Dienstag, 2. Dezember 2014

Von den Anfängen der Stodertaler Tourismuswerbung


Bis ungefähr zur Mitte des 19. Jhdt. war das Stodertal ein einsames, abgelegenes Bergtal, das nur von wenigen Fremden besucht wurde. Hauptsächlich ist es drei Personen, nämlich dem Lehrer Josef Angerhofer, (geb.1860, gest.1947), dem Erholungsheimbesitzer Georg Julius Schachinger, (geb.1866, gest.1925) und dem Maler Edward Theodore Compton, (geb.1849, gest.1921), zu danken, daß dieses versteckte Tal von Gästen entdeckt wurde.
Der Lehrer und spätere Schuldirektor von Hinterstoder Josef Angerhofer begann 1881 hier zu unterrichten. Bereits 1890 erschienen seine ersten Broschüren "Prielkreuzblätter" und später "Das Stodertal", die dazu beitragen sollten, Gäste auf das Stodertal aufmerksam zu machen. Ein Satz aus seinem Vorwort: "Vorliegendes Büchlein entsprang der Liebe zum Ort, zur bescheidenen Orientierung für Naturfreunde, sowie es auch als schwacher Widerhall der Bestrebungen der Behörden bezüglich Hebung des Fremdenverkehres im schönen Oberösterreich gelten möchte."
Dieses Heft wurde alle paar Jahre aktualisiert, wurde durch Inserate von Beherbergungsbetrieben finanziert, gab den Gästen Wandervorschläge und berichtete über Aktuelles und Geschichtliches aus dem Stodertal. Angerhofer schrieb aber auch Theaterstücke, komponierte und war einer der Ersten der das Stodertal fotografisch dokumentierte. Seine Fotos wurden oft auch in Linzer Zeitungen veröffentlicht. Viele Jahre hindurch verfaßte er für Sterbebilder Verse auf denen er das Lebenswerk des jeweils Verstorbenen beschrieb.
Der Linzer Kaufmannssohn Georg Julius Schachinger, ein begeisterter Bergsteiger und Amateurfotograf, kam schon in Jugendjahren mit seinen Eltern in das Stodertal und verbrachte von da an oft seine freien Tage im Gebirge. 1900 erwarb er die Villa "Erika" am Ortseingang nach Hinterstoder und ein Grundstück auf der gegenüberliegenden Talseite. Dort entstand das Erholungsheim "Prielkreuz". Mit seiner Schweizer Ehegattin Clara und deren Verwandtschaft bewirtschaftete er die beiden Gebäude als Beherbergungsbetriebe für Urlaubsgäste. Das Haus "Prielkreuz" wurde als Erholungsheim nach Schweizer Vorbild ausgestattet. Neben einer großen Terrasse zum Sonnenbaden gab es Möglichkeiten zur Gartenarbeit, eine Dunkelkammer für Fotoausarbeitung, eine Tischlerei zum Basteln usw.
Besonders die Terrasse zum Sonnenbaden war dem Pfarrer Lehner ein Dorn im Auge, denn er befürchtete durch das hüllenlose oder nur leicht bekleidete Liegen in der Sonne eine Brutstätte der Unmoral.
Georg Julius Schachinger und Josef Angerhofer die befreundet waren und auch oft gemeinsame Bergtouren unternahmen, fotografierten die Schönheiten des Stodertals und des Toten Gebirges und dokumentierten es im Bild. Diese Bilder, die in vielen Zeitungen erschienen, rückten das Stodertal in das Bewußtsein der Öffentlichkeit und machten auf die Naturschönheiten aufmerksam.
Bei seinen Bergtouren, vermutlich in der Schweiz, lernte G.J. Schachinger den englischen, in Deutschland lebenden Maler Edward Theodore Compton  kennen und lud ihn nach Hinterstoder ein. Das Bergsteigen und Dokumentieren der Landschaft, der eine mit der Fotografie, der andere mit der Malerei, verband beide mit einer bis zum Tod anhaltenden Freundschaft. Compton, der sich als Gebirgs-. und Landschaftsmaler schon einen festen Platz in den Kunstgalerien geschaffen hatte, wurde durch Schachinger noch weiter gefördert, weil er Ausstellungen mit Gemälden und Fotos hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz organisierte. Die Bilder, die im Stodertal und Toten Gebirge entstanden dienten natürlich auch dazu Gäste zu werben.
Einen kräftigen Aufschwung im Tourismus brachte der 1906 eröffnete Bosrucktunnel, der den Verkehr mit der Bahn erheblich beschleunigte. 1889 ließ der k. k.(kaiserlich,königliche) Hofbaumeister Johann Schieder den kleinen Lahnteich vergrößern und schuf damit den Schiederweiher, der zu den schönsten Fotomotiven gehört die man in Österreich finden kann.

Josef Angerhofer ca. 1890

Broschüre für Gäste

Josef Angerhofer links ca. 1920

Georg Julius Schachinger ca. 1900

Georg Julius Schachinger ca.1920

Villa Erika


Schachingers Erholungsheim "Prielkreuz"

E.T.Compton ca. 1880



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