Freitag, 8. Dezember 2023

Was unsere Groß - und Urgroßeltern in der Zeitung lasen.

Im Linzer Volksblatt und in der Gemeinde-Zeitung konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

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Linzer Volksblatt 11. Juni 1914
Das Paradies der Raucher ist Mexiko, hier raucht einfach alles: alt und jung, Männer und Frauen, arm und reich. Den Kindern, versichert der Fumeur (Raucher), steckt man, kaum dass sie der Babynahrung entwöhnt sind, eine Zigarette in den Mund und in den Schulen dürfen die Schüler mit welchen die Lehrer besonders zufrieden sind, sogar während des Unterrichtes eine Zigarre rauchen. 
Auch in den Kirchen wird geraucht, was übrigens nicht nur in Mexiko vorkommt, sondern auch in fast allen Ländern Südamerikas gute Sitte ist. Männlein und Weiblein rauchen während des ganzen Gottesdienstes, nur nicht während der Wandlung; dann fliegen die Zigaretten und Zigarren rasch in irgend eine Ecke und alles beugt das Knie. In Mexiko raucht man auch in den Gerichtssälen. Nicht bloß die Richter rauchen, sondern auch die Verteidiger, die Gerichtsdiener, die Zeugen und die Geschworenen. Selbst der Angeklagte und der ihn überwachende Gendarm geben sich gegenseitig in der höflichsten Weise Feuer. 
Für Kettenraucher ist Mexiko also das wahre Schlaraffenland!

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Gemeinde-Zeitung: unabhängiges politisches Journal 31. Januar 1867 Eine wackere Gendarmerie-Patrouille. (Dieser alte Zeitungsartikel wurde im Original belassen und nur wegen des einfacheren Lesens geringfügig unserer Zeit angepasst.)
Der viele Schnee, der im Anfang des vorigen Monates gefallen war und im Gebirge, namentlich in der Umgebung des Priel, klafterhoch (1 Klafter = 1,80m) lag, drängte das Wild von den Bergen nach den Niederungen, um da kümmerlich seine Nahrung zu suchen. Es scheute sich nicht, bis zu den Wohnungen der Menschen vorzudringen. Für die Wilddiebe war das eine köstliche Gelegenheit, um auf minder gefährliche Art ihr Waidmanns Glück zu versuchen.

Der 4. Dezember 1866, so berichtet der Korrespondent L.A., führte den k.k. Forstwart Karl Mitterhauser, bei der Herrschaft Spital am Pyhrn (Oberösterreich) bedienstet, auf einen im Revier gehörten Schuss, der seines Wissens nur von einem Raubschützen herrühren konnte, der beschwerlichen Pflicht seines aufhabenden Dienstes nach. Es vergingen Stunden, ja ein ganzer Tag, Mitterhauser kehrte nicht zurück. Sein Weib in Besorgnis, dass er im Schnee versunken, oder gar in die Hände verwegener Wilderer gefallen sein könnte, sendete Tags darauf zwei Männer zu seiner Aufsuchung aus, die nach einer Stunde Weges Blutspuren und eine Strecke weiter im Graslreith den Leichnam des Mitterhauser, einen Kugelschuss durch die Brust, aufgefunden haben.
Über erhaltene Verständigung entsendete das k.k. Bezirksamt Windischgarsten noch am selben Tag eine Kommission an Ort und Stelle, welcher Kommission sich der Postenführer A. Lachnit und Gendarm E. Görlich aus Windischgarsten angeschlossen haben. Nachdem der Augenschein genommen worden war, verfolgte der Führer Lachnit die unbekannten Täter nach der rückgelassenen Spur bergaufwärts. Er watete im tiefen Schnee und nicht ohne Gefährdung seines Lebens, bis zu einem hohen Felsen, wo nach den Tritten im Schnee zu entnehmen war, dass der Täter ihrer zwei gewesen sein mussten und dass selbe über eine Riese abgerutscht waren und dann erst zu einem etwas betretenen Pfad gekommen, sich spurlos verloren hatten. Die einbrechende Nacht gebot der weiteren Nachforschung von da aus ein Halt.
Am Rückwege traf Lachnit in Walchegg mit Gendarm Görlich zusammen, der mit dem Forsteleven J. gleichfalls die Spuren der Täter nach einer andern Richtung verfolgt hatte. Obschon die Nacht die Nachforschungen erschwerte, ja nahezu unmöglich machte, so wurden selbe dennoch gemeinschaftlich fortgesetzt. Dem Führer war bekannt, dass in der Gegend sich ein äußerst verwegenes Subjekt, Franz B., vazierender Knecht aus der Roßleiten, vielfach wegen Raubschützerei abgestraft, herumtreibe. Die Patrouille lenkte ihre Schritte zu der Pechleitenhütte, wo seine Geliebte wohnt, bei der er sich Tage lang aufzuhalten pflegte. In der Tat wurde B. auch hier angetroffen und da er sich über ein Alibi, während der Ermordung des Mitterhauser, nicht ausweisen konnte wie auch auf jede weiters an ihn gestellte Frage nur noch verdächtiger zeigte, so wurde er verhaftet und seine Einlieferung nach Windischgarsten veranlasst. 
Am 6. Dezember wurden mit Tagesanbruch die Recherchen fortgesetzt, wobei es gelang, die verwehten Spuren vom Tag vorher wieder aufzufinden. Sie lenkten zu einem bewaldeten Felsen hinan, namens Kreilstein, der dann auch erklommen worden ist. Hier fand die Patrouille zwei Paar Schneereifen, zwei Bergstöcke und zwei Gewehre an Bäumen angebunden. Durch Zeugen wurde konstatiert, dass eines der Gewehre und ein Paar Schneereifen dem verhafteten B. gehören. In Folge der am 7., 8. und 9. Dezember gepflogenen Nachforschungen lenkte sich der weitere Verdacht der Teilnahme auf Josef R. aus Hinterstoder, einen berüchtigten Wilderer, der seine zahlreiche Familie darben lässt, statt zu arbeiten, in letzterer Zeit mit B. verkehrte, und am 5. Dezember, aus der Gegend kommend, wo der Schauplatz des Verbrechens war, gesehen wurde. Man traf ihn in Kniemoos und kaum in Haft genommen, war er der Patrouille auch schon alle Momente der ruchlosen Tat geständig.
So hat die Patrouille durch ein fünftägiges, rastloses Nachforschen, oft an den gefährlichsten Abgründen mit wahrer Todesverachtung bis an den Gürtel im Schnee watend, in kurzer Zeit die Mörder des Mitterhauser zu Stande gebracht und dadurch auf die in der Gegend häufig vorkommenden Wilderer einen heilsamen Eindruck hinterlassen, dem Gerichte aber durch die umständlichsten Erhebungen die Mittel geliefert, die gesetzliche Sühne bald vollziehen zu können.

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Linzer Volksblatt 14. September 1902
Hinterstoder, 12. September 1902 (Todesfall.)

Heute früh verschied hier Herr Schieder, Hofarchitekt, Erbauer und Besitzer der nach ihm benannten Villa am Eingang zur Polsterlucke. Er hat sich namentlich durch Anlage des großen Teiches (Schiederweiher) am Eingang zur Polsterlucke um die Verschönerung unseres Tales das größte Verdienst erworben.

Samstag, 2. Dezember 2023

Märchenhafter Advent in Hinterstoder

 
















                                                    Fotos: Traude Schachner

Freitag, 1. Dezember 2023

Was einst in der Zeitung stand.

Im Grazer Volksblatt, in der Linzer Tagespost und im Linzer Volksblatt konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst. 

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Grazer Volksblatt 25. November 1926
Jugend von heute.
Der Lehrer sagt: „Also, Kinder, ich habe euch jetzt die Kugelgestalt der Erde erklärt. Ich will sehen, ob ihr mich verstanden habt. Du, Moritz, pass einmal auf: Wenn du mitten in der Stadt ein Loch zu graben anfingst, verstehst du und du gräbst immer tiefer, immer tiefer weil du doch bei der anderen Seite herauskommen willst, — wo würdest du da hinkommen?" 
Sagt der kleine Moritz: „In die Irrenanstalt, Herr Lehrer!"

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(Linzer) Tages-Post 15. Juni 1918
„Ein irrend Wanderleben".
Man schreibt uns aus Vorderstoder: 
In die dem Besitzer Hermann Ramsebner, vulgo Löger, gehörige Alpenhütte, auf dem Hochstein in Hinterstoder wurde durch das Dach eingebrochen. Der Einbrecher, der darin gekocht und einen Laib Brot genommen hat, ließ einen Zettel zurück mit den Worten: „Ich bitte um Entschuldigung, ich bin kein Dieb!
Ich bin nur ein irrendes Wanderleben." Es dürfte ein flüchtiger Kriegsgefangener gewesen sein.

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(Linzer) Tages-Post 9. Juni 1928
Ein tschechischer Deserteur vor den hiesigen Schöffen.
Der nach Vierzighuben in der Tschechoslowakei zuständige Webergehife Emil Schneider wurde im Jahre 1927 von der Wiener Polizeidirektion für immer aus Österreich ausgewiesen. In seiner Heimat wurde er dann zum Militärdienst eingezogen. Von seiner in Olmütz liegenden Garnison riss er aber im April aus, um wieder ins liebe Österreich zurückzukehren.
Auf seinen Wanderzügen - angeblich wollte er zur Arbeitsuche nach Steiermark — versuchte er sich in einem Forsthaus in Hinterstoder Lebensmittel anzueignen. Der Einbruch gelang ihm, als er aber ins Zimmer trat, überraschte ihn der von einer Hahnenbalz zurückgekehrte Jäger Heinrich Arminger mit schussbereiter Waffe. Schneider wurde verhaftet und gab an, lediglich aus Hunger auf Lebensmittelbeute ausgegangen zu sein, ein Geständnis, das er bei der durchgeführten Verhandlung auch aufrecht hielt.
Mit Rücksicht auf zwölf, meistens wegen Eigentumsdelikten erlittenen Vorstrafen konnte der Senat von einem Milderungsrecht keinen Gebrauch mehr machen. Schneider erhielt diesmal— als dreizehnte Strafe— gemäß der vom Staatsanwalt vertretenen Anklage drei Monate schweren Kerker, verschärft mit Dunkelhaft monatlich (unter Einrechnung der Haft seit 29. April) womit er sich einverstanden erklärte.
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Linzer Volksblatt 6. August 1929
Ein bedauerlicher Verstoß der Post gegen die Unparteilichkeit. 
Aus Hinterstoder und Klaus gehen uns Beschwerden zu, dass in den letzten Tagen dort von der Post offiziell an alle Postempfänger Fahrpläne der Postkraftwagenlinie Dirnbach-Stoder-Hinterstoder verteilt wurden, denen ein Bestellblatt für das sozialdemokratische Hetzblatt »Die Unzufriedene« perforiert angeschlossen war. Diese Fahrpläne wurden den Postämtern von der Postdirektion Linz mit dem Auftrag zugemittelt, sie im Amtslokal auszulegen und an die Postempfänger verteilen zu lassen.
Es ist sogar vorgekommen, dass die Werbezettel für „Die Unzufriedene" anderen Drucksorten, wie z. B. der Reichspost, beigelegt wurden. Es ist begreiflich, dass die nicht sozialdemokratische Bevölkerung, die vor dem üblen roten Frauenhetzblatt Abscheu hat, schärfsten Protest dagegen erhebt und dass sozusagen von Amts wegen für ein solches Blatt Propaganda gemacht wird. Der Postdirektion sind die betreffenden Werbeschriften von der Inseratenfirma 
E. Horwath in Wien zugegangen mit dem Ersuchen um Verteilung. Dem Ersuchen wurde entsprochen, weil die Beteiligten Postorgane nach ihren Angaben den Charakter des Blattes nicht kannten. Wir sind aber der Ansicht, dass es die Post  überhaupt vermeiden sollte, für irgend eine Zeitung Propaganda zu machen, da die Postanstalt unparteiisch zu sein hat. Es wäre auch anzuempfehlen, dass sich die Post eine andere Firma aussucht als die Firma Horwath, die sie mit solchen Reklamen hineinlegt. Man kann von der Postdirektion verlangen, dass sie die Ausgabe der betreffenden Fahrpläne sofort einstellt und dass sie die Bevölkerung darüber aufklärt, dass sie in keiner Weise für das sozialdemokratische Blatt amtliche Propaganda zu machen beabsichtigte.
Diese Aufklärung ist die Postdirektion der Bevölkerung schuldig, will sie nicht in den Verdacht kommen, dass sie sich für irgend ein Parteiblatt— noch dazu für eines von dem Niveau der ,,Unzufriedenen“ einsetzt.

Freitag, 24. November 2023

Humorvolles aus der Vergangenheit

Im "Tagblatt" und im "Prager Tagblatt" konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.


Tagblatt 20. November 1927

Sonderbare Nachrufe.
Es ist ein allgemeiner, pietätvoller Brauch, dass man den Verstorbenen nur Gutes nachredet. In früheren Zeiten aber hat man auch in dieser Hinsicht keine Mördergrube aus seinem Herzen gemacht. Da war man sogar so ehrlich, die wahre Meinung, die man von dem Toten hatte auf seinen Grabstein zu setzen. Solche sonderbare Grabinschriften sind zum Beispiel auf Friedhöfen in Tirol bis Westfalen zu finden. Auf uralten Steinen stehen unter anderem auch die folgenden Verse:

Peter Anichs Frau scheint nicht zu den Friedfertigen gehört zu haben, denn auf das Grab dieses Ehepaares schrieb man: 
In diesem Grab liegt Anichs Peter. Die Frau begrub man hier erst später. Man hat sie neben ihm begraben. Wird er die ewige Ruh' nun haben? 

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Die Anna Lentner kann dagegen mit dem Wunsch, der auf ihrem Grab eingemeißelt ist, zufrieden sein: 
Hier ist ertrunken Anna Lentner, Sie wog mehr als dritthalb Zentner. Gott geb' ihr in der Ewigkeit nach ihrem Gewicht die Seligkeit. 

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Ein langes Poem hat man dem Schneider, der ein großer Alkoholfreund war, auf den Grabstein geschrieben: 
Der Schneider, der so schrecklich trank. 
Er wurde von dem Saufen krank. 
Als ihm der Tod schon auf der Zunge saß, 
da macht er sie noch einmal nass. 
Mit einer Pulle Doppelkümmel fuhr seine Seele auf zum Himmel. 
Hier liegt er nun in seiner Gruft, bis des Allmächtigen Stimme ruft: 
Schneider, mit deiner Kümmelseele, komm heraus aus deiner Höhle! 
Geh zu Noah, der hat Wein, dem wirst du wohl willkommen sein! 

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Und einem Bäcker, der durch kleine Brötchen das Missfallen seiner Mitmenschen erregt hatte, setzte man auf den Stein: 
Hier ruht der Bäcker Micker, er wurde immer dicker. Die Brötchen immer kleiner, der Herr erbarme, sich seiner.


Prager Tagblatt 10. Juni 1922

Geschichten von Mendel Steinpilz, genannt Rabbi Lach.
Seelenwanderung
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In Sadagora, dem Städtchen in der Bukowina wo der große Wunderrabbi wohnt, wird ein jüdischer Kutscher dabei angetroffen, wie er das armselige Pferdchen vor seinem Lastwagen prügelt. Ein angesehener Mann der Gemeinde stellt ihn zur Rede. „Cisik", sagt er zu ihm „biste ganz verlassen von Gott? Weißte nicht dass in jedes Tier drin ist, die Seele von einem Menschen, was ist gestorben? Weißte nicht, wenn ein Frommer stirbt, dass er wünschen kann mit seiner Seele zu gehen in das Tier oder jenes Tier zur Buße für seine Sünden? Vielleicht war es sogar der gottselige große Rabbi selbst, was hat sich vorgenommen zu werden das Pferd, was du so geschlagen hast".
„Nu", meint Cisick, „wenn er sich hat vorgenommen zu sein ein Pferd, soll er ziehn …"
 
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Was man darf und was man nicht darf. 
Zu dem Wunderrabbi kommt ein Mann, den das Gewissen drückt. „Was hast du für eine Frage?" spricht ihn der Rabbi an, indem er von den mächtigen Folianten aufblickt. „Darf ich", nimmt der Mann das Wort „darf ich am heiligen Sabbat— gelobt sei der Herr der ihn schuf!— darf ich am Sabbat totknicken einen Floh?" Der Rabbi versinkt in tiefes Sinnen. „Nun",meint er dann, „du darfst ruhig sein. Einen Floh darfst du knicken am heiligen Sabbat." „Und es ist wirklich keine Sünde, Rabbi?" „Nein, es ist keine Sünde, einen Floh am heiligen Sabbat zu töten... Bedrückt dich noch etwas?" »Ja. Ich möchte wissen, ob ich auch darf am heiligen Sabbat — ob ich darf totknicken auch eine Laus?" Der Rabbi versinkt wiederum in tiefes Sinnen. Dann spricht er: „Nun ... das ist so: eine Laus darfst du nicht knicken am heiligen Sabbat." Der Mann verfärbt sich und schweigt; steht betroffen da und meint endlich zaghaft: „Rabbi, sag mir doch eins. Warum ist das eine keine Sünde und das andere eine Sünde, Warum darf ich totknicken am heiligen Sabbat einen Floh? Und warum darf ich nicht totknicken eine Laus?" „Darum", erwidert der weise Rabbi, „darum du darfst totknicken einen Floh, weil dir ein Floh kann wegspringen am heiligen Sabbat... Aber eine Laus darfste nicht totknicken, die bleibt dir doch.. ." 

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Das Jenseits
Reb Scholem Perlmutter in Tarnopol, ein Kleinkinderlehrer, ist ein armer Mann; alles Unglück, das einen Menschen treffen kann, ist über ihn hereingebrochen, und auf seine alten Tage ist er siech und arm. Da die Leute ihn aber als anständigen Menschen achten, besuchen sie ihn in seiner kümmerlichen Behausung und wenn er ihnen in seiner sanften Weise von dem Jammer erzählt, den er in seinem Leben erduldet, dann trösten sie ihn.
„Reb Scholem", sagen sie ihm, „das ist alles traurig. Aber Ihr wisst doch selber, das ist nur in dieser Welt so schlimm, im Jenseits ist das anders. Da werdet Ihr sein wie im Paradies, da wird euch Gott hundertfältig zurückgeben, was er euch genommen hat." Scholem Perlmutter läßt sich gern in dieser Weise trösten und immer wieder sagen sie ihm von den Wonnen des Jenseits. So auch in seiner Todesstunde. Wieder erzählen sie ihm von den wunderbaren Herrlichkeiten „jener" Welt... Da hebt Reb Scholem Perlmutter seinen Kopf und sagt: „Schön, schön... Aber lachen werd' ich, wenn es gar nicht gibt ein Jenseits.

Freitag, 17. November 2023

Zeitungsberichte aus der Vergangenheit

In der " Die Debatte", den "Oberösterreichischen Nachrichten" und dem "Prager Tagblatt" konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.



Die Debatte 19. Januar 1869
Eine Geschichte von der Tour Erzherzog Ludwigs auf den großen Priel berichtet die Zeitung „Die Debatte“ 1869.
Der 1864 verstorbene Erzherzog Ludwig bestieg am 27. August 1819 unter zahlreicher Begleitung den großen Priel. Unter den Trägern befand sich auch der damalige Schullehrer von Hinterstoder (Adam Langeder).
Derselbe machte sich eine besondere Ehre daraus, das Kaffee-Service der Herrschaften zu tragen, die sich auf dem höchsten Gipfel dem Genuss einer Tasse echten Mokka hingeben wollten. Als der Schulmeister den obersten Rand des Schneefeldes schon fast erreicht hatte, fuhr ihm irgend ein Kobold zwischen die Beine hindurch, er glitt, fiel und hinab ging es mit rasender Schnelle. Alles war erschrocken ... die Führer jammerten um das schöne Kaffeegeschirr...die hohen Herrschaften bangten um den stürzenden Schneefahrer. Dieser aber, dem die Wohlfahrt seiner Gliedmaßen, ja selbst das Leben hundertmal weniger galt, als das Kaffeegeschirr der "allerdurchlauchtigsten“ Herrschaften, hielt mit beiden Händen den Korb hoch über den Kopf und gab den armen devoten Körper schonungslos den Prellungen und Stößen der Rutschpartie preis. Und siehe da. Als er unten anlangte war zwar ein gewisser Teil seines Leibes arg mitgenommen, das Geschirr aber größtenteils unbeschädigt.
Unter tiefen Seufzern wollte er zum zweiten Male aufsteigen; es wurde ihm jedoch bedeutet, er möge in die Alpe - (zur oberen Polsteralm zurückkehren, erst 1884 entstand die Krahl Schutzhütte, dann 1906 das Priel-Schutzhaus) - wo das Service schon noch Verwendung finden werde. Dies tat er denn auch und erntete unten stürmische Danksagungen eines Bedienten, der bei dem übrigen Gepäck zurückgeblieben war und sich schon fast ein Leid antun wollte, weil er das Wichtigste den Trägern aufzubürden vergessen hatte - den Kaffee.
Wie die Sage meldet, soll der Schulmann aus des Erzherzogs höchst eigener, freilich henkelloser Tasse, für sein  „Pech" einen Kaffee geschlürft haben, wie er so köstlich ihm weder früher noch später über die Lippen gekommen ist.


Erzherzog Ludwig von Österreich
(geb.1784, gest.1864)

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Oberösterreichische Nachrichten 29. Oktober 1949
Das Skiparadies Hinterstoder
Der kürzlich in Hinterstoder zur Uraufführung gekommene Film „Das Skiparadies Hinterstoder", der mit passenden Tonunterlagen von den bekannten Steyrer Skiläufern Meditz und Saxenhuber gedreht wurde und bereits in verschiedenen Orten Oberösterreichs großen Anklang gefunden hat, wird im Rahmen eines Filmabends der Sektion Linz des ÖTK am 5. November um 20 Uhr im Gasthof „Zum weißen Lamm" den Linzer Wintersportfreunden gezeigt werden. Oberlehrer Cerwenka aus Steyr hat zu diesem schönen Skifilm sogar einen „Stodertalschlager" komponiert. Neben diesem Film werden noch andere Skifilme gezeigt und wird die diesjährige Skisaison damit in Linz ihre Einleitung finden.

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Prager Tagblatt 11. Mai 1929
Bei meinem letzten Besuch in München halte ich auf der Straße einen Eingeborenen an: „Verzeihen Sie, würden Sie mir wohl etwas Feuer geben?" Der mustert mich kurz und sagt: „Naa". Wütend über soviel Unhöflichkeit, erinnere ich mich des einzigen Dialektschimpfwortes das ich kenne und rufe dem Mann nach: „Lackl, damischer!" Sofort macht er kehrt, hält mir strahlend seinen Kimmstengel hin und sagt mit treuherzigem Lächeln: „Da müssen`s scho entschuldigen. Ich hab' halt g'moant, Sie san a Preiss."

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                                                                           Joseph Rudyard Kipling (geb.1865, gest.1936)
                                                 Britischer Schriftsteller und Dichter 

Prager Tagblatt 26. März 1932
Vor kurzer Zeit wurde Rudyard Kipling das Opfer einer Mystifikation: 
Ein Unbekannter sandte der „Times" ein Gedicht „Die alte Garde“, das er mit dem Namen des berühmten Autors zeichnete und das in den Spalten des Blattes veröffentlicht wurde. In einer Zuschrift an die Redaktion verwahrte sich Kipling gegen die Autorenschaft des Gedichts, das er als „abscheulich" bezeichnete. Die „Times" druckte den Protest Kiplings ab und fügten hinzu: „Wir sind mit Kipling der Ansicht, dass das Gedicht abscheulich ist, aber wir haben es abgedruckt in der Annahme es sei von Kipling.“