Sonntag, 10. September 2023
Freitag, 8. September 2023
Wildbachfahrt und Naturgewalt
In der Linzer "Tages-Post" und in der Zeitung "Vaterland" konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
(Linzer) Tages-Post 17. Oktober 1931
Wildbachfahrt auf der oberen Steyr in Hinterstoder.
Von ihrer Erstbefahrung durch den Hochschulring Deutscher Kajakfahrer
Ring Berlin.
Wir haben schon seinerzeit über die Erstbefahrung der oberen Steyr berichtet,
die Fahrt wurde aber in Paddlerkreisen angezweifelt. Jetzt liegt darüber ein
Bericht vor, den der „Österreichische Kajaksport" veröffentlicht hat und im
folgenden wiedergegeben sei.
Wir fuhren über Passau ins Österreichische. Keiner wusste so eigentlich,
wo es hinging. Treffpunkt war die Station Dirnbach-Stoder im Steyrtal.
Hier sollte uns Walter Frentz erwarten, der eben von seiner erfolgreichen
Vortragsreise in Jugoslawien kam und die Parole für die Filmfahrt ausgeben
sollte.
Langsam dampft das Bähnchen im sonnenüberstrahlten Tal aufwärts.
Bald schäumt
unter uns, im Waldtal tief eingeschnitten, die Steyr. Dirnbach!—
Die Stabtaschen und Rucksäcke fliegen auf den Bahnsteig. Schon setzt sich der
Zug in Bewegung und unsere Kameraden, die weiter zur Enns fahren, winken
uns zu. Kruzi Josef! Was ist denn das? Da ist ja ein Rucksack zu viel! Hatten
wir da in unserer Begeisterung einen Bootsrucksack zu viel ausgeladen. Schon
geht das Bahntelephon: Ein Herr mit Stabtasche aus der nächsten Station
ausgestiegen. Na, jetzt waren wir also sechs Mann, es konnte losgehen
Die Weisung unseres Führers lautete:
Erstbefahrung der oberen Steyr von Hinterstoder heraus, beinahe von der Quelle
weg. Im Nu hatten wir ein Auto mit unserem Gepäck vollgeladen und dann ging
es hinein ins reizvolle Tal der oberen Steyr.
Die schneebedeckten Berge kommen immer näher und um uns stehen blühende
Obstbäume. Die Sonne strahlt heiß vom tiefblauen Himmel. Mit angespannter
Aufmerksamkeit beobachten wir den Flusslauf unter uns und was wir sahen
war Wildwasser allerschwerster Art. Scharfe Kehren, unzählige
Schwalle, (Strömungen) eine Unmenge Felsbrocken, Triftholz (Schwemmholz) am Ufer
festgekeilt.
Dann plötzlich die Stromboding, ein zehn Meter hoher Wasserfall.
Endlich
sind wir in Hinterstoder. Bald stehen die Boote auf einer wunderschönen Uferwiese
aufgebaut und als sie in scharfem Schwung aus dem Kehrwasser in den Strom
schießen, winken uns die Bauern freudig nach. Das folgende spielt sich
blitzschnell ab, es wird ewig der Feder versagt bleiben, das Erleben am
Wildfluss zu vermittelt. Schäumend jagt das eiskalte Schmelzwasser zu Tal.
Riesige Felsblöcke liegen mitten im Flussbett, andere sind kaum zu erkennen
im Gurgeln und Brodeln: Sandbänke verengen den Strom auf Bootsbreite, Schwall
auf Schwall jagt eiskalte Brecher über Mann und Boot. Augenblicke müssen für
das Kommende entscheiden, wenn die riesigen Triftholzstämme, im Ufer verklemmt
und nur knapp überronnen, vor einem auftauchen. Da braust vor uns schon das
erste Mühlwehr. Über saftgrüne Uferwiesen und einen schlüpfrigen Steg tragen
wir die Boote am linken Ufer ins Wasser. Immer wieder blicken wir zurück auf
die zerklüfteten, schneebedeckten Kare des Toten Gebirges. Dauernd schrillt die
Pfeife unseres Filmregisseurs Walter Frentz. Ein Pfiff: „Anlegen und warten",
zwei Pfiffe: „Durchfahren". Das Wasser wird immer toller, die Stromboding muss
bald da sein. Von einer alten Holzbrücke winken Menschen und plötzlich hören
wir das Donnern des Falles. Von kräftigen Paddelschlägen getrieben, schwingen
die Boote in den Uferstau. Die Weiterfahrt muss rechtzeitig aufgegeben werden,
denn knapp oberhalb des Falles ist das Flußbett durch völlig unfahrbare
Stellen verriegelt und zudem ist ein Erreichen der Landstraße mit aufgebautem Boot
fast unmöglich.
Langsam rollen die Bootswagen in der glühenden Mittagshitze auf der Landstraße
durch den Wald. Nach ungefähr 900 Metern führt ein schmaler Pfad hinunter zur
Stromboding. Die Kajaks werden geschultert und nach anstrengender Kletterei
stehen wir unten am Wasserfall. Die ersten 1000 Meter nach dem Fall sehen
wüst aus. Die Steyr macht eine scharfe S-Kurve, das Flussbett ist mit Steinen
übersät und am Ufer liegt überall Triftholz, die ganze Strecke ist ein
weißkochender Schwall.
Schon sitzt der Erste im Boot. Die anderen halten ihn fest, bis er die
Spritzdecke dicht hat, dann packt ihn der mörderisch schnelle Strom.
Unter Aufbietung aller Fahrkunst kämpft er sich durch und verschwindet hinter
der Flussbiegung. Immer weiter geht dann die Fahrt. Bald kommt das zweite Wehr.
Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen. Steil und dunkel steigen die waldigen Ufer auf, überragt von den glühenden, in der Abendsonne leuchtenden
Berggipfeln. Einer von uns schaut sich besorgt nach dem anderen um, die gerade
eine schwere Stelle durchfahren, schaut wieder voraus und sieht plötzlich
einen langen Triftholzstamm quer im Ufer verkeilt vor sich auftauchen.
Ein Ausweichen ist nicht mehr möglich, also darüber. Der Kajak schießt
auf den Stamm, legt sich einen Augenblick quer, wird durch einen mächtigen
Paddelschlag geradegerichtet und schießt dann auf der anderen Seite hinunter.
Bei Steyrbruck ist wohl die schwierigste Stelle der Steyr. Die Durchfahrt ganz
knapp am rechten Brückenpfeiler. Den wenigsten gelingt dieselbe. Die Boote
rumpeln über die Steine, hängen in den merkwürdigsten Stellungen, aber keiner
kentert. Ein kalter Wind streicht im Tal auswärts, wir sind schon alle blau vor
Kälte, denn die Sonne ist längst untergegangen. Vor uns liegt ein mächtiger
Rechen zum Auffangen des Triftholzes. Zähneklappernd umtragen wir die Boote um das
Hindernis. Spät am Abend legen die letzten Paddelschläge das Boot in den
Stau. Schon sind die Ufer voll Menschen, die uns zujubeln. Sie hatten
gegenseitig gewettet, ob wir heil herunterkämen! Die Erstbefahrung ist
geglückt.
Als wir bald darauf in den Zelten liegen, sind wir uns wieder einmal
einig darüber:
„Im Einer auf dem Wildwasser— nur das ist der königliche Kajaksport."
Kein „Binsen-Bummeltrieb", sondern der tolle Kampf mit dem launenhaften,
stets anders gearteten Element ist es, der uns das Faltboot allen anderen
Wassersportarten vorziehen lässt! Und daher werden wir immer wieder auf
Wildwasser getrieben, über das, um mit Hans Weinzinger zu reden,
„soviel Unverstandenes schon geschrieben wurde, allerdings von Leuten, denen
das Herz bestimmt in die Hose fallen wollte, wenn sie nur einmal aufs
richtige Wildwasser kämen". Sergei v. Holbeck, H. D. K.
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(Linzer) Tages-Post 24. Juli 1896
Ertrunken.Aus Klaus am 22. Juli 1896 wird uns geschrieben:
Gestern um etwa 8 Uhr vormittags ist hier der 31jährige, nach Hinterstoder, Bezirk Kirchdorf, zuständige Flößer Ignaz Hackl beim Holztriften in den Steyrfluss gefallen und ertrunken. Die Mitarbeiter sahen den Unglücklichen, sich an einem Baumstamm klammernd, eine kurze Strecke im Wasser fortschwimmen. In dem Momente, als sich dieselben anschickten, ihn zu retten, verließen ihn die Kräfte und er verschwand spurlos in den Wellen.
Die sofort von Seite der Mitarbeiter und der Gendarmerie im Beisein des Gemeindedieners Josef Huemer angestellten und bis in die Nacht fortgesetzten Auffindungsversuche blieben in Ansehung des gegenwärtig hohen Wasserstandes
der Steyr vollkommen resultatlos. Der Bedauernswerte hinterlässt eine Witwe mit vier unmündigen Kindern.
Die sofort von Seite der Mitarbeiter und der Gendarmerie im Beisein des Gemeindedieners Josef Huemer angestellten und bis in die Nacht fortgesetzten Auffindungsversuche blieben in Ansehung des gegenwärtig hohen Wasserstandes
der Steyr vollkommen resultatlos. Der Bedauernswerte hinterlässt eine Witwe mit vier unmündigen Kindern.
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Tod durch Blitzschlag.
Aus Hinterstoder wird geschrieben: Am 21. August, zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittag, entlud sich über unser Tal ein furchtbares Gewitter, dem leider auch ein Menschenleben zum Opfer fallen musste. Der Blitz traf nämlich eine 16jährige Magd des Großweißenbacher Gutes, welche auf dem Feld mit Viehweiden beschäftigt war und fuhr der Armen senkrecht durch den Kopf in den Körper, um durch den linken Fuß in die Erde auszulaufen. Das Vieh, welches um die Verunglückte herum weidete, wurde gleichfalls niedergeschmettert, erholte sich aber bald wieder.
Samstag, 2. September 2023
Freitag, 1. September 2023
Geschichten aus der Vergangenheit
In der Tages-Post, in der Welser Zeitung und im Prager Tagblatt konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
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| Kurhaus Bad Hall |
(Linzer) Tages-Post 21. Oktober 1899
Aus dem Stodertal erhalten wir folgende Mitteilung:
Seit einer Reihe von Jahren, wenn längst die Schwalben nach Süden entflohen und die Herbstnebel aus den Tälern emporsteigen, kommt ein lustiges Völklein in unser idyllisch schön gelegenes Tal gezogen. Wenn längst allerorten kein Sommergast mehr zu sehen ist, wird hier ein feucht-fröhlicher Nachsommer gefeiert. Anfangs bescheiden, mehren sich jetzt immer mehr die liebenswerten Gäste. Es sind Herrn und Damen aus den ersten Kreisen von Bad Hall, welche nach der Kursaison Erholung suchen in den Bergen. Es ist nun zur Tatsache geworden, dass wir hier eine Bad Haller Spätherbst-Fremdenkolonie haben, welche ihren Ursprung einer Tischgesellschaft bei Neubauer verdankt und an deren Spitze ein bekannter ausgezeichneter Arzt aus Bad Hall steht. Kaum dass
die fröhlichen Haller im Stodertal eingezogen sind, beginnt reges Leben im bekannten Jaidhaus in Hinterstoder und hoch oben am Karl Krahl-Schutzhause (Prielschutzhaus) am großen Priel.
Aus dem Stodertal erhalten wir folgende Mitteilung:
Seit einer Reihe von Jahren, wenn längst die Schwalben nach Süden entflohen und die Herbstnebel aus den Tälern emporsteigen, kommt ein lustiges Völklein in unser idyllisch schön gelegenes Tal gezogen. Wenn längst allerorten kein Sommergast mehr zu sehen ist, wird hier ein feucht-fröhlicher Nachsommer gefeiert. Anfangs bescheiden, mehren sich jetzt immer mehr die liebenswerten Gäste. Es sind Herrn und Damen aus den ersten Kreisen von Bad Hall, welche nach der Kursaison Erholung suchen in den Bergen. Es ist nun zur Tatsache geworden, dass wir hier eine Bad Haller Spätherbst-Fremdenkolonie haben, welche ihren Ursprung einer Tischgesellschaft bei Neubauer verdankt und an deren Spitze ein bekannter ausgezeichneter Arzt aus Bad Hall steht. Kaum dass
die fröhlichen Haller im Stodertal eingezogen sind, beginnt reges Leben im bekannten Jaidhaus in Hinterstoder und hoch oben am Karl Krahl-Schutzhause (Prielschutzhaus) am großen Priel.
Männlein und Weiblein tummeln sich herum bis zu den höchsten Bergspitzen. Die Männer obliegen, wenn gerade keine neuen Gebirgsübergänge zu entdecken sind, dem edlen Weidwerk und wenn auch noch die meisten Hirsche leben, die geschossen werden sollten, so gibt es doch diverse Jagdabenteuer und ein neuester Sport ist der, das Leben der Gemsen mit Amateurphotographen-Apparaten zu belauschen und abzunehmen. Welche Freude, wenn ein schönes Bild traulichen Lebens der flinken Alpengazelle abgelauscht wurde! Und wer heute noch trotz der kalten Oktoberstürme am Flachland das Stodertal betritt, wird in dem langen Talkessel eine warme, wundermilde Luft finden bei nebelfreien, sonnigen Tagen. Während man in der Landeshauptstadt und im weiten Land jetzt zu den Winterröcken greift, geht man in Stoder mit Kniehosen und leichtem Rock herum. Und je höher man steigt, welcher Sonnenglanz und Sonnenwärme. Nur in der über 1000 Meter hohen Region beginnt Schnee sich zu zeigen. Bis Allerheiligen währt die Nachsommersaison der Bad Haller und sollte auch tiefer Schnee schon längst im Tal sein..
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Ein Retter in der Not.
In einer Schweizer Zeitung wurde folgender erschütternder Vorgang gemeldet:
„Bei dem Brand eines Hauses hatten die Flammen so schnell um sich gegriffen,
dass die Bewohner nur durch schnellste Flucht ihr nacktes Leben retten konnten.
Ein Benzinbehälter war nämlich explodiert und hatte alle Bewohner in höchste
Lebensgefahr gebracht. Vor dem Haus stand eine wehklagende Frau, deren Kind in
der Wohnung zurückgeblieben war, da weder der Vater noch die Mutter die Möglichkeit
hatten, in das brennende Schlafzimmer des Kindes einzudringen. Bevor die Feuerwehr
auf dem Platz erschienen war, um Rettungsarbeiten vornehmen zu können, wäre das Kind
längst verbrannt gewesen.
Das Ehepaar besaß einen deutschen Schäferhund, der bei dem
Jammern seiner Herrin furchtbar erregt war und fortwährend Miene machte, in das
offene Zimmer der in dem ersten Stock gelegenen Wohnung zu springen. Wenn auch die
Wohnung in dem altmodischen kleinen und niedrigen Haus nicht sehr hoch war, so konnte
der Hund doch nicht in das Zimmer gelangen. Da kam im Augenblick der höchsten Gefahr
ein Bewohner des Hauses auf den glücklichen Gedanken, vor das Haus einen Tisch und
darauf einen Stuhl zu stellen. Der Hund schien zu wissen, dass diese Arbeiten seinem
Rettungswerk galten, denn er war kaum mehr zu halten und als der Stuhl auf dem Tisch
stand, war er in der selben Sekunde darauf gesprungen und sofort mit einem großen Satz
durch das offene Fenster in das Zimmer gelangt. Niemand glaubte, dass das Tier die
Klugheit aufbringen werde, zu wissen, was es tun solle. Aber bevor man sich darüber
noch Vermutungen hingeben konnte, war der Hund schnell wie ein Gedanke schon wieder
im Fensterrahmen erschienen und hatte zwischen den Zähnen das Tragkissen, in dem der
Säugling lag.
Auf schnell hingeworfene Kissen sprang nun der Hund herunter und war dabei so
behutsam, dass das Kind fast keinerlei Verletzungen erlitt.
Auf diese Weise wurde das Leben des Kindes gerettet, das schon verloren zu sein schien."
*********
Prager Tagblatt 12. Mai 1932
Frau M. fühlte sich gar nicht wohl. Sie geht zum Hausarzt, der ihr nach gründlicher Untersuchung sagt: „Liebe Frau, Ihnen fehlt nichts. Sie geht zum Spezialarzt, der gleichfalls keine Krankheit finden kann.
Prager Tagblatt 12. Mai 1932
Frau M. fühlte sich gar nicht wohl. Sie geht zum Hausarzt, der ihr nach gründlicher Untersuchung sagt: „Liebe Frau, Ihnen fehlt nichts. Sie geht zum Spezialarzt, der gleichfalls keine Krankheit finden kann.
Erst die Kapazität hat ein Einsehen. Sie sagt: „Sie haben ein Herzleiden, einen Herzklappenfehler. Sie müssen wegen eines Frauenleidens zu einem Spezialisten, ihre Lunge ist auch angegriffen und die Nerven bedürfen einer gründlichen Behandlung.—
Prager Tagblatt 28. November 1926
Dankbar drückt ihm Frau M. die Hand: „Jetzt bin ich beruhigt!"
********
Rabelais befand sich eines Tages im Gefolge des Kardinals de Bellay, als dieser dem Papst
seine Aufwartung machte. Als er aber sah, dass der Kardinal nach altem Brauch sich zu Boden
warf und und dem Papst die Füße küsste lief er mit allen Zeichen des Schreckens davon und
schloss die Türe hinter sich. Der Kardinal war über dieses Verhalten sehr erzürnt und machte
ihm bei seiner Rückkehr die heftigsten Vorwürfe.
„Monseigneur“, sagte Rabelais, „als ich sah,
dass ihr, ein Kardinal, ein Fürst und mein Herr, dem Papst die Füße küsst, hatte ich da nicht
allen Grund zur Annahme, dass ich, der ich im Vergleich zu euch nur ein armer Schlucker bin,
ihm hätte den Hintern küssen müssen?“
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