Freitag, 16. Februar 2018

Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn, Ehrenbürger von Windischgarsten


Wilhelm von Schwarz-Senborn (geb. 1816, gest. 1903) war Generaldirektor der Weltausstellung 1873 in Wien  und Gründer des Heimatmuseums in Windischgarsten. Hier, in der Pyhrn-Priel Region verbrachte er seine Freizeit und seine Urlaube.
Freiherr von Schwarz-Senborn war Wirtschaftsfachmann und Diplomat. Er förderte die Volksbildung durch die Gründung von Bibliotheken und Vereinen.

Für die Weltausstellung in Wien ließ er im Wiener Prater als Ausstellungsgebäude die Rotunde errichten, die später im Jahr 1937 einem großen Brand zum Opfer fiel.

Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn

Weltausstellung 1873 in Wien

Rotunde

Rotunde

Rotunde

 Karikatur vom umtriebigen Freiherrn von Schwarz-Senborn

Brand der Rotunde 17.9.1937

Museum Windischgarsten

Freitag, 9. Februar 2018

Winter im Stodertal


















                                           


                                                 Fotos: Siegfried Kniewasser , Heinz Schachner

Samstag, 3. Februar 2018

Maria Lichtmess, ein wichtiges, altes Fest der Bauern am 2. Februar.

Das Fest Maria Lichtmess wird 40 Tage nach Weihnachten am 2. Februar gefeiert. An diesem Tag werden die Kerzen in der Kirche geweiht und Krippe und Christbaum abgebaut.
Früher war Maria Lichtmess ein wichtiger Tag im Bauernjahr. Da erhielten die Knechte und Mägde ihren Jahreslohn in Geld und Naturalien. Außerdem wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Dienstverhältnis um ein Jahr verlängert wird oder nicht. An diesem Tag kochte die Bäuerin ein aufwändiges Festmahl.
So wie zu Allerseelen die finsteren Tage beginnen, in denen dem Licht eine besondere Bedeutung zukam, so setzt der zweite Februar den Schlusspunkt. Ein alter Spruch weissagt die kommende Witterung: "Wenn es zu Lichtmess stürmt und schneit ist der Frühling nicht mehr weit".
Nicht jeder Bauer gestattete seinen Dienstboten die Haltung von Kleinvieh, sodass um Mariä Lichtmess, an dem die Dienstboten ihren Posten wechselten, oft Tiere verkauft werden mussten. In manchen Orten entstanden deshalb Kleintiermärkte. Der Glanglmarkt in Wels (glangln bedeutet herumziehen) findet heute noch statt.
Der Blasiussegen, der zur Erinnerung an den Hl. Basius am Ende der Messe gespendet wird, soll vor Halskrankheiten schützen.






Der Blasiussegen wird gespendet

                                                       Fotos: Margit Wright ("Salmer")

Freitag, 2. Februar 2018

Als der 2. Weltkrieg zu Ende ging

Im Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg und hinterließ bittere Not, Zerstörung und Chaos. Wie diese Zeit  ein Mädchen aus dem Stodertal damals erlebt und später aufgeschrieben hat, ist erhalten geblieben.

"In unserem Garten war kein Platz mehr für Gemüse. Überall hat Vater Tabak angepflanzt. Alle Kammern waren davon voll. Die Tabakblätter wurden auf Schnüren aufgehängt, gespritzt und immer gewendet bis die Blätter dunkelbraun waren. Tabak war für den Tauschhandel sehr wichtig. Vieles konnte man dafür eintauschen. Die Not war so groß, dass in den Städten Hunde, Katzen und Pferde gegessen wurden.
Damals hatte niemand ein eigenes Fahrzeug und alle Autobusse waren hoffnungslos überfüllt. Es gab weit mehr Fahrgäste als Plätze und immer mussten Fahrgäste zurückbleiben und auf einen nächsten Bus warten - wenn einer kam. Wenn auf den Bänken bereits statt 2 Personen 4 saßen und im Mittelgang alles zusammengepfercht war, rief der Busfahrer - "geht´s zrück, die anderen wollen auch noch eini". Oft stieg der Fahrer aus und sah sich von außen an, ob noch irgendwo eine Handbreit frei war. Dann schob er die Leute mit den Händen hinein und verriegelte die Tür damit niemand hinausfallen konnte. Halten brauchte sich keiner bei der Fahrt, denn umfallen konnte man nicht. Auf der Fahrt wurde die Menschenmenge zusammengerüttelt und wenn man Glück hatte bekam man soviel Platz, dass man auch den zweiten Fuß hinstellen konnte. Wenn der Bus am Ziel war stieg eine Menschenschlange aus, dass man es nicht glauben konnte, dass sie alle in einem einzigen Bus gewesen sind. Ich fuhr trotzdem lieber mit dem Bus als mit dem Zug. Wenn ich in die Schule fuhr musste ich im Verschiebebahnhof Klaus nach Steyr umsteigen und die Fahrt ging weiter mit der "Schnackerlbahn". Dieser Zug fuhr so langsam, dass man im Sommer während der Fahrt aussteigen konnte um Blumen zu pflücken. Später wurde man von den Amerikanern vor und nach dem Aussteigen aus dem Zug mit Ungeziefervertilgungsmitteln unter den Armen und am Kopf eingesprüht.
In der Schule wurden uns abschreckende Filme über Geschlechtskrankheiten gezeigt.
Die Pullover kratzten, denn sie wurden oft aus Verbandstoff und in Streifen geschnittener Windeln gestrickt. Die Knoten von dem zusammengebundenen Garn juckten auf der Haut.

Nach der Schule saßen wir manchmal rund um ein Lagerfeuer zusammen und sangen: " Heilig Vaterland in Gefahren, deine Söhne sich um dich scharen. Ehe der Fremde dir deine Krone raubt, Deutschland, Deutschland fallen wir lieber Haupt bei Haupt - oder "Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich... schwarzbraun muss mein Mädel sein, gerade so wie ich..."

 Jugendlager im Stodertal


Freitag, 26. Januar 2018

Chaos am Ende des 2. Weltkrieges

Als Mädchen hat eine Stodertalerin diese Zeit miterlebt und später aufgeschrieben.

"Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter, Polen, Ukrainer, jüngere Männer und Frauen aus den besetzten Gebieten waren zum Arbeitseinsatz an Stelle der eigenen Söhne und eingerückten Männern bei Bauern untergebracht. Durch die tägliche Zusammenarbeit von Einheimischen mit Fremdarbeitern entstanden manchmal auch feste Verbindungen bis zu Intimitäten. Manche Bäuerinnen bekamen ein Kind und wenn der Ehemann nach Hause kam gab es große Probleme. Der Krieg beeinträchtigte die Landwirtschaft der Bauern, denn es wurden Pferde beschlagnahmt, Lebensmittel mussten abgegeben werden und Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen.
Als Hitler kam brachte er der Bevölkerung Arbeit und damit Geld. Die Not hatte ein Ende, aber um welchen Preis?
Mein älterer Bruder war Bordfunker. Später wurde er im Kampf gegen Partisanen eingesetzt.  Seine Briefe von der Front machten uns Angst. Manche Sätze schrieb er in Geheimschrift, damit Mutter sie nicht lesen konnte. Mit 18 Jahren galt er in Südfrankreich als vermisst. Das Leid einer Mutter, wenn der Sohn nicht mehr zurückkommt ist so  groß, dass man es nicht beschreiben kann.
Auch Vater wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Er musste in St. Valentin in einer Munitionsfabrik in der Nähe vom Konzentrationslager Mauthausen arbeiten. Von dort hat er Läuse und anderes Ungeziefer mit nach Hause gebracht. Wenn Mutter ihm Vorhaltungen machte wurde er wütend und warf die eiserne Bratpfanne nach ihr. Der Kriegsdienst veränderte seinen Charakter. Er fing zu saufen an und wurde ein richtiger Grobian. Wir Kinder mussten ihn betrunken vom Gasthaus abholen, wenn er beim Kartenspiel das ganze Geld verlor. Mutter machte mit ihm die Hölle durch und es wurde oft gestritten. Er konnte keine Frau, keine Kittelschürze in Ruhe lassen und betrog ständig meine Mutter.
Es gab Leute, die meldeten alle, die zur Sonntagsmesse in die Kirche gingen dem NS- Blockwart. Nach dem Krieg war es für manche eine Genugtuung, wenn sie sahen, wie diese Leute als Straßenarbeiter oder Totengräber zur Strafe Dienst tun mussten. 
Als der Krieg zu Ende war kamen aus vielen zerbombten Städten Flüchtlinge und Soldaten die ihr Heim verloren hatten und die hier eine Unterkunft suchten. Ein US-Militärlastwagen mit Lebensmitteln stürzte einen Hang hinunter und sofort rannten alle Anrainer um Schmalzdosen, Konserven, Erdnussbutter, Reis, Kakao und Schokolade aufzusammeln.