Kost und Wartung zu suchen, so blieb dem Reisenden eben nichts, als sich dem pferdegezogenen Wagen anzuvertrauen. Man konnte, je nachdem es der Geldbeutel erlaubte, mit eigenen oder bloß gemieteten Pferden oder gleich im öffentlichen Postwagen reisen. Dort hatte man den Vorteil, sein eigener Herr und an keine Fahrpläne gebunden zu sein; dafür warteten auf den Reisenden unendliche andere Scherereien. Bei zahllosen kleinstaatlichen  Wegschranken hieß es anhalten und das „woher“ und  „wohin“ des bärbeißigen Zöllners war genau so ermüdend und verärgernd wie die Unverschämtheit der Kutscher, wenn man „gemietet“ fahren wollte.
Da man hingegen - beim eigenen Fahrzeug und eigenen Pferden alles vom Striegel bis zum Ersatzrad, vom Koffer bis zum Futtersack, mitführen musste, war das wieder umständlich und teuer.
Das fiel nun freilich alles beim Reisen im Postwagen fort, aber diese Fahrt hatte wieder andere Schrecken: wie Schafe gepfercht saßen alt und jung, dick und dünn beiderlei Geschlechts stunden-, ja tagelang in einem ständig stoßenden und schaukelnden Wagen, höchstens einmal aufgelockert wenn ein Rad brach und die ganze Fuhre umschlug oder doch wenigstens einer der schweren eisenbeschlagenen Koffer herunterfiel. Das waren die Kehrseiten jener romantischen Reisen in der Postkutsche. Man scheute Regen oder Schnee nicht minder als Sonne oder Staub und so ließ man meist trotz der unerträglichen Luft das Dach geschlossen. Die Geschwindigkeit einer „Ordinari-Post“ oder auch einer „Diligence" war die fabelhafte von etwa 1 Meile (= 7.42 km) je Stunde und nur mit der „Extrapost“ kam man schneller weiter. Bei jenen kostete z. B. in Österreich 1831 ein Wagenplatz für rund 15 km etwa 30 kr. (Kronen) zuzüglich 3 kr. Trinkgeld, bei dieser für den Wagen durchschnittlich 20 kr. und je Pferd . 56 kr. auf dieselbe Strecke, zuzüglich 6 kr. „Schmiergeld“. Diese Zahlung hatte sich als eine Nebeneinnahme der Postmeister trotz aller Verbote hartnäckig erhalten. Gedacht war sie für unterwegs nötiges Achsen- und Räderschmieren, lief aber meist auf eine aufgelegte Wurzerei der Reisenden hinaus. Wenn man — was bei der „Extrapost“ die Regel — den eignen Wagen beistellte und nur die Postpferde mietete, tat man gleich gut eigene Wagenschmiere mitzunehmen. Wehe aber, wenn man vollends am Trinkgeld für den Postknecht sparte und etwa nur die in Österreich „je Post“ vorgeschriebenen 12 kr. zahlte. Sich daran zu halten, bedeutete einen förmlichen Verruf und in Kürze war man auf allen Landstraßen und in allen Poststationen wie das saure Bier verschrieen. Bedenkt man dann noch die Schererei um das Gepäck in den Rast- und Übernachtungsstellen, wo Verwechslungen und Diebereien an der Tagesordnung waren, bedenkt man weiter, dass man dann noch oft in elenden, verschmutzten, überfüllten Gaststätten stundenlang auf den Pferdewechsel zu warten oder gar zu übernachten hatte, dann hat man eine ungefähre Vorstellung von den Genüssen einer Postwagenreise um 1830/40.
Weiter ging aber jetzt die Fahrt unserer Reisenden mit dem Dampfboot nach Dresden, „mit der Locomotive“ nach Leipzig (4 Stunden Fahrt), und nach Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten, besonders der Völkerschlacht- erinnerungen, in drei Stunden Dampfbahnfahrt nach Magdeburg. Von hier wieder gings mit dem Dampfer nach Hamburg und ebenso weiter über Cuxhafen in den Kanal. „Kaum war unser Schiff aus der Elbe hinaus, als schon auf fürchterliche Weise der Wind zu stürmen und die See sich zu erheben anfing, so dass uns, die wir so etwas noch nie gesehen hatten, herzlich bange wurde, Wir meinten jede Welle werde uns in den Abgrund des Meeres begraben.“
Am dritten Tag endlich lief man in die Themsemündung ein. Die vierstockhohen Kriegsschiffe, darunter eines mit 80 Kanonen, das 80.0Q0 Pfund Sterling gekostet hatte. Der Reichtum der Innenstadt Londons und die Pracht der neuen Kronjuwelen (im Wert von 5 Mill. Pfund Sterling) beeindruckten unseren biederen Mauthausner ebenso, wie ihn die unbeschreibliche Armut der Arbeiterviertel entsetzte. Besonders im Nordwesten ist der Sitz des hilflosen Jammers und des gräßlichsten Elends. Hier wohnen in langen, engen, dunklen Gäßchen, in Häuserchen mit zerbrochenen Fenstern, in die nie ein Sonnenstrahl dringt, jene Armen, welche an den notwendigsten Lebensbedürfnissen Mangel leiden. Am 4. August reisten unsere Landsleute nach Frankreich weiter, und kamen über Le Havre, Rouen nach Paris; von da reisten sie über Mühlhausen — Basel — Zürich —Bern — Straßburg Köln — Mannheim — Heidelberg — Mainz — Frankfurt — Nürnberg —Augsburg — München — Regensburg — Passau in ihr geliebtes Mühlviertel zurück. 
„Am 12. September fuhren wir mit dem bayrischen Dampfschiffe nach Linz, da wir aber das Wiener Dampfschiff hier nicht mehr antrafen, kauften wir uns hier eine Waidzille und fuhren darauf von Linz ab und kamen glücklich und wohlbehalten um halb drei Uhr wieder zu Hause an. Meine Reise ist nun beendet, und die Lust, die Welt zu sehen, gedämpft. Ich habe in einem kurzen Zeitraum viel gesehen: Herrliche Kirchen, prachtvolle Palläste, Häfen und Schiffe mit turmhohen Masten, Denkmäler und Gärten und dennoch war doch nichts über die Freude, welche ich bei dem ersten Anblick der lieben Heimat und vollends wieder unter den lieben Meinigen empfand, ein Vergnügen, welches England und Frankreich mit all ihren Herrlichkeiten mir nie verschaffen konnten. „Ich reiste zum Vergnügen und fand mein größtes, bei meiner Rückkunft im geselligen Zirkel der Meinigen:“
So schließt Augustin Dersch sein Reiseerlebnis in echt biedermeierischem Überschwang des Gefühles.                                                                Dr. —ch—


           

Freitag, 7. Mai 2021

Das Leben Mutter Reginas

Am 1.8.1943 erzählte in der Oberdonau-Zeitung Karl Heinrich Waggerl, der berühmte Salzburger Dichter, eine Geschichte aus dem Leben Mutter Reginas.
Sie war einer Bäuerin, Ende des 19. Jhdt, verheiratet und hatte einen erwachsenen Sohn mit Namen Peter.

"Ja, die Mutter! Sie ist ein wenig redselig geworden mit den Jahren, sie liebt es, Geräusch zu machen und einen kleinen Seufzer an alles zu hängen, was sie tut. Ihr Reich, das ist die Küche und der Keller, das ganze Haus, Garten und Stall. Es fehlt ihr an nichts; sie hat Wolle und Flachs, Schmalz und Mehl, Käse und Milch das ganze Jahr. Aber sie ist nicht wie der Vater. Wenn sie nein sagt, so heißt es nicht immer nein. Regina ist tüchtig und klug, daran fehlt nichts, allein sie jammert gern ein wenig, es ist ihr nicht unlieb, wenn der Mann den Berg Wäsche sehen kann, der morgen gewaschen werden soll.

„Wenn ich mir nur etwas ausdenken könnte“, sagt sie, „dass ich das Wasser für den Kessel gleich hier in der Küche hätte — ein Fass vielleicht, ein größeres Schaff auf Rädern. Da muss Peter lachen. Jawohl, er und der Vater sehen sich an und schmunzeln ein bisschen. Am nächsten Tag nagelt Peter eine Rinne zusammen, nun fließt tatsächlich Wasser durch das Fenster in den Kessel. Was aber das Schönste ist, Regina braucht nur an einer Schnur zu ziehen, dann kommt viel oder wenig Wasser aus dieser Rinne, wie sie es gerade nötig hat. „Willst du etwa auch heißes Wasser haben?“ sagt er. „Ach — heißes Wasser?“ „Ja, dann könnte ich vielleicht ein Feuer unter dem Brunnentrog anzünden“, meint Peter sehr ernsthaft, und Regina braucht eine ganze Weile, bis sie merkt, dass er sie nur zum Narren hält mit seinem geheizten Brunnentrog.

So ist es mit der Mutter. Man tut ihr manches zuliebe, auch der Mann zieht geduldig seine Schuhe vor der Türe aus, wenn der Boden gescheuert ist. Aber zuweilen hat man doch auch seinen Spaß mit ihr.
Da fährt sie in das Dorf. Sie fährt allein mit Ross und Wagen, denn die Stute ist so friedlich geworden, dass sie nichts mehr aus der Fassung bringen kann. Der Mann und Peter bleiben daheim, sie stehen auf dem Anger, während die Mutter über die Halde hinunter rasselt. „Gib nur acht“, ruft Peter nach, „wenn du den Fuchs wieder einspannst, der Kopf muss vorne sein!“
Wie sie wieder heimkommt, da hat Peter eine Überraschung für sie bereitet. Er schenkt ihr einen Topf mit einer merkwürdigen Pflanze. Sie sieht nach nichts Besonderem aus, ein paar gekräuselte grüne Blättchen. Aber Regina ist neugierig und gießt den Topf jeden Tag mit den übrigen, bis sie endlich dahinter kommt, dass es ein Rettich ist, ein ganz gewöhnlicher Rettich. Sie kränkt sich zuerst ein wenig, aber dann lacht sie selbst. Das ist so hübsch an ihr, sie nimmt nichts übel. Peter macht es auch wieder gut, die Mutter kann seine geschickten Finger wohl brauchen. Nun bekommt sie eine Garnhaspel (Garnaufwickler), dafür, dass sie den Rettich so schön begossen hat.
Regina besitzt auch einige unvergängliche Kenntnisse aus der Geschichte und Geographie. Sie weiß und erzählt oft, dass Napoleon in einer gewissen Schlacht sein ganzes Königreich für ein Pferd angeboten hat und dass es in der Sahara nur sieben Oasen gibt, sonst lauter Löwen und Kamele.
Peter merkt sich das mit der Zeit, es ist vielleicht wohl ohnehin das Äußerste, was ein Mensch an Kenntnissen in sich aufhäufen kann, jedenfalls ist es genug für ihn, der Weizen wächst deswegen nicht besser.
Mutters Brot ist schwarz, aber es nährt. Nahrhaft und kräftig ist auch sonst alles, was die Frau auf den Tisch bringt. Keine Leckerbissen, keine Kuchen und Pasteten, auch Fleisch gibt es nur an Feiertagen. Regina bäckt einmal Krapfen im tiefen Schmalz, ein anderes mal ist es Mus, zuweilen auch nur eine Käsesuppe und der Mann schneidet selbst noch kleine Brotschnitten hinein, ehe alle drei aus der einen Schüssel essen. Nein, große Künste sind nicht erforderlich. Peter kommt herein und zieht die Luft durch die Nase — Milchnocken! Es waren auch gestern Milchnocken, aber gerade darum ist es wie ein Wunder, wie eine besondere Fügung. Er hat den ganzen Vormittag daran gedacht, ob die Mutter wohl diese Eingebung haben könnte, ein zweites Mal Milchnocken zu kochen.
Peter ist ungeheuer gefräßig, manchmal kaut er Hafer während der Arbeit und der Vater schaut ihn verwundert an, weil es so merkwürdig in seinen Eingeweiden knurrt. Zu heiligen Zeiten wünscht sich Peter einen Brotlaib, den er ganz allein aufessen darf, vom ersten bis zum letzten Stück.
Ja, so leben diese drei Menschen und sie leben zufrieden. Langweilig ist das Leben nicht. Peter unterhält alle mit seiner lustigen, trockenen Art. „Was bekommen wir eigentlich heute?“ sagt er, wenn er die Schüssel ausgeleert hat. So ist Peter ein närrischer Kerl. Aber untertags, da ist es recht still im Haus. Peter, ja, ja. Er ist beim Vater, er arbeitet irgendwo im Wald, auf dem Acker, es sind wohl drei Menschen da, und doch ist die Mutter allein".

                                           Allen Müttern



Freitag, 30. April 2021

Franz Stelzhamer – Dichter der Oberösterreichischen Landeshymne

In der Oberdonau-Zeitung vom 12.7.1944 geht Theodor Berger der Herkunft des  großen Heimatdichters Franz Stelzhamer ( geb. 29.11.1802, gest. 14.7.1874) nach. Unsere Oberösterreichische Landeshymne  „Hoamatland, Hoamatland, di han i so gern! Wiar a Kinderl sein Muader, a  Hünderl sein Herrn“ stammt von ihm und dürfte wohl jedem Oberösterreicher bekannt sein. Der Artikel wurde gekürzt und mit Daten von Wikipedia ergänzt. 

Geboren wurde Franz Stelzhamer auf dem Siebengütl in Piesenham, als Sohn des Häuslers und Schneiders Johann Stelzhamer und dessen Gattin Maria. Sein Vater war ein Sohn vom Dimmelgut im gleichen Ort, das dessen Bruder Jakob übernommen hatte und wo die Großeltern als Auszügler Ihren Lebensabend verbrachten. Von der Großmutter Stelzhamers ist uns Herkunft und Mädchenname unbekannt; nur daß sie Anna hieß, ergab eine Eintragung in den Schildorner Matriken anläßlich der Heirat Johanns 1795.
Die Ursache dieser verwunderlich dünkenden Spärlichkeit von Nachrichten über Stelzhamers Herkunft liegt wohl in dem Umstand, daß die Pfarrmatriken, die darüber Auskunft geben würden, nicht mehr vorhanden sind. Schildorn, wozu Piesenham früher gehörte, ist nämlich eine noch junge Pfarre, deren Matriken nur bis 1750 zurückreichen. Zuvor war es nur eine Filiale der Altpfarre Waldzell, deren sämtliche Eintragungsbücher bei einem Brand im Jahre 1811 ein Raub der Flammen geworden sind. Die Arbeit aber, auf einem andern Weg der Herkunft des Dichters nachzuforschen, hat bisher niemand auf sich genommen. Wenn ich an sie herantrat, so geschah es, weil mich der Umstand dazu anregte, daß jener Schullehrer von Schildorn, Georg Duscher, an welchen der Dichter den einzigen erhalten gebliebenen Brief vom 22. Mai 1857 an seine Mutter sandte, damit ihn dieser ihr einhändige, ein Bruder meiner Großmutter Anna Mayer war.

Stelzhamer besuchte das Akademische Gymnasium in Salzburg und studierte danach Rechtswissenschaft in Graz und Wien, schloss sein Studium aber nicht ab. Bis 1824 führte er ein unstetes Wanderleben als Schauspieler, Vortragskünstler und Schriftsteller. 1837 erlebte er seinen Durchbruch mit den Liedern in Volksmundart. Als Journalist war Stelzhamer bis 1842 in Wien, Oberösterreich, Salzburg und Deutschland tätig. Das Land Oberösterreich ermöglichte ihm mit einem Ehrensold ein gesichertes Leben.

Stelzhamer gilt als bedeutendster Vertreter oberösterreichischer Mundartdichtung des ländlich-bäuerlichen Milieus, seine hochdeutschen Schriften werden demgegenüber heute kaum beachtet.

Franz Stelzhamer


Grab Stelzhamers in Henndorf am
Wallersee

Denkmal in Linz

Freitag, 23. April 2021

Geschichten um die Oberösterreichischen Goldhauben.

Am 11.Juli 1943 berichtete die Oberdonau-Zeitung über Kriminalgeschichten um die Oberösterreichischen Goldhauben im 19. Jhdt. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

Die schönen Oberösterreichischen Goldhauben standen, obwohl sie seit je nur vergoldete Silberflinserln trugen — früher wegen des damals beträchtlichen Silberpreises ganz hoch im Wert. Die Goldhaube ist übrigens in ihrer kleidsamen, uns heute geläufigen Gestalt, ein verhältnismäßig junges Trachtenstück; sie stammt nämlich in dieser Ausführung erst aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts. Dass dabei die in der Französischen Revolution als „Jakobinertracht“ so beliebt gewordene phrygische Mütze selbst auf diese eigentlich rein bürgerliche Kopfbedeckung Einfluss genommen hatte, ist durchaus nicht von der Hand zu weisen.


Verhältnismäßig spät erst wandte sich der Geschmack von der Goldhaube wieder ab: erst die allem landschaftlich gebundenen, abholden Allerweltsmoden seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts (ca.1850) hatten sie endgültig entthront. In den Jahren 1855/58 gab es in Oberösterreich noch drei, 1859/60 noch zwei, schließlich nur noch eine einzige Goldhaubenmacherin, Anna Kahr in Linz, Klammstraße 883, die noch in den sechziger Jahren arbeitete.

Welcher Beliebtheit sich die Goldhaube ehemals erfreute und in welcher Zahl sich dieses Trachtenstück in Bürgerhäusern fand, sagt uns recht bezeichnend folgender — für die Unbeteiligten heiterer — Vorfall (Fahndungsblatt der Polizeidirektion Linz Nr. 565/89 v. 13. April 1807):
„Am 8. März 1807 nachts ging dem Fleischhauer Michel Poißl in Ried sein Weib Cäcilie und zwar mit einem etwa 40jährigen "Lederer" aus Weitersfelden durch. An ihr wäre dem Fleischer vielleicht nicht soviel gelegen gewesen, denn das Fahndungsblatt beschreibt das holde Wesen „bei 40 Jahre alt, von mittelmäßiger, korpulenter Leibesgröße, voll runden gut gefärbten Angesichts, hat lichtbraune Haare und Augenbrauen und sehr schlechte ausgefaulte Zähne, redet die oberösterreichische Landessprache und sehr geschwind, benimmt sich in Reden sowohl, als auch im sonstigen Betragen resch und keck.“ —
Der Lederer, mit dem sie schon lange Beziehungen hatte und nun durchging, war auch verheiratet und soll sich mit ihr durch Niederösterreich, Mähren oder Ungarn nach Polen, wo er ein Haus hatte, gewendet haben. Weniger entzückt war aber unser biederer Fleischer wohl darüber, dass ihm das liebe Weib kurzerhand auch gleich 7000 fl. (fl= Gulden, 1 Gulden etwa 10€) in Banknoten und gegen 100 fl. in Münzen mitgenommen hatte. Sie war — und nun kommt das Wichtigste — „gekleidet nach der bürgerlich oberösterr. Art und traget gemeiniglich die sogenannte Linzer Goldhauben“ und zwar mit solcher Vorliebe, dass sie nebst mehreren anderen Bekleidungsstücken gleich vier derlei Hauben mit sich genommen. Wir wissen nichts darüber, ob der Fleischer seine holde Gattin samt ihren Hauben und ob er sein Geld je wieder bekam.
Goldhauben waren ihres Stoffwertes wegen überhaupt beliebte Ziele von Langfingern.
Vom 24. zum 25. April 1818 stahl beim Übernachten im „Schwarzen Bären“ zu Linz ein angeblicher Aushilfsbote von Lambach „aus dem Zimmer, wo er schlief, eine „schwarze Linzer Hauben“ zu 10 fl., und eine schon übertragene Goldhaube zu 25 fl, beide der Magd gehörig.
Im gleichen Jahr wurden bei einem Fleischhauer in Vöklamarkt (wie uns wiederum das Fahndungsblatt besagt) einige Goldhauben gestohlen, die folgendermaßen beschrieben sind: eine ganz neue „nach österr. Art mit guten Perlen von der Größe eines Sperlkopfes besetzt, die vorn „einen gelben Spitztafft, hinten eine schwarze Seiden-Masche ohne Stickerei“ und einen Wert von 200 (!) fl. hatte; eine weitere ebensolche Goldhaube, gleichfalls mit „guten Perlen“ besetzt, hatte auf dem Vorderspitz „Dämmflecken“, hatte eine veilchenblaue Seidenmasche, gelbtafftenes „Unterfutter“ und einen Wert von 100 fl.; eine dritte neue Goldhaube hatte gestickten Boden, die Spitze war mit gelbem Tafft gefüttert, hatte eine schwarze Seidenmasche von durchbrochenem Band und einen Wert von 80 fl.; eine vierte hingegen war mit bloß 60 fl. bewertet, da sie nicht mehr ganz neu war auch nur eine glatte Goldspitze „mit einem Natterngang“ und eine schwarze Seidenmasche hatte.
1831 werden zwei im Markt Perg gestohlene Goldhauben „mit schwarzen Seidenbändern“ mit bloß 60 fl. bewertet; sie dürften entsprechend einfach gewesen sein. 
Eine andere trüb-heitere Geschichte trug sich in Freistadt zu. Vom 1. zum 2. September 1836 übernachtete bei der Familie des Kleinhäuslers und Glasbildmalers Johann Steinberger in Buchers Nr. 10 ein jüngeres Weibsbild, das sich als Elisabeth, Tochter eines Fleischhauers bei Freistadt ausgab und behauptete, sie sei auf dem Heimweg von Budweis über Gratzen. Am darauffolgenden Tag um 9 Uhr ging sie dann mit der 15jährigen Haustochter Rosine nach Freistadt, wo das dumme junge Ding zwei von ihrer verstorbenen Mutter stammende „goldreiche Hauben“ in „eine modernere“ tauschen wollte. Das erzählte sie natürlich der angeblichen Fleischhauerstochter ganz arglos, worauf sich diese gleich erkundigte, ob die Rosl nicht auch noch Geld bei sich hätte; das war glücklicherweise nicht der Fall. Mittags kamen die zwei in Sandl an, wo die Fremde die Zeche (Bier und Wecken) zahlte und einen Silberzwanziger wechseln ließ. Gegen 16 Uhr waren sie bei der Eichensteinmühle angelangt. Nun hielt das Weibsbild die Zeit für gekommen und sagte zu Rosl, die noch immer in ein Tüchl eingebunden die mütterlichen Goldhauben trug, sie wisse, wo man sie gut an den Mann bringen könne und nahm sie ihr trotz Sträubens ab, gab ihr dafür ihr eigenes Binkerl mit fünf verschiedenen Gläsern drinnen und ging dann „den Fußsteig links durch den Graben“ weiter. Die Rosl sollte gradaus gehen und nicht bange sein. Um 16 Uhr kämen sie wieder beim Böhmertor zusammen. Vor dem Böhmertor wartet die arme Rosl vergeblich. Die Rosl ängstigte sich nun aber doch um ihre Hauben und ging der Fremden ein Stück auf dem Gangsteig nach. Sie ließ sich dann aber doch durch die wiederholten Versicherungen und das Versprechen eines besonders günstigen Verkaufs beruhigen. 
Wir brauchen nicht zu sagen, dass die arme Rosl auf ihre Begleiterin beim Böhmertor vergeblich wartete. Als es schon 19 Uhr war und das Dirndl flennend (weinend) dort herumstand, kam des Wegs eine Bekannte ihres Vaters aus der Stadt, der sie nun ihr Leid klagte. Dass die beiden um 20 Uhr auf ihre Nachfrage beim Fleischhauer nichts Erfreuliches hörten ist klar. Das ganze war ein Schwindel, das arme Bildermalermädel war einer Gaunerin aufgesessen. Auch die Anzeige beim Distriktskommissariat am nächsten Tag brachte die Fremde mit ihren Hauben nimmer zustande.
Trachtenkundlich bemerkenswert ist an dem Fall der klare Nachweis, dass es also bei diesen Goldhauben ältere und „modernere“ Formen gab.
Dass auch die älteren Arten schon jahrzehntelang begehrt gewesen waren, zeigt uns eine Verlassenschaftsabhandlung beim Freistädter Pfleggericht vom Jahre 1795, in der eine (unechte?) „Goldbortenhaube“ mit 8 fl. 30 kr. und eine „alte desgleichen mit 45 Kreuzer Schätzwert“ angeführt ist: Die schon erwähnten „schwarzen Linzer“ „Flor"- oder „Blindborten-Hauben“ — bloß mit schwarzem Spitzenbesatz ohne alles Gold werden irrigerweise oft als „Trauerhauben" bezeichnet, obgleich dies ihr erster Zweck keinesfalls war; man trug sie auch sonst, sozusagen für den Alltag, zu weniger wichtigen Anlässen.




Freitag, 16. April 2021

Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger und Adolf Hitler wurden von Zeichen- und Turnlehrer Alois Lebeda in Steyr unterrichtet.

Aus Internet-Wikipedia. Manche Teile wurden  etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst. 

Adolf Hitler (geb.1889, gest.1945) war im Schuljahr 1904/05 Schüler der Realschule in Steyr, vierte Klasse. Gewohnt hat er zu dieser Zeit im Haus Grünmarkt 19. Das Fenster seines Zimmers war gegen den Ennskai gelegen.

Hitlers Fenster gezeichnet von Alois Lebeda

Die schulischen Leistungen Hitlers in Steyr waren äußerst bescheiden, so dass er gleich mehrfach mit "Nicht Genügend" beurteilt wurde. Im zweiten Semester in Geometrischem Zeichnen musste er bei Prof. Gregor Goldbacher eine Nachprüfung ablegen, die er bestanden hat. Allerdings trat er danach aus der Schule aus. Lediglich in Turnen und Zeichnen bekam er zwei Mal ein "Vorzüglich" zuerkannt. Aus einer offiziellen Anfrage beim Bundesrealgymnasium Steyr geht hervor, dass es stimmt, „dass Herr Lebeda Anfang des Jahrhunderts einige Jahre als Zeichen- und Turnlehrer an der damaligen Realschule Steyr am Michaelerplatz unterrichtete und insbesondere im Schuljahr 1904/05 Adolf Hitler sein Schüler war".  Alois Lebeda hat das „Hitler-Haus“ später in mehreren Zeichnungen festgehalten. Vermutlich war er es auch der Hitler für das Malen begeisterte. Seit 1906 wollte Hitler Kunstmaler werden. Er sah sich zeitlebens als verkannter Künstler. Im Oktober bewarb er sich erfolglos für ein Kunststudium an der Wiener Kunstakademie.

Alois Lebeda (geboren 1871 in Braunau, gestorben 1953 in Steyr) war erst Volksschullehrer unter anderem in Altmünster und Linz, kam nach entsprechender Lehrbefähigung 1905 an die Bürgerschule in Steyr, vom 1. September 1919 stand er dieser Schule als Direktor vor. Am 30. November 1933 trat er nach 42 ½ Dienstjahren in den Ruhestand, war aber im 2. Weltkrieg wieder im Schuleinsatz.
Neben seiner Tätigkeit an der Bürgerschule in Steyr war Alois Lebeda ab 1904 auch als geprüfter Turn- und Zeichenlehrer an der k. k. Staatsoberrealschule am Michaelerplatz tätig. 
Später war Alois Lebeda Direktor an der Hauptschule an der Promenade und hatte dort 1928 bis 1930  Rudolf Kirchschläger, B
undespräsident von 1974 bis 1986,   als Schüler.
Dazu Altbundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger über Erinnerungen an den „Bürgerschuldirektor“ Alois Lebeda: … Ich besuchte die Knabenbürgerschule in Steyr (Promenade) von 1927 bis 1930. Lebeda war in der ersten Klasse (1927/ 28) schon unser Fachlehrer für Zeichnen.
Ich sehe ihn noch vor mir: er war eher von kleiner, aber kräftiger Statur, hatte wenig Haare und war verhältnismäßig streng. Ich habe noch aus der 2-A Klasse eine und aus der 3-A-Klasse mehr als 20 Zeichnungen, Linolschnitte und geometrische Skizzen. Ich habe sie mir jetzt wieder angeschaut und mit meinen Zeichnungen aus der 1. Klasse Aufbauschule in Horn (1930/31) verglichen. Die Zeichnungen, die ich unter Direktor Lebeda gemacht habe, sind unvergleichbar besser als die späteren Arbeiten. Dies zeigt meines Erachtens sehr deutlich nicht nur die hohe künstlerische Qualifikation von Direktor Lebeda, sondern auch sein pädagogisches Geschick. Im Übrigen haben selbst damals, wir Buben, auch bereits seine Aquarelle bewundert. Ich erinnere mich auch an seine Frau. Sie beaufsichtigte uns Buben, die als ‚Bahnfahrer‘ schon um ½ 7 Uhr früh nach Steyr kamen. Die Braveren unter uns durften bis zum Schulbeginn im Schulgarten arbeiten. Das war besonders attraktiv gegen Ende des Schuljahres, als die Gartenerdbeeren zu reifen begannen. Frau Lebeda galt – wir Buben sagten auf Grund der acht Töchter und einen Sohn – als etwas schwerhörig. Sie war aber weniger schwerhörig, als wir Buben meinten und sie hatte vor allem sehr gute Augen. Das schlichte Ergebnis: die Gartenarbeit war leider von kurzer Dauer!

Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger verbrachte übrigens sehr gerne seinen Urlaub in Windischgarsten. 

                                       

  
Gemälde von Adolf Hitler


Bilder aus Steyr von Alois Lebeda




Freitag, 9. April 2021

Vom kleinen Hüterbuben zum ersten Knecht.

Vor hundert und mehr Jahren waren „Knechte“ von Bauern gesucht und es gab viele am Land. Heute gibt es kaum mehr Bauernknechte. Die nachstehende Geschichte erzählt das Leben eines Knechtes im Mühlviertel. Aber es könnte auch genau so bei uns gewesen sein. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

In der Oberdonau-Zeitung vom 23. Juni 1943 wurde die Lebensgeschichte vom:„Mayrhofer Franzi" der über vier Jahrzehnte einem Haus und drei Besitzern die Treue gehalten hat, mit der Überschrift: „Vom kleinen Hüterbuben zum ersten Knecht“ beschrieben.

Es gibt auch auf dem Lande (der Artikel stammt von 1943) nicht mehr recht viele Leute, die auf eine längere Dienstzeit auf demselben Platz zurückblicken können. Früher war das Los solcher braver Menschen, wenn das Alter und die Arbeitsunfähigkeit nahten, meist ein gar hartes und bitteres, wenn sie nicht einen guten und dankbaren Dienstgeber hatten, der sich ihrer auch in den alten Tagen annahm. Sonst wurden sie in die sogenannten Bürgerspitäler abgeschoben oder in die „Einlag“ gegeben — als Dank für jahrzehntelange Treue und Arbeit.
Die Dienstbotenbetreuung nach dem gefürchteten und berüchtigten Einlegersystem war das Unsozialste, was es überhaupt gab. Oft wurde der alte Knecht, die alte Magd, nur mit Widerwillen gelitten, oft hinausgeekelt und verstoßen. Heute gibt es keine Einlage mehr. Jeder alte treue Dienstbote wird, wenn er nicht bei seinem Dienstgeber den Lebensabend verbringen kann, fürsorglich betreut, bekommt sein Auszugsstüberl, seine Altersrente oder wird in einem Altersheim untergebracht, wo man ihn umsorgt und betreut. Viele aber legen die Arbeit nicht aus der Hand, so lang es halbwegs geht, weil sie ihnen so wie der Hof, auf dem sie jahrzehntelang schon schaffen, Lebensinhalt geworden ist.
Einer dieser alten Dienstboten ist der Mayrhofer Franz, der mit seinen 69 Jahren nun schon durch volle 43 Jahre einem Haus und bereits drei Besitzern die Treue hält. Am vorletzten Jahrestag 1875 wurde Franz Mayrhofer in Fürling bei Rohrbach im Mühlviertel geboren. Da gab es noch keine Eisenbahn im Mühlviertel, kein Auto, nicht Telegraf und Telefon. Den Verkehr nach Linz besorgte der Stellwagen und der damalige Besitzer des heutigen Kaufhauses Binder betrieb zwei solcher Stellwagen und die dazu gehörenden Pferde.
Zweimal in der Woche wurde nach Linz gefahren und die Mitfahrenden mussten sich vorher anmelden. Eine solche Fahrt kostete sieben Gulden. Man fuhr um 4 Uhr früh bereits weg und kam spät nachts wieder heim. Der Mühlviertler Nachtwächter rief den Stundenschlag noch durch die Nacht und die Postknechte auf dem Bock der gelben Postkutschen bliesen das Lied der Heimat.

Nach Besuch der Rohrbacher Volksschule kam unser Franzi zum Bauern Scharnagl nach Niederwaldkirchen als Hüterbub, dann als solcher zum Franz auf Keppling, zum Moar auf Grub, wo er der „kleine Franzi“ war. Beim Schauer in Friendorf war er dann schon „Zweiter“ (Fütterer), ebenfalls beim Asanger in Fürling und beim Moarjörgl in Götzendorf. Beim Moar zu Blumau war er schon „erster Knecht“. Von der Arafmühle bei Lembach kam er dann im Jahre 1901 nach Neufelden zu seinem jetzigen Dienstplatz und ahnte wohl noch nicht, dass er hier gewissermaßen seine endgültige Heimat finden werde. Der damalige Besitzer des Hauses war der Gastwirt und Fleischhauer Czischek in Neufelden. In seinem Gasthaus in der Kirchengasse verkehrten als Honoratioren Herren vom Gericht, die Steuer- einnehmer, Finanzer und Gendarmen waren ständige Gäste. Czischek verkaufte dann dieses Haus und ließ an der Stelle, wo früher das alte Stallmaurerhäusl und die Krumbachsche Hafnerei standen, das heutige Gasthaus Anibas erbauen. Ein Jahr danach starb der Besitzer und die Witwe heiratete wieder.

In diesem Haus arbeitete unser Franzi treu und fleißig: in der Landwirtschaft, im Hause selbst, auf den Wiesen und Feldern und mit seinen Pferden, ob seiner Treue und Anhänglichkeit und auch ob seines guten Humors bei allen, die mit ihm zu tun hatten, geachtet und beliebt. Und Franzi ist heute noch die treue Seele des Hauses. Er erinnert sich noch genau jener Jahre, da die Reisenden der großen Geschäfts- und Warenhäuser aus Linz und der alten Wiener Stadt die Orte des Mühlviertels besuchten, nicht mit dem Auto etwa, sondern mit Einspänner und Fiaker. Oft war er selbst mit Kutsche und Pferden mit solch einem Geschäftsreisenden wochenlang auf der Tour. Alle Notare, die in den letzten 43 Jahren amteten, fuhr er zu den Amtstagen und ertönte der Feuerruf, Franzi war mit seinen Pferden als erster zur Stelle, um die Spritze an den Brandplatz zu führen.
1915 rückte er mit dem 5. Marschbataillon der Zweierlandwehr ins Feld, kämpfte am Isonzo, kehrte krank zurück, marschierte mit dem 27. Marschbataillon nochmals hinaus und kam nach dem Zusammenbruch wieder in die Heimat, wieder an seinen alten Dienst- und Arbeitsplatz. Gespart hat er sein Leben lang, die zurückgelegten 2400 Gulden, mit denen er sich nach dem Krieg ein kleines Landgasthaus mit Grund kaufen und vielleicht auch heiraten wollte, wurden ein Opfer der Inflation und in den Nachkriegsjahren über Nacht wertlos. Franzi blieb trotzdem unverzagt und ließ sich nicht unterkriegen Die Arbeit hielt ihn aufrecht und gesund, denn im ganzen Leben war er noch nie ernstlich krank. In dem Haus, dem er nun über vier Jahrzehnte dient, wurde er stets wie ein Familienangehöriger behandelt, mit Rat und Tat stand er auch selbst zu ihm, auch wenn es schwere Schicksalsschläge gab. 15 bis 16 Pferde waren während der 43 Jahre seiner Obhut anvertraut, sie waren seine besonderen Freunde und hatten sich nie über mangelnde Fürsorge zu beklagen.
Die Augen des treuen Franzi werden ein wenig feucht, als er von seinem Leben, seiner Jugendzeit und den 43 Jahren in diesem Hause spricht. „Mei Lebtag hab i nix anders kennt, als nur Arbeit, in Haus, draußt in dö Wiesen und Felder, und wann ma amal 43 Jahr auf demselben Platz is, dann ziemts oan, es geht oan selber an, ’s Haus, Wiesen und Felder und die Pferd. I hoff, daß i’s nu recht lang damacha kann und arbeiten kann!“ Kommt aber bei ihm einst die Zeit, wo er die Arbeitsgeräte aus der Hand legen muss, er nicht mehr auf den Wiesen und Feldern schaffen oder nicht mehr mit seinen Pferden fahren kann, dann sieht er einem sorglosen Lebensabend entgegen. In dem Hause, dem er solange selbstlos und treu gedient, wird er für immer seine Heimat finden. So steht Franzi, die treue Seele des Hauses, vor uns, als schlichter und einfacher Mensch unserer Heimat.                                                                                E. Scherbaum.



Mayrhofer Franz