Freitag, 13. Januar 2023

Geschichten aus der Vergangenheit

Im Prager Tagblatt konnte man folgende Anekdoten lesen.

Die Artikel wurden etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.

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Ernest Meissoniers (geb.1815, gest.1891)
Berühmter Miniaturmaler

Prager Tagblatt 3. März 1913
Meissonier und der Impresario.

Eine lustige Anekdote aus dem Leben Meissoniers, des berühmten Kleinmalers, wird in einem Pariser Blatt erzählt.
Eines Tages erscheint im Atelier des Meisters ein Theater-Impresario und macht
 dem Künstler den Vorschlag, einen Theatervorhang zu malen. Meissonier ist verblüfft, dass gerade er, der Miniaturmaler, zum Schöpfer eines Theatervorhanges ausersehen werden soll. „Haben Sie jemals ein Gemälde von mir gesehen?" fragt er den resoluten Besucher. „Nein," erklärt der Impresario, „aber darum handelt es sich auch gar nicht. Sie sind berühmt und ich brauche Ihren Namen." „Wie groß soll der Vorhang werden?" erkundigt sich lächelnd Meissonier, der die lustigen Möglichkeiten der wunderlichen Situation vergnügt voraussah. Sehr bestimmt kommt die Antwort: „12 zu 20m." „Lassen Sie mich einen Augenblick nachdenken," erklärt Meissonier, „ich muss im Kopf ein paar Zahlen ausrechnen." Ungeduldig harrt der Impresario auf das Ergebnis dieser Rechenkünste. Endlich ist Meissonier fertig. Und gelassen, mit dem Tone ruhiger Geschäftsmäßigkeit sagt er: „Für meine Gemälde erziele ich durchschnittlich 14.000 M. für den Quadratfuss. Auf dieser Basis stellt sich der Vorhang auf etwas weniger als 4 Millionen M. Ich würde mich außerordentlich freuen, die Arbeit auf dieser finanziellen Basis zu unternehmen, wenn nicht noch eine weitere Erwägung anzustellen wäre. Wenn ich mit ganzer Kraft und so schnell als möglich arbeite, brauche ich gewöhnlich 6 Monate, um ein Gemälde von einem Ouadratfuss fertigzustellen. Wir würden also damit rechnen müssen, dass ich an ihrem Vorhang ungefähr 100 Jahre arbeiten würde, es könnten vielleicht ein paar Jahre weniger sein, vielleicht auch ein paar mehr. Sind Sie ein verstanden?" Aber der Meister erhielt keine Antwort, der Impresario war schon zu weit unten auf der Treppe ...

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Cornelius Vanderbilt (geb.1794, gest.1877)
Multimilliardär

Prager Tagblatt 9. September 1883
Derb, aber treffend.


Eine interessante Anekdote von dem verstorbenen Commodore Vanderbilt erzählen amerikanische Blätter.

In Saratoga, dem vornehmen amerikanischen Badeort, saß eines Tages der Milliardär auf der Piazza seines Hotels, als eine Dame in etwas auffallender Toilette zu ihm heran trat und sich ihm als alte Bekannte vorstellte. Der Commodore erhob sich und sprach leutselig mit ihr, während seine Frau und Tochter die Nasen rümpften. „Vater", sagte Frau Vanderbilt, als der Commodore sich wieder setzte, „erinnerst Du Dich nicht, dass diese vulgäre Frau zu Hause uns Geflügel zu verkaufen pflegte". „Gewiß," entgegnete der alte Herr, „und ich erinnere mich auch, dass deine Mutter Bier, das Glas zu 3 Cents in Jersey auszuschenken pflegte, als ich dort mit Austern aus meinem Boot hausieren ging."

Da diese etwas derbe Antwort von einer Gruppe in der Umgebung der Familie gehört wurde, machten Frau Vanderbilt und deren Tochter während der Saison keinen weiteren Versuch, sich als Aristokratinnen zu gebärden.


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Prager Tagblatt 12. November 1925
Eine Luther-Anekdote.

Martin Luther (geb.1483, gest.1546)

Luther soll einmal,
so wird erzählt, in einer Schenke bei Erfurt aus Versehen eine Bratwurst schuldig geblieben sein. Diese Sage hatte sich in dem betreffenden Wirtshaus bis zum siebenjährigen Krieg erhalten und an der Tür stand mit Kreide geschrieben, dass der Doktor Luther hier noch eine Bratwurst zu bezahlen habe.
Ein preußischer Husar, der sich zufällig in dieser Kneipe einen Schnaps genehmigte, las mit Unwillen, was an der Tür stand: „Herr Wirt", rief er, was kostet eine Bratwurst?" „Fünfzehn Pfennige" lautete die Antwort. Der Husar zog den Beutel und bezahle sie. „Und nun, Halunke", sagte er zu dem Wirt lösche aus! Ich habe für Doktor Luther bezahlt. Komme ich wieder und finde das noch angeschrieben, so hast du für Prügel nicht zu sorgen."

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