Freitag, 10. November 2023

Zeitungen berichten, was sich einst in Hinterstoder zugetragen hat.

Im Neuen Fremden-Blatt, in der Linzer Tagespost, im Linzer Volksblatt und in der Salzkammergut Zeitung konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.


Neues Fremden-Blatt 16. September 1875
Eröffnung der Priel-Höhle. (Die Schutzhöhle am Großen Priel war der erste Unterstand vor dem Bau des Schutzhauses.)
Die Eröffnung der über Anregung des Auffinders Herrn. C. Krahl vom österreichischen Touristen-Club zu einer Schutzhütte adaptierten Höhle auf dem großen Priel (8130 Fuß) fand am 7.9.1875 statt.
Nach einem drei Tage andauernden Regenwetter wurde bei schönem Morgen aufgebrochen und unter schweren Kämpfen mit dem Neuschnee, der in großen Massen lag, die Schutzhöhle in sechs Stunden erreicht. Diese ist 7500 Fuß hoch gelegen und noch 3/ 4 Stunden von der Spitze entfernt. Sie hat eine Länge von 4 Klaftern, eine Breite von 2 und eine Hohe von 3 Klaftern. Die innere Einrichtung besteht aus Pritsche, Tisch, Bank und Wandkästchen. Erbaut wurde sie von dem Wirt Fürlinger in Hinterstoder, welcher sich als Förderer touristischer Interessen hervor tat. Es schlossen sich der Wirt Hamerl in Windischmatrei und Jörg in Maria Schutz an. Auch der Weg von der unteren Polsteralpe bis zum großen Schneefeld wurde teils ausgebessert, teils neu gebaut.
Bei der Feier selbst hielt Herr Dr. Klotzberg als Mitglied der alpinen Bausektion die Festrede und übergab die Schutzhöhle dem Vertreter des österreichischen Touristen-Club Herrn R o ch e I, welcher dieselbe unter dem Donner der Pöllerschüsse für eröffnet erklärte.
Außer 12 Mitgliedern des österreichischen Touristen-Clubs waren noch Delegierte von der Sektion Steyr und dem steierischen Gebirgsverein zugegen. Im Ganzen haben 25 Personen dem schönen Fest beigewohnt.

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(Linzer) Tages-Post 11. September 1908
Aus Hinterstoder wird uns geschrieben:
Vor einigen Tagen wurde beim hiesigen Krämer Waldner eine Frauensperson aus Hinterstoder verhaftet.
Diesem Krämer gingen schon längere Zeit hindurch bald größere, bald kleinere Geldbeträge ab; er lenkte den Verdacht auf diese Frauensperson. Diese kam immer einkaufen und da der Krämer manchen Artikel erst aus einem zweiten Raum holen musste, benützte diese Person immer die kurze Zeit und entwendete aus der Geldlade verschiedene Beträge. Der Krämer zeigte dies der hiesigen Gendarmerie an und der Postenführer Maurer brachte an der Geldlade eine Vorrichtung an, welche derart war, dass die Lade leicht herausging, aber nicht mehr hineinzubringen war.
Eines Tages kam nun die Frauensperson wieder zum Krämer und verlangte Gries. Waldner verließ das Gewölbe und gleich benützte die „gute Kundschaft" die Zeit, zog die Geldlade schnell heraus und entwendete drei Kronen. Als sie die Lade wieder hineinschieben wollte, funktionierte die erfundene Vorrichtung großartig und sie konnte die Lade nicht mehr hineinbringen.
Im selben Momente trat nun der Postenführer in den Laden ein, nachdem er die Frau durch eine kleine Öffnung von draußen beobachtet hatte und verhaftete sie. Ursprünglich redete sie sich dahin aus, dass sie Geld auswechseln wollte, doch beim Bezirksgericht Windischgarsten gestand sie ein, 100 Kronen entwendet zu haben, während der Krämer angibt, dass ihm ein Betrag von mehr als 200 Kronen fehle.

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Linzer Volksblatt 15. Oktober 1949
Ernstes und Heiteres von Stimmzetteln.
Ein Auszug aus einem Artikel über die Wahlergebnisse vom 15.10 1949.
Die Auswertung der Wahlergebnisse war diesmal infolge des Rechtes der Reihung und Streichung in den Kandidatenlisten umständlicher als bisher. Es wurde recht unterschiedlich von diesem Recht Gebrauch gemacht.
Ein Blick in die Kreiswahlbehörde in Steyr, wo derzeit mehrere Tonnen Wahlakte aus den Bezirken Steyr, Linz-Land, Kirchdorf und Umgebung aufgearbeitet werden, bestätigt die obige Ziffer. Unter anderem kommt aber auch zutage, dass als Stimmzettel nicht nur Viehpässe oder amtliche Stimmzettel mit eigenen saftigen oder klassischen Zitaten, Wahlaufrufen oder Flugzettel der Parteien und ähnliches abgegeben wurden, sondern auch Kalenderblätter mit schönen Photographien, z.B. eine von der Dietl-Kapelle in Hinterstoder und Klosettpapier, zum Teil leer, zum Teil mit Gedichten oder Zitaten versehen, einer sogar mit dem beschmiert, wozu Klosettpapier eigentlich da ist.—
 
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Salzkammergut-Zeitung 7. Februar 1904
Eine Prozession von Greisen.
War früher bei der Lichterprozession am 2. Februar der nun verstorbene Matthäus Schweiger der älteste Teilnehmer, so waren es heuer die Herren Johann Hackl, Auszugsbauer am Klinsergut mit 90 Jahren und Hager, Vater des Herzoglich Württembergischen Oberjägers, mit 87 Jahren.
Auch die Zechpröbste (dem Zechprobst kommt in der katholischen Kirche die Aufgabe zu, während des Gottesdienstes die Geldspendensammlung durchzuführen). Elias Schwaiger, gepr. Huf- und Zeugschmied in Mitterstoder und Anton Hackl, Gasthofbesitzer in Hinterstoder, wirkten bei dieser Prozession, an der sich nach einer alten Einführung nur Greise beteiligten, mit.

Freitag, 3. November 2023

Alte Zeitungsgeschichten

Im Mährischen Tagblatt, im Tagblatt, im Prager Tagblatt und in der Oberdonau Zeitung konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst. 

Charles Boycott (geb.1832, gest.1897)
Britischer Gutsverwalter in Irland
Auf ihn geht der Begriff boykottieren bzw. Boykott zurück.

Mährisches Tagblatt 26. Juni 1897
Capitän Boycott, dessen Name die Sprache um ein neues Wort bereichert hat, ist in Flixton, in Suffolk gestorben. Berühmt wurde er, als ihm, als Verwalter der Güter Lord Erners, alle seine Knechte davonliefen, ihm kein Bäcker mehr Brot verkaufen wollte und er nicht einmal seine Wäsche gewaschen bekommen konnte. Niemand wollte auf seinem Land einen Spaten anrühren oder das Vieh hüten. Er war „boycottiert“.
Er bekam aber bald mehr als genügend Leute von Ulster. Viele Jahre war Capitän Boycott übrigens sehr beliebt in Irland.

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Charles Joseph de Ligne (geb.1735, gest.1814)
Feldmarschall, Diplomat,Schriftsteller
 
Tagblatt 20. Juni 1931
Eine reizende Anekdote, die dem geistvollen Fürsten de Ligne zur Zeit des Wiener-Kongresses in den Mund gelegt wird.
Der sollte einem ausländischen Diplomaten, der gerade kein Geisteslicht war, den in der deutschen Sprache bestehenden Unterschied zwischen senden und schicken erklären und tat dies mit folgenden Worten: „Sehen Sie Herr Gesandter, von ihnen kann man wohl sagen, dass Sie ein Gesandter sind, aber kein Geschickter ..."

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Dr. Frank Crane (geb.1861, gest.1928)
Presbyterianischer Geistlicher, Redner. 

Prager Tagblatt 14. Juli 1927
„Lob des Dicken" von Dr. Frank Crane. 
„Was ist denn eigentlich los mit den Leuten, dass sie sich über die Dicken lustig machen? Die Dicken sind das Heil des Menschengeschlechtes! Sie erhalten ihm die Fröhlichkeit! Optimismus ist eine Sache verfetteter Gewebe! Es sind die Dicken, die verhindern, dass die Menschheit an der trockenen Fäulnis dahinsterbe. Sie tragen die Quellen des Humors in sich. 
Gewiss, es hat auch etliche komische Leute gegeben, die dünn waren, aber was hätten sie bedeutet, wären keine Dicken dagewesen, über die zu lachen war? Eure Haut- und Knochenmenschen nehmen sich zu ernst. Das sind Weltverbesserer, Verbieter, Umstürzler. Ihr Evangelium heißt: „Alles, was ist, ist schlecht!" Nehmt meinen Rat Mädels! Sucht euch einen hübschen, großen, wohlgerundeten, saftigen Kerl aus, der gerne isst und trinkt und kein wurmiges Gewissen hat. Heiratet ihn und lasst — wie die Schrift so schön sagt — die Seele in der Fülle schwelgen! 
Wenn jeder Mensch dick wäre, gäbe es keinen Krieg! Es sind nur die Dünnen, die kämpfen!"

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Karl Eugen Herzog von Württemberg
(geb. 1728, gest. 1793)

Oberdonau Zeitung 27.1.1945
Jedem das Seine. Anton Stieger.
Herzog Karl Eugen 
von Württemberg war ein gestrenger Herr, den alles, was gegen seinen Strich lief, reizte. Dazu war er sehr eingenommen von seiner Macht und seiner Befehlsgewalt. Wer ihm widersprach oder ihn bei einer Beschäftigung störte, der kam bei ihm schlecht an.
Einmal begab sich der Herzog auf Reisen. In dem kleinen Städtchen Nagold machte er Rast. Es war ein heißer Sommertag und der Herzog beschloss, während der Zeit des ärgsten Sonnenbrandes in einem Gasthaus zu verweilen. Dort trank er etliche Gläser Wein und der weckte seinen Appetit. So trug er also der Wirtin auf, ihm zum Trank auch Speise zu bringen. Eilends verschwand die Wirtin in der
Küche, um ein Essen zu bereiten, das des Herzogs würdig war. Schon nach kurzer Zeit kam sie mit Schüsseln und Tellern daher, von denen es lustig dampfte. Behaglich und zufrieden machte sich der Herzog über das Dargebotene.

Der Duft der Speisen aber war nicht nur dem Herzog, sondern auch Hunderten von Fliegen in die Nase gestiegen die um diese Zeit in Nagold keine Seltenheit waren. Gar schnell kamen die lästigen Quälgeister angeflogen und nahmen unaufgefordert an der herzoglichen Mahlzeit teil. Und so viel der Herzog sie
auch verscheuchte, sie wurden eher mehr denn weniger.
„Hört!“ wandte sich da der Herzog verzweifelt an die Gastgeberin, „seid Ihr eine gute Wirtin, die ihr Geschäft in jeder Weise versteht?“
„Das will ich meinen!“ antwortete die Frau.
„So deckt schnell den Fliegen einen separaten Tisch!“ befahl der Herzog.
Die Wirtin stutzte zuerst, dann ging sie in die Küche und nach kaum einer Minute hatte sie den zweiten Tisch gedeckt, so wie es sich schickte.
Dann trat sie wieder zum Herzog, „Herr Herzog“, sagte sie, „seid Ihr ein rechter Herr, der sein Geschäft in jeder Weise versteht? Hat Euer Wort unwidersprechliche Befehlsgewalt?"
„Das will ich meinen!“ trumpfte Karl von Württemberg auf.
„Nun“, lächelte die Wirtin, „ich habe das meinige getan, tut nun das Eure: Befehlt den Fliegen, dass sie sich auf ihren Platz setzen!“

Donnerstag, 2. November 2023

Allerheiligen 1.11.2023 in Hinterstoder

 







                                                                 Fotos: Waltraud Schachner

Freitag, 27. Oktober 2023

Was Groß-oder Urgroßeltern in den Zeitungen lasen.

Im Linzer Volksblatt und im Wiener Tagblatt konnte man folgende Artikel lesen. Die Artikel wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst. 

Linzer Volksblatt 5. Juli 1901
Auf ins Stodertal.
Der Strom der Fremden beginnt schon unser herrliches Stodertal, das nach Eröffnung der Pyhrnbahn und Errichtung der Station Steyrerbruck einer großen Zukunft entgegengeht, zu besuchen. Das Wahrzeichen unserer Gegend, das herrliche Prielkreuz, sah heuer schon eine große Anzahl von Besuchern, welche durch die Polsterlucke den Aufstieg auf diesen Bergriesen unternahmen. Der bestempfehlenswerte Gasthof Hackl (Jaidhaus) in Hinterstoder bekommt durch einen Neubau eine Reihe neuer Unterkunftszimmer und eine schöne Veranda mit Aussicht auf das großartige Gebirgspanorama, aus dem das stolze Brüderpaar großer Priel und Spitzmauer ihre gewaltigen Häupter erheben.
D’rum, wer einen alpinen Hochgenuss sich verschaffen will, auf ins Stodertal. Man besucht soviel die Schweiz und Tirol, während wir Oberösterreicher daheim im eigenen Land die großartigsten Gebirgsschönheiten besitzen.

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Linzer Volksblatt 17. Januar 1911
Wieder zwei Alpenweiden zum Jagdgebiet geworden.
Aus Hinterstoder wird uns geschrieben: Vor einigen Jahren verkauften die Bauerngutsbesitzer Schnabl und Spintrigler ihre Weidealpen um 20.000 Kronen an den Sensengewerken August Pieslinger in Steyrling.
Nunmehr hat der Letztere den schönen Alpenbesitz der Gräfin Kottulinsky um rund 60.000 Kronen verkauft, wodurch wieder ein ausgedehntes Jagdgebiet auf Gemsen und Rotwild geschaffen wurde.

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Neues Wiener Tagblatt (Wochen-Ausgabe) 23. Juni 1934
Der General als Kindermädchen.
Als General Graf Haeseler, einer der bekanntesten Truppenführer aus der Zeit Kaiser Wilhelms II., zum Kommandierenden in Metz ernannt wurde, musste er zu seinem Missvergnügen wahrnehmen, dass die Offiziersburschen zu allerlei unpassenden Dienstleistungen verwendet wurden. Besonders in den Familien der verheirateten Offiziere mussten die Burschen nicht selten die Magd oder das Kindermädchen ersetzen. Haeseler verbot solchen Unfug.
Eines Morgens begegnete der General einem Kinderwagen, der von einem Offiziersdiener durch die Straßen geführt wurde. Haeseler hielt den Mann an und ließ sich das Gefährt übergeben. Dann entließ er den Soldaten mit folgendem Auftrag: „Sagen Sie der gnädigen Frau, Generalleutnant Haeseler stehe mit dem Kinderwagen hier auf dem Marktplatz und warte auf Ablösung.“ 
Der General brauchte nicht lange zu warten, bis ihn die Hauptmannsgattin unter verlegenen Dankesworten von seinem sonderbaren Dienst befreite.

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Linzer Volksblatt 21. Oktober 1898
Zwillinge im Arrest geboren.
Im hiesigen Gefängnis wurde dieser Tage eine 20jährige Magd, namens Rosina Reschitzegger aus Hinterstoder, Mutter von Zwillingen. Die Mutter muss wegen Diebstahl vier Wochen abbüßen. Interessant ist, dass die durch die Hebamme bei der Taufe vertretene Patin der Kinder auch eine Arrestantin ist. Eines der Kinder ist jedoch nach kurzer Zeit gestorben.

Freitag, 20. Oktober 2023

Schäden durch Einbrecher, Brände und Storch.

Im "Tagblatt" und  im "Prager Tagblatt" konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.


Tagblatt 20. Dezember 1925
Das Kind und die Einbrecher.
Unbekannte Täter brachen in der Nacht zum 19. November in die Krämerei
der Eheleute Hutgrabner in Hinterstoder 65 ein. Sie wogen ein Fensterkreuz aus und veranlassten dann ein Kind, in das Geschäft einzusteigen, um Schokolade, Bargeld, Schnaps und Rum zu stehlen.
Die Gendarmerie Hinterstoder ließ die Angelegenheit nicht aus dem Auge. Ihre unentwegten Bemühungen, die Täter zu ermitteln, waren denn schließlich auch von Erfolg gekrönt. Als Einbrecher wurde dieser Tage der 1886 in Lind bei Scheifling in Steiermark geborene, dort beheimatete und in Hintertambergau 
Nr. 9, Gemeinde Hinterstoder, wohnhafte Häusler Peter Zitzenbacher ausgeforscht, der nach Auswiegen des Fensterkreuzes seinen 12jährigen Stiefsohn Leonhard Maurer veranlasst hatte, in das Geschäft einzusteigen, um dort zu stehlen Der mit solchen Erziehungsmitteln arbeitende Stiefvater des Kindes, Peter Zitzenbacher, wurde dem Bezirksgericht Windischgarsten eingeliefert. Er gibt den Diebstahl zu, leugnet aber, ihn selbst begangen zu haben. Volle Klarheit wird hierüber sicherlich die gerichtliche Untersuchung bringen.

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Tagblatt 1. Dezember 1925
In der dem Gutsbesitzer Johann Feßl in Hinterstoder Nr. 19 gehörigen Gutmann-Villa kam am 26. November mittags vermutlich durch Ausbrennen des Kamins Feuer aus. Die aus Holz erbaut gewesene Villa brannte vollständig nieder. Feßl erleidet einen Schaden von etwa 40.000 Schilling, die Versicherungssumme beträgt lediglich 3000 S. Die Inwohner-Eheleute Brunner konnten zum Glück ihre ganzen Habseligkeiten retten.
Den Eheleuten Retzer, welche die Dachbodenwohnung innehatten, verbrannten zum Teil ihre Einrichtungsgegenstände. Die, die bei den Räumungsarbeiten gerettet wurden, waren stark beschädigt. Retzer erleidet einen Schaden von 800 S, dem keinerlei Versicherung gegenübersteht.
Am Brandplatz betätigte sich die Feuerwehr Hinterstoder. Die Gendarmerie Hinterstoder versah den Ordnungsdienst.

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Tagblatt 25. Januar 1928
Schadenfeuer in Hinterstoder.
Am 22.1.1928 um 18.30 Uhr ist die aus Holz erbaute Poppenmühle in Mitterstoder, in welcher auch die Reparaturwerkstatte des in Steyr, Bergerweg
Nr. 17, wohnhaften Schlossermeisters Jaroslav Raiser untergebracht war, gänzlich niedergebrannt.
Sämtliche in der Mühle befindlichen Maschinen und Schlosserwerkzeuge fielen dem Brand zum Opfer. Schaden und Entstehungsursache sind noch nicht bekannt. Die Mühle war Eigentum des Besitzers  Anton Draxler, vulgo Popp, in Mitterstoder. Sie war seit dem Jahre 1926 vom Schlossermeister Raiser gepachtet. Dank der herrschenden Windstille kamen Nachbarsobjekte nicht in Gefahr. 
Am Brandplatz betätigte sich die Feuerwehr Hinterstoder mit Motorspritze.

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Prager Tagblatt 12. Dezember 1930 
Die Geburt war nicht sehr leicht, die Familie ist sehr aufgeregt gewesen, aber nach fünf Tagen war alles in Ordnung. Mutter fühlt sich so wohl, dass der kleine Kurt sogar kommen und das winzige Schwesterchen ansehen darf.
„Du musst aber sehr, sehr artig sein," mahnt der Vater, „Mutter ist noch sehr schwach, der Storch hat sie heftig ins Bein gebissen."
„Ein böser Storch", antwortete Kurt, „beißt sie nach einer so schweren Entbindung".

Freitag, 13. Oktober 2023

Allerlei aus alten Zeitungen

Im Linzer Volksblatt, im Prager Tagblatt und im Erlafthal Boten konnte man folgende Artikel lesen. Die Artikel wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

„Linzer Volksblatt" den 11. Oktober 1914.
Schulleiter i. R. Niedereder ein Botaniker von internationalem Rang.
Aus Vorderstoder wird uns geschrieben: Eine stille Zierde Oberösterreichs war ohne Übertreibung Franz Niedereder, pensionierter Schulleiter in Vorderstoder, welcher daselbst am 5. Oktober sanft verschied.
Ungefähr ein Menschenalter hatte er dort gewirkt im Dienste der Schule und auch in der Kirche als Organist, voll Seelengüte und Pflichteifer, mochte ihm auch die Welt manchmal mit Undank lohnen.
Schwer war ihm darum die Trennung gewesen, als er heuer nach vorausgegangenem Urlaub im Mai wegen Kränklichkeit — Asthma — in Pension gegangen war und vor einem Monate das Schulhaus verlassen musste. Und hatte er früher in seiner Freude an Musik mit großen Opfern eine Kapelle herangebildet, so wollte er jetzt wenigstens den Organistendienst noch eine zeitlang fortführen.
Leider sollte es ihm nicht mehr lange gegönnt sein, unter der treuen Obhut seiner Schwester die verdiente Ruhe zu genießen. Es wäre keine müßige Ruhe gewesen. 

Mitte der Neunziger Jahre fing nämlich Niedereder an, sich eingehend mit der Wissenschaft der Botanik zu befassen. Kein Wunder, dass es diese bescheidene, edle Seele zu den Alpenblümlein mächtig hinzog. Mit eisernem Fleiß leistete er Bedeutendes. Viele Stunden verweilte er oft in den Bergen und nichts konnte ihn, wenn er in seinen Studien vertieft war, von seinen Blumen wegbringen. Er kannte darum auch die ganze schöne Gebirgsgegend um Vorderstoder genau und arbeitete mit am „Führer durch Windischgarsten und seine Umgebung". Er stand mit Botanikern bis hinauf nach Hammerfest und Spitzbergen in Verbindung im Tauschverkehr und sein Herbarium umfasst gehörige Stöße. Große Freude bereitete es ihm, als er noch vor ein paar Tagen eine Feldpostkarte von einem württembergischen Botaniker erhielt.
Darum wollte er sich auch von seinem lieben Stoder nicht trennen, von einem bequemeren Ort für die Tage der Mühe nichts wissen. Die Alpenblümlein hatten es ihm angetan, die er so gut kannte und von denen er einige unbekannte Arten neu entdeckte. Eine Goldrute und eine Minze tragen seinen Namen.
So steht sein Name unvergänglich im Buche der Wissenschaften— eine stille Zierde Oberösterreichs.
Franz Niedereder wurde am 28. Juli 1858 in Steinerkirchen a. d. Traun als der älteste Sohn des dortigen Gemeindesekretärs geboren. Er widmete sich dem Stande seines Großvaters und wirkte als Lehrer in St. Pankraz, Windischgarsten, Hinterstoder und weitaus die längste Zeit aber in Vorderstoder.
Länger schon fühlte er sich leidend, doch wollte er nichts merken lassen. Am 
4. 10. endlich, seinem Namenstag, entschloss er sich nach Windischgarsten zu fahren, „zum, geistlichen und weltlichen Doktor", wie er scherzend meinte. Niedereder war nämlich ein wahrhaft frommer Katholik der täglich der hl. Messe beiwohnte und öfter im Jahre zu den hl. Sakramenten ging. Lange verweilte er diesmal im Gebet und war fast nicht aus der Kirche hinauszubringen. Doch schon auf der Fahrt war er einmal ohnmächtig geworden.
In der Nacht traf ihn in seiner Wohnung im Pfarrhofe der Schlag und nach kurzem Kampf und Empfang der hl. Ölung verschied er sanft im Herrn. Das Leichenbegängnis gestaltete sich erhebend. Trotz des schlechten Wetters waren zahlreiche Berufskollegen herbeigekommen und die Teilnahme der Bevölkerung war groß. So ruht nun der bescheidene Mann beim stillen Kirchlein in Vorderstoder.

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Bert Brecht (geb.1898, gest.1956)
Deutscher Dramatiker, Librettist, Lyriker

Prager Tagblatt 23. Mai 1928
Im Klub „Bühne und Film" in Berlin saß an einem kleinen Tisch Bert Brecht, der Dichter von „Trommeln in der Nacht“.
Im Laufe des Abends erfährt Eugen Klöpfer, (Schauspieler) dass Brecht gestern Vater geworden ist. „Ich gratuliere", geht er da zu dem Dichter hinüber. „Aber wie hast du das angestellt? Ich denke immer, ihr trommelt in der Nacht."

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Heinrich Heine (geb.1797, gest.1856)
Deutscher Dichter, Schriftsteller

Erlafthal-Bote 12. Juni 1932

Der naschhafte Besucher.
Eines Tages erhielt der Dichter Heinrich Heine von einem Bekannten Besuch. Da Heine noch etwas in seinem Privatzimmer zu tun hatte, nahm der Besucher während der Wartezeit geschwind einen gebratenen verführerisch duftenden Apfel, der auf dem Gesims des Kamins im Empfangszimmer lag weg und aß ihn auf. Beim Eintritt ins Zimmer merkte Heine sofort, dass der Apfel verschwunden war.
Um dem Naschhaften eine Lektion zu erteilen und ihn ein wenig zu ängstigen stellte sich der Dichter sehr unruhig und besorgt und fragte den Besucher mit geheucheltem Entsetzen: Haben Sie etwa gar den Apfel, der dort auf dem Kamin lag, gegessen? Natürlich leugnete der Delinquent hartnäckig. Sie beruhigen mich, versetzte Heine aufatmend, da ich von Mäusen sehr geplagt werde, habe ich nämlich den Apfel mit Arsenik vergiftet. Da sprang das unverbesserliche Leckermaul in der ärgsten Bestürzung im Zimmer umher, schrie verzweifelt um einen Arzt und bat mit gerungenen Händen um Milch. Nachdem sich Heine eine Weile an dem jämmerlich stöhnenden Besucher geweidet hatte, klärte er lachend den wahren Sachverhalt auf. Von dieser Stunde an war der Mann ein für allemal von seiner Naschhaftigkeit geheilt.