Freitag, 28. Juli 2023

Geschichten aus dem Stodertal in alten Zeitungen


Linzer Tages-Post 2. Juni 1895
Eine unreelle Postexpeditorin.
Heute fand die Verhandlung des Schwurgerichtshofes gegen Cäcilie Satzinger, Expeditorin m Vorderstoder statt, welche des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt angeklagt war. Die „Tages-Post" hat seinerzeit über den Fall berichtet. Am 7. März d.J. wurde von der Postdirektionskasse ein Geldbrief mit 80 Staatsnoten zu 5 fl (Gulden) an das Postamt Hinterstoder abgesandt. Der Geldbrief langte an 8. März in Windischgarsten ein und wurde dortselbst sofort zur Weitersendung geschickt. Der Geldbrief langte an seinen Bestimmungsort „Hinterstoder" nicht ein. Das Postamt hier fragte telegraphisch deswegen in Windischgarsten und bei den Zwischenpostämtern in Roßleiten und Vorderstoder an. Da der Brief verschwunden blieb, wurde die Postdirektion in Linz verständigt, welche durch den Postoberkommissär Freiherrn v. Aichelburg die Erhebungen vornahm, der zur Entdeckung des Täters und zur Anzeige desselben führten.

Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich sofort auf die in Vorderstoder seit 24. August 1894 in Verwendung stehende, 22 Jahre alte Post- und Telegraphen- Expeditorin Cäcilie Satziger aus Reichenau. Die Satzinger stand überhaupt schon im Geruch der Unrealität, denn an mehreren Orten, wo sie bei der Post bedienstet war, kamen Anstände vor. Sie befand sich übrigens in Disziplinar-Untersuchung. Bei ihrer Einvernehmung widersprach sie sich. In einem pot de chambie (Nachttopf) der Satzinger fand man eine zerrissene Fünfguldennote. Am 22. März gab sie an, dass am 8. März der abgängige Geldbrief in ihre Hände gelangt sei, aber auf eine unglaubliche Weise; sie wollte nämlich glauben machen, dass sie zufällig den Brief fand als durch ein brennendes Zündhölzchen unter ihrem Tisch im Postamt ein Papier zu brennen anfing, das sie aufhob und erkannte, dass es ein Teil der Fahrpost — ein Geldbrief— für Hinterstoder war. Vor Schrecken, weil der Brief angebrannt war, habe sie ihn samt dem Geld in Verwahrung genommen und die Begleitpapiere verbrannt. Bei einer behördlichen Durchsuchung der Wohnung der Satzinger wurden am Fußboden zwischen einem Kasten und der Mauer 340 fl. in Fünfer- Banknoten zusammengerollt gefunden. Die Satzinger blieb wahrend der Verhandlungen bei ihren lächerlichen Entschuldigungen der Tat welche nur Heiterkeit erregten. Es ist ihr die Haltlosigkeit ihrer Angabe im Gerichtssaal vor ihren Augen nachgewiesen worden. 
Die Schuldfrage des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt wurde mit 9 „Ja" und 3 „Nein" Stimmen von den Geschworenen beantwortet und die Satzinger zu acht Monaten schweren Kerker verurteilt. Der Restbetrag des Schadens wurde ersetzt. Vorsitzender des Gerichtshofes war Landesgerichtsrat Löhnert, Verteidiger Dr. Angelo Crippa aus Linz.

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Salzburger Volksblatt: unabh. Tageszeitung f. Stadt u. Land Salzburg
24. Juli 1925
Steyr, 23. Juli.1925. Georg G a l l, Briefträger von Hinterstoder, war vor dem Einzelrichter OLGR. Dr. Hagen wegen Verbrechens des Missbrauches der Amtsgewalt und Veruntreuung angeklagt. Als Briefträger hatte er die Briefe unterschlagen, die die Eltern seiner Geliebten an diese schrieben. Er tat es, damit das Mädchen nicht den Unwillen der Eltern über das Verhältnis erfahren würde. Ferner hielt er Geldbeträge, die ihm von Parteien zur Aufgabe auf der Post übergeben worden waren, zurück. Gall war im wesentlichen geständig, leugnete aber die Schädigungsabsicht. Er erhielt drei Monate schweren, verschärften Kerker

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Slatin Pascha (geb.1857, gest.1932)
 Österreichischer, ägyptischer und britischer Offizier,
Forschungsreisender, ägyptischer Gouverneur 
                                                    
Linzer Volksblatt 4. Dezember 1920
Unser Landsmann, der in der Schweiz im Interesse der Comptonbilder weilende Herr J. Schachinger aus Hinterstoder, schreibt uns: “Ich teile ihnen mit, dass ich gestern in Terriset (Castel Rivaz) die persönliche Bekanntschaft des ehemaligen Generalgouverneurs des Sudan, Exzellenz Rudolf Freiherrn von Slatin Pascha, des bekannten Verfassers des in alle Sprachen übersetzten Buches „Feuer und Schwert im Sudan“, der 12 Jahre bei Mahdi Kalifen Abdullahi in Ketten schmachtete, gemacht habe.
Es wurden bei diesem Zusammensein zahlreiche Erinnerungen aufgefrischt. So auch meine Erlebnisse auf der Nilreise im Jahre 1896, die ich infolge des Mahdistenaufstandes abbrechen musste.
Die Comptonausstellung wurde auch in Montreux so wie überall von Engländern und Amerikanern viel bewundert.

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Otto Skorzeny (geb.1908, gest.1975)

Salzburger Volkszeitung 2. August 1948.
Zur Flucht des «Mussolini-Befreiers" Linz (APA).

Die österreichischen Sicherheitsbehörden wurden im Zusammenhang mit der Flucht des ehemaligen SS-Sturmbannführers Skorzeny aus dem Internierungslager Darmstadt bisher weder von alliierter Seite noch durch die deutsche Polizei ersucht, nach  dem Entsprungenen zu fahnden, bzw. seine in Oberösterreich lebenden Angehörigen zu überwachen. Die Gattin des Geflüchteten kehrte mit ihrer achtjährigen Tochter von einem Erholungsaufenthalt in Hinterstoder zu Verwandten nach Linz zurück. Von der Flucht ihres Gatten will Frau Skorzeny erst aus den Zeitungen erfahren haben.

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General Mark Wayne Clark (geb.1896, gest.1984)

Neues Österreich 15. Juni 1947

Auszug aus "Neues Österreich" woraus man ersehen kann wie gerne der höchstkommandierende General der USA in Hinterstoder war.
 
General Clark sei nicht nach Wien geflogen, um den Bundeskanzler für die
Ablehnung des Staatsvertrages zu gewinnen, sondern er sei ohne Aufenthalt in Wien nach Hinterstoder zur Jagd gereist.

Freitag, 21. Juli 2023

Geschichten von anno dazumal.

Im Gmundner Wochenblatt, in der Salzkammergut-Zeitung und im Kleinen Volksblatt konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst. 


Gmundner Wochenblatt 24. Juli 1906
Einsturz bei einem Villenbau. Aus Hinterstoder wird gemeldet: Am 17. Juli 1906 mittags stürzte ein Teil des noch im Bau stehenden Landhauses (Villa) des Herrn Hugo Bachmann (Prieler-Villa, jetzt im Besitz von Eulenburg) in Hinterstoder ein. Es ist nur dem Umstand zu danken, dass sämtliche Arbeiter um 12 Uhr mittags den Bauplatz verlassen und sich in die daneben befindliche Baracke begeben hatten, dass kein Menschenleben zu beklagen ist.
Das unsichere Bauwerk, das von dem in Liezen, Steiermark wohnenden Baumeister Peter Cuchero aufgeführt wurde, war soweit fortgeschritten, dass in einigen Tagen das Aufsetzen des Dachstuhles hätte beginnen sollen. Jetzt wurde der Bau eingestellt, weil weitere Einstürze nicht ausgeschlossen sind.

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Salzkammergut-Zeitung 9. Juni 1949 Hinterstoder.
Durchforstungsbahn zur Holzbringung.
Zur leichteren Heranbringung des Schnittholzes aus unwegsamem Gelände wurde erstmals in Oberösterreich bei Hinterstoder eine Durchforstungsbahn in Betrieb genommen, die das Holz wie ein Berglift über ein Seil zu Tal fördert. Zur Bedienung der Bahn sind acht bis zehn Mann erforderlich die in einem Tag 90 Festmeter Holz befördern können!
Diese Bahn verbilligt den Holztransport um 30%.

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Das kleine Volksblatt 15. September 1950
Der Oberbefehlshaber des amerikanischen Heeres, General Mark Clark, der sich zur Zeit in Europa aufhält um die amerikanischen Truppen in Deutschland, Österreich und Triest zu inspizieren, empfing gestern die Vertreter der in- und ausländischen Presse. Der General betonte zunächst, dass es seine Aufgabe sei, die Ausbildung der USA-Truppen in der Heimat zu überwachen und für die Kampfbereitschaft der in Übersee stationierten Truppen zu sorgen. Die gegenwärtige Reise habe er auf Ersuchen des amerikanischen Generalstabschefs unternommen, um festzustellen, ob diese Kampfbereitschaft bei den amerikanischen Truppen in Europa vorhanden sei. Er freue sich sehr, bei dieser Gelegenheit Österreich wiederzusehen, mit dessen Problemen er gut vertraut sei. Mit besonderer Genugtuung habe er die großen Fortschritte im Wiederaufbau festgestellt, die sich nicht nur auf das Materielle, sondern auch auf das Moralische erstrecken.
Der General erzählte dann, dass er sich am Sonntag nach Hinterstoder begeben werde, wo er sich früher sehr oft aufgehalten habe. Er habe nach seinem Scheiden von Österreich gerade aus dieser Gegend sehr viele Briefe erhalten. So habe man ihn u. a. um die Beistellung der Mittel für den Kauf einer neuen Feuerspritze gebeten. Besondere Freude aber habe ihm der Brief des Pfarrers von Hinterstoder bereitet, der ihn bat, seiner Kirche zu Glocken zu verhelfen, die seinerzeit von den Deutschen entfernt wurden.
Wie der General lächelnd erklärte, seien der amerikanischen Armee zu diesem Zeitpunkt gerade die Kirchenglocken ausgegangen. So habe er an Kardinal Spellman geschrieben und dieser habe ihn aufgefordert, ihm genauere Einzelheiten bekanntzugeben, z.B. ob das Geläute elektrisch betrieben werde. Der Pfarrer von Hinterstoder habe geantwortet, sie hätten keine Elektrizität und er glaube, der beste Weg, um der Kirche von Hinterstoder wieder zu ihren Glocken zu verhelfen sei, das Geld für die Glocken aufzubringen. Nun werde er am Sonntag dem Pfarrer von Hinterstoder einen von Kardinal Spellman und ihm unterzeichneten Scheck überreichen, so dass die Kirche bald wieder ihre Glocken haben werde.

Freitag, 14. Juli 2023

Diesmal ging es noch gut.

In der Welser Zeitung und in der Salzkammergut-Zeitung konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

                                                    
Welser Zeitung, 9. September 1932
Von der Selbstüberschätzung und der Gefährlichkeit der Berge.
Hinterstoder, 31. August. (Schwierige Rettung von zwei Touristen)
Zwei junge Burschen aus Traun, im Alter von 17 und 18 Jahren, Spenglerlehrling Josef Fischill und Bäckerlehrling Willi Ettinger, waren am Sonntag den 28. August um 8 Uhr früh vom Prielschutzhaus aufgestiegen, hatten sich von zwei Kameraden, die auf den Priel gingen, getrennt und auf dem normalen, markierten Weg die Spitzmauer bestiegen.
Den Abstieg wollten sie über die Nordwand unternehmen, weil ihnen diese Route wesentlich kürzer schien. Die Nordwand der Spitzmauer ist jedoch ein gefährliches Klettergebiet, das erst zweimal im Abstieg bezwungen wurde. Das erste mal von dem Touristen Rödner. Schon beim zweiten Abstieg blieb bekanntlich einer der damals teilnehmenden Touristen an der Wand hängen.
Die beiden Burschen unternahmen den Abstieg, ohne von der Gefährlichkeit des Terrains Kenntnis zu haben. Sie hatten keine Seile bei sich und waren auch sonst für die schwierige Tour nicht genügend ausgerüstet. Nachdem sie schon mehr als 200 Meter in die Tiefe geklettert waren, befanden sie sich plötzlich an einer Stelle in der steilen, stellenweise überhängenden Steilwand, von der sie nicht mehr weiterkonnten. Nun lagen 200 Meter Weges über ihnen und 200 Meter unter ihnen. Fischill stürzte zehn Meter tief ab, blieb aber glücklicherweise auf einem etwa tischgroßen Vorsprung hängen. Er rief seinem Gefährten noch zurück: „Pfüat di Gott, Willi, bei mir gehts dahin!" Gott sei Dank bewahrheitete sich diese Befürchtung nicht. Fischill trug nur eine Fußverletzung davon. Ettinger kletterte ihm nach und beide konnten nun einen Lagerplatz ausfindig machen, der ihnen halbwegs Schutz und Ruhe bot. Das Unglück ereignete sich am Sonntag um halb 4 Uhr nachmittags. Die beiden Touristen gaben nun Signale, die von dem Sohn des Linzer Schuldieners Niederleitner, der im Prielschutzhaus war, gehört wurden. Niederleitner lief in einer halben Stunde vom Schutzhaus zu Tal nach Hinterstoder und mobilisierte dort eine Rettungsmannschaft. Es stiegen sofort mehrere Bergführer auf, die am Montag früh mit den Bergungsversuchen begannen. Es verging jedoch einige Zeit den Einstieg zu finden, der zur Unfallstelle führte. Man hatte sogar schon die Meldung zu Tal gegeben, dass die Bergung unmöglich sei weil man den Zugang nicht finden könne. Am Montag abends gelang dies jedoch und die aus 13 Mann bestehende Linzer Rettungsexpedition konnte nun rasch zur Bergung schreiten. Immerhin bot auch diese noch ungeheure Schwierigkeiten. Ein Mitglied der Rettungsexpedition musste den Weg über die Ostwand nicht weniger als dreimal hin und zurück nehmen. Die beiden Touristen wurden angeseilt, Fischill mußte getragen werden. Sie wurden wieder zur Spitze empor gebracht und dann auf dem normalen Weg ins Prielschutzhaus gebracht.

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Salzkammergut-Zeitung 16.Oktober 1952
Um 6 Uhr früh meldete der Hüttenwart des Prielschutzhauses Hans Reicht dem Posten Hinterstoder, dass am Vortag fünf junge Bergsteiger trotz Warnung in die sogenannte Hochkarpfeilerroute der Spitzmauer — eine durch ihre großen Schwierigkeiten besonders gefährliche Klettertour— eingestiegen und bisher nicht zum Schutzhaus zurückgekehrt seien. Daraufhin wurden sofort der Gendarmerie-Hochalpendienst und der Bergrettungsdienst alarmiert. Unabhängig davon nahm Hüttenwart Reicht mit seinem Träger Paul Grünewald die Suche unverzüglich persönlich auf. Dreieinhalb Stunden später konnte er bereits zu Tal melden, dass er sich in der Klinserscharte befinde, er mit den Hilfesuchenden Bergsteigern schon in Verbindung stehe und versuchen wolle, über die Gruberrinne zu den Bergsteigern zu gelangen. Als die fünfköpfige Gend.- Hochalpinistenpatrouille und die 7 Mann starke, unter Führung des aus Linz herbeigeeilten Landesleiters Ignaz Transchitz stehende Einsatzgruppe des Bergrettungsdienstes zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags beim Einstieg zur Gruberrinne anlangte und eine Rufverbindung mit Reichl hergestellt werden konnte, signalisierte der Hüttenwart, dass die Bergsteiger gerettet seien.

Reichl hatte gemeinsam mit seinem Träger Grünewald die in der Steilwand aussichtslosen Kletterer der Reihe nach unter schwierigsten, lebensgefährlichen Umständen zum Hochkarpfeiler aufgeseilt und sie dann durch die Gruberrinne, die sie infolge ihrer Erschöpfung auch nicht mehr aus eigener Kraft zu bewältigen vermochten, abgeseilt. Bei den in Bergnot geratenen handelte es sich um eine jugendliche Kletterrunde und zwar den Mechaniker Hans Stockinger (Linz), Elektriker Richard Stabil (Steinbach/Steyr), Drucker Richard Blaimschein (Steinbach/Steyr), Radiotechniker Walter Spindelbalker (Losenstein), Schüler, Franz Eder (Linz) sowie die Zahnarztassistentin Maria Eder (Linz).
Sie waren am 5. Oktober vormittags kurz vor 10 Uhr in drei Seilschaften in die Route eingestiegen und gut 6 Stunden durchgeklettert. Wegen eingetretener Wetterverschlechterung (eisiger Regen, der später in Schnee überging) und infolge Erschöpfung mussten sie gegen 16.30 Uhr etwa 70 Meter unterhalb des Hochkarpfeilergipfels die Fortsetzung der Tour aufgeben und in der Felswand biwakieren. Als am nächsten Morgen ein Weiterkommen infolge der starken Vereisung der Wand völlig aussichtslos erschien, beschlossen sie in der hochnotpeinlichen Lage bis zum erhofften Eintreffen fremder Hilfe auszuharren.

Die sechs jungen Menschen verdanken dem wackeren, entschlossenen Handeln des Hüttenwartes vom Prielschutzhaus ihre Rettung. Hätten sie seinen Ratschlägen und Warnungen Gehör geschenkt und Vernunft bewahrt, wäre ihnen diese Lebensgefahr erspart geblieben!                                          
                                    

Freitag, 7. Juli 2023

Was die Zeitung vor rund 100 Jahren von Hinterstoder berichtete.

In der Welser Zeitung konnte man folgende Artikel lesen. Sie wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

Welser Zeitung 20. März 1925

Das Adlerpaar.
Wie berichtet wurde, ist dem Tierpark in Schönbrunn vor einiger Zeit das Prachtstück eines Königsadlers von Hinterstoder übermittelt worden. 
Schon seit längerer Zeit horstete (lebte) im Naturschutzpark von Hinterstoder ein Adlerpaar, das bei allen Naturfreunden lebhaftes Interesse erweckte. Zur Abwehr des dort zahlreich vorkommenden Raubwildes wurden nun Fallen gestellt, die beiden Adlern zum Verhängnis wurden. Das Weibchen machte sich frei, musste aber seinen Vorwitz mit dem Hinterlassen eines Adlerfanges (Bein) büßen, während der prachtige männliche Goldadler vom Förster glücklich gefangen nach Wien gesandt wurde.
Da das Weibchen im Hinterstoderer Revier noch immer gesehen wird und man das Aussterben dieses prächtigen Vogels in Oberösterreich verhindern will, wird auch das Männchen von Schönbrunn wieder nach Hinterstoder zurückgestellt und dort in Freiheit gesetzt. In Jägerkreisen ist man der festen Meinung, dass sich das schöne Adlerpaar wieder zusammenfinden wird.

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Welser Zeitung 22.Juli 1927
Am 20. Juli 1927 ist das Gausrabgut des des Anton Hackls in Hinterdambergau, Gemeinde Hinterstoder, bis auf das Mauerwerk niedergebrannt, wobei durch Funkenflug auch das Nachbarhaus, vulgo Peterhofergut des Besitzers Ferdinand Bürtlmair in Hintertambergau den Flammen zum Opfer fiel.
Der Brand wurde auf dem Heuboden des Anwesens Hackls durch sechs- bis siebenjährige Kinder verursacht, die dort mit Zündern spielten. 
Die Gesamtschadenssumme stellt sich auf etwa 210.000 Schilling (Gesamtversicherung 91.700 S.). Infolge der herrschenden ungünstigen Windrichtung bestand Gefahr, für zwei weitere Nachbargebäude, die aber glücklicherweise vom verheerenden Element verschont blieben. Am Brandplatz waren die Feuerwehren Hinterstoder, St. Pankratz, sowie die zur Hilfeleistung herbeigeeilte Bevölkerung tätig. Den Sicherheits- und Ordnungsdienst hielt die Gendarmerie Hinterstoder, Vorderstoder und St. Pankraz aufrecht.

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Welser Zeitung 25. Juni 1904
Der Segen des Geldes.
Am 18. Juni wurde der dritte und letzte Polstersohn begraben. Polsterhof und Polster-Almen sind allen Prielbesteigern in Hinterstoder hinlänglich bekannt. Jeder der drei Polstersöhne starb in der Lebensblüte, jeder führte seinen Tod durch Alkohol herbei, jeder starb ohne Empfang der heiligen Sakramente.
Die Mutter hatte einst das so schöne Gut um teures Geld der Herrschaft verkauft um durch das Geld ihre Kinder zu beglücken.

Freitag, 30. Juni 2023

Ein vereiteltes Wegverbot.


Ein vereiteltes Wegverbot.
Georg Aigner, Linz
So lange ich auch schon den Vorsatz hegte, vom Prielgipfel einmal Ausschau zu
halten, immer waren Hindernisse da, derentwegen ich meinen Plan verschoben
habe. Da sollte einmal ein außerordentlicher Anlaß eintreten, der mir den
langgehegten Wunsch nach einer Prielpartie nahezu zur Pflicht machte. 
Die Sektion Linz des Österreichischen Touristenklubs hat auf dem Großen Priel ihr Schutzhaus und ihr Arbeitsgebiet. Im eigenen Interesse und im Interesse des Fremdenverkehres war sie gezwungen, gegen den Besitzer des Prielergutes, Herrn Bachmann, (jetzt im Besitz von Eulenburg) den Weg des Kampfes zu betreten, da friedliche Verhandlungen nicht zum Ziel führten.

Der genannte Herr wollte den Servitutsweg, der über seine Besitzung auf den Kleinen Priel führt, absperren und die Begehung desselben von seinen Launen abhängig machen. Die Sektion Linz des Österreichischen Touristenklubs setzte sich mit der Gemeinde Hinterstoder und mit anderen berufenen Körperschaften ins Einvernehmen und versicherte sich deren Hilfe, dann wurde für den
20. September eine Trutzpartie angekündigt. Der 20. September 1908 war ein schöner Spätsommertag an welchem 18 Linzer Touristen, darunter 4 „Naturfreunde“, um 3'30 früh hinausfuhren in das herrliche Kremstal. Als wir in dem Zuge entstiegen, schloss sich uns ein Jurist, Herr Z. an, der in Windischgarsten zum Sommeraufenthalt weilte und der von unserem Unternehmen Kunde erhalten hatte. Munter marschierte die kleine Gesellschaft in das taufrische Stodertal hinein. Ich selbst beeilte mich nicht sonderlich, wusste ich ja, dass wir im Jaidhaus in Hinterstoder zum Frühstück zusammentreffen würden. Ich schlenderte daher gemächlich dahin und ließ die Schönheit des Stodertales ungehemmt auf mich wirken. So wanderte ich zum Strombodingfall, dem schönsten Schaustücke des Tales, dann wieder an der Straße weiter, stand ich beglückt still vor dem prächtigen Talschluss, der hinter den leichten Morgenschleiern zum Entzücken schön war und traf doch noch meine vorausgeeilten Gefährten in der Glasveranda des Jaidhauses. Als wir nach kurzer Rast über die Steyrbrücke wanderten, schloss sich uns noch ein Vorstandsmitglied der Sektion Linz des Österr. Touristen-Klubs und der Besitzer des Erholungsheims in Hinterstoder an.
Eben waren wir im Begriff, das Prielergut zu passieren, da trat Herr Bachmann aus der Türe und fragte wohin wir wollten. „Auf den Kleinen Priel“, schallte es ihm entgegen. „Ja, meine Herren“, begann der Wegverbieter, „kommen sie ein andermal, heute kann ich das nicht erlauben, weil ich Jagdzeit habe und da darf mir das Wild nicht verscheucht werden.“ Nachdem er sah, dass sein Verbot nichts fruchtete, erklärte er uns allen, wenn wir den Weg fortsetzen würden, würde er uns wegen Besitzstörung verklagen und erbat sich zu diesem Behufe unsere Adressen, die ihm bereitwilligst ausgefolgt wurden.
Wir setzten nun unseren Weg fort über Wiesen der Prielerreith zu und gelangten von dort auf einem neuen im Bau begriffenen Reitwege in den Hochwald. Als der Reitweg dann abbrach, ging’s ein Stück steil empor, bis wir den gewöhnlichen Weg erreichten. Hier fanden wir das erste Zeichen des Wegverbotes; auf einer frisch gestrichenen Tafel standen die Worte: „Aus Jagdrücksichten verbotener Weg“. Wir kümmerten uns nicht um diese Warnung, sondern wanderten weiter bis zur Prieleralm, die jetzt dem Jäger zur Wohnung diente. Der kam uns schon entgegen und wollte uns anhalten, als wir ihm jedoch sagten, wir hätten schon mit seinem Herrn gesprochen, gab er sich zufrieden. Nach einer längeren Rast, während der dem Inhalte unserer Rucksäcke wacker zugesprochen wurde, wanderten wir weiter. Die Umgebung der Prieleralm ist herrlich. Links von uns, im Sinne des Anstieges, erhebt der Schwarzkopf sein kühnes Haupt zum Großen Priel, während in der Verschneidung zwischen dem Grat und dem Stocke des Kleinen Priel eine kleine Waldparzelle steht, wie eine Oase in der Wüste und bedroht von den mächtigen Schuttströmen. Der Jäger nannte diesen Ort die Eisgrube und er begleitete uns ein Stück, wie er sagte, um zu verhindern, dass wir in die Grube hineingeraten, in der sich das Wild, darunter ein am Vortag angeschossener Hirsch aufhalten sollte. Dann empfahl er sich mit der Bitte, wir mögen die möglichste Ruhe bewahren.
Nun ging’s über den steilen Grat empor, zuerst über Schutt, dann durch ein dichtes Geflecht von Legföhren (Latschen) zu einen südwestlichen Seitengrat des Kleinen Priel, über welchen wir nach kurzer Kletterei über ein Trümmerfeld von Gesteinblöcken die grasbewachsene Spitze erreichten. Dort ließen wir uns dann zur wohlverdienten Rast nieder, aßen und tranken von unseren Vorräten und würdigten die herrliche Rundschau nach Gebühr. Da zieht der teilweise messerscharfe Grat, unterbrochen von trotzigen Türmen, hinüber zum Großen Priel, der von unserem Standpunkt aus sich großartig präsentiert. Ihm folgt in der Reihe der Berghäupter der Brotfall, die stolze Spitzmauer, der Hohe Kasten, das Salzsteigjoch, über dem der Hohe Dachstein mit dem Karlseisfeld herüberblickt. Im Süden erhebt sich die Warscheneckgruppe, im Südosten die Haller Mauern, im Osten das Sengsengebirge, gegen Norden grüßt das Flachland Oberösterreichs, begrenzt von den Mühlviertler Bergen. Im Westen stehen die Berge des Salzkammergutes.
Mit unserer Bewunderung der Fernsicht war die Zeit verstrichen und wir mussten an den Heimweg denken. Auf demselben Weg, den wir zum Aufstieg benützten, wurde der Abstieg angetreten. So stiegen wir über das steil sich heraufziehende Geröllfeld hinunter in das Schnabelkar, von dort über grasige Schroffen auf einen Kamm und diesen überquerend auf einer langen, steilen Wiese absteigend, gelangten wir zum gewöhnlichen Weg, den wir des Morgens begangen hatten. Nun ging’s im raschen Tempo auf schattigem Wege zur Prielerreith, wo uns zwei unserer Gefährten, die hier zurückgeblieben waren, Mitteilung machten,dass der Jäger über uns an seinen Herrn Bericht erstattet habe. Als wir nun an dem letzteren, der in Gesellschaft seiner Frau und des Jägers war, vorbei wollten, teilte er uns sehr aufgeregt mit, sein Jäger habe ihn benachrichtigt, dass wir durch mutwilliges Steineablassen, sowie durch Schreien und Johlen etwa 30 bis 40 Stück Gems- und Hirschwild aus seinem Jagdgebiet über die Grenze gejagt hätten. Wir waren starr vor Erstaunen ob dieser Lüge, war ja doch ein Bergfink auf der Spitze das einzige Tier, das unser spähendes Auge zu entdecken vermocht hatte und außerdem war unsere Wanderung in vollkommener Stille erfolgt. Herr Bachmann beklagte sich auch ferner, dass wir seinen neu angelegten Reitsteig benutzt hätten. Wir wiesen des Jägers faustgroße Lüge energisch zurück und entfernten uns.
Im Jaidhause angekommen, wurde Nachtmahl gegessen. Einige Wochen waren ins Land gegangen, da bekamen sieben von den damaligen Prielbesuchern die Anklageschrift zugestellt, worin wir wegen Störung im ruhigen Besitz des Prielergutes und insbesondere wegen Begehung der Wege auf den Kleinen Priel belangt wurden. Es wurde beantragt, uns das eigenmächtige Begehen der Prielerwege gerichtlich zu untersagen und uns zum Ersatz der Prozesskosten ungeteilter Hand zu verurteilen. Die Sektion Linz des Österr. Touristen-Klubs nahm die juridische Durchfechtung der ganzen Angelegenheit auf sich und deren Vorstand übertrug die Vertretung der Rechtssache dem bewährten Juristen Herrn Dr. Wessely in Linz. Herr Bachmann hatte, in der sicheren Hoffnung Recht zu bekommen, „keine Kosten gescheut“ und sich einen Rechtsanwalt aus Wien kommen lassen. Zum Glück für unsere Taschen entschied das Gericht anders: Herr Bachmann musste einen Weg auf den Priel freigeben, während jedem der streitenden Teile aufgetragen wurde, die eigenen Prozesskosten zu bezahlen. Herr Bachmann hat also neben dem Ärger, den ihm unser gemeinsamer Ausflug verursacht hat, noch die Kosten für seinen Anwalt zu bezahlen, so wie sich’s gehört, jedermann das Recht lassen, neben andern Bergen auch den Kleinen Priel zu besteigen. Der Sektion Linz des Österr. Touristen-Klubs aber gebührt für ihr energisches Eintreten in Sachen dieses Wegverbotes der Dank aller Naturfreunde und Bergsteiger.

Der Text, der mehr als 100 Jahre alt ist, wurde etwas gekürzt und geringfügig unserer Zeit angepasst.



Freitag, 23. Juni 2023

Aus den Aufzeichnungen der Gendarmerie
















Zum besseren Verstehen wurde der Artikel geringfügig der heutigen  Schreibweise angeglichen:

Im Frühjahre 1866 wurde in Hintertambergau, Gemeinde Hinterstoder, Gerichtsbezirk Windischgarsten, im Steyrfluss die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden.
Die Gerichtskommission konstatierte durch die Obduktion, dass dieses Kind nach der Geburt gelebt hatte und nur kurze Zeit im Wasser lag. Postenführer Lachnitt des k. k. Gendarmeriepostens Windischgarsten machte es sich zur Aufgabe, diejenigen, die dieses Verbrechen begingen, auszuforschen.
Der Gendarmerie-Unteroffizier Lachnitt besaß eine umfassende Lokal- und Personalkenntnis der Gegend, wodurch es ihm möglich wurde, den angestrebten Erfolg zu erzielen. Hinterstoder bildet ein zwischen den Gebirgsgruppen des Priel und Pyhrgas gelegenes, gänzlich abgeschlossenes Tal, in dessen südwestlichstem Winkel der Steyrfluss entspringt. Im Winter und Frühjahr ist dieses Tal nur von der Nord- und Ostseite durch lang gedehnte Pässe zugänglich. Da nun der Fluss in dem die Leiche gefunden wurde, im Tal selbst entspringt, so musste dieses Kind jedenfalls in dieser Gegend ins Wasser gebracht worden sein. Es fragte sich nur, waren es einheimische oder fremde Personen, welche das taten. Da es kaum möglich war, dass Fremde ungesehen ins Tal kamen, so forschte der Gendarmerieinspektor die zwischen den Pässen gelegenen Objekte ab und gelangte zur völligen Gewissheit, dass keine fremden Personen die Gegend passierten, die dieses Verbrechen begangen haben konnten. Es mussten daher Leute aus der Gegend gewesen sein. Dem Postenführer war bekannt, dass in diesen Gebirgsgegenden ledige schwangere Weibspersonen gerne in den sogenannten Haarstuben einlogierten um da ihrer Niederkunft entgegen zu sehen. Er überprüfte deshalb die ganze Gemeinde, die sehr groß ist und deren Behausungen zerstreut in den Bergen liegen und erkundigte sich um alle Bewohner solcher Lokale.
Nach langen vergeblichen Nachforschungen erfuhr er endlich, dass in einer solchen Hütte ein lediges Mädchen wohne, das bereits zwei uneheliche Kinder habe und sich sehr selten zeigte. Der Eigentümer dieser Haarstube gab an, dass diese Person erst einige Monate dort wohnte und früher bei einem Bauern in Mitterstoder gedient hatte. Es wurden nun auch die Bewohner jenes Hauses, wo sie gedient hatte, genau befragt und in Erfahrung gebracht, dass sie mit einem verheirateten Mann im intimen Verkehr stand und einige Mägde, die mit ihr das Schlaflokal teilten, behaupteten, dass sie einige Monate, bevor sie aus dem Dienste trat, ihre Menstruation nicht mehr gehabt habe. Das veranlasste den Gendarmeriebeamten zum Einschreiten gegen diese Weibsperson. Er ging daher frischweg zu ihr in die Wohnung und machte die Wahrnehmung, dass sie bei dessen Eintreten erschrak und zu zittern anfing. Am Fußboden bemerkte er vertrocknete Blutspuren und fragte deshalb wo diese herstammen. Sie sagte, dass sie durch die Menstruation sehr viel Blut verloren hat und diese Spuren davon herrühren. Der Gendarm hielt ihr vor, dass sie schwanger war und geboren haben musste, was auch durch die ärztliche Untersuchung sofort bestätigt wurde. Auf diese Weise in die Enge getrieben gestand sie die Tat und wurde zu fünf Jahren schweren Kerker verurteilt.



Am 16. Dezember 1869 erschien in der "Gemeinde-Zeitung" ein "Höchst wichtiger Bericht zur öffentlichen Sicherheit".











Kirchengeräthediebstahl“

In der Nacht zum 19. vorigen Monats wurde aus der Kirche zu Hinterstoder mittels Einbruchs entwendet: eine Monstranz von Kupfer mit silberner, vergoldeter Lunula (in der katholischen Liturgie eine sichelförmige Halterung für die Hostie in der Monstranz); ein  Ciborium ( Behälter für die geweihten Hostien), der obere Teil ist aus Silber und der Deckel mit einem Kreuz versehen und vergoldet; dann ein Speistuch.
Dieses Diebstahls erscheint dringend verdächtigt ein Mann, welcher am 24. v. M. dem Gürtler Karl Seitner zu Liezen geschmolzenes Silber und vergoldete Silberplättchen im Gewicht von 15 Loth (als ungenaue, anschauliche Faustregel gilt, dass ein Loth etwa einem „Löffel voll“ entspricht) zum Kauf anbot und unter deren Rücklassung flüchtig wurde. Dieser Unbekannte, der Aussprache nach aus Krain und angeblich Eisenbahnarbeiter, ist beiläufig 22 bis 24 Jahre alt, mittelgroß, kräftig, hat schwarze, kurze gekrauste Haare, braune Augen, Nase und Mund mit kleinem, schwarzen Schnurrbart, brünetter Gesichtsfarbe, guter Zähne und war bekleidet mit alter, silbergrauer Schildhaube, schwarzen Rock und Hose, schwarzem Halstuche und weißem Hemde, Stiefeln und schwarzer Weste mit einer, mit 2 kleinen Knöpfen, versehenen Schlupfe beim Halse. Um Ausforschung und Anlieferung dieses Individuums wird ersucht. (K.k. Bez. Gericht Windischgarsten 1. Dezember 1869).

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