Freitag, 13. Juli 2018

"Bergfahrt" auf die Spitzmauer im August 1867

Die Zeitschrift "Die Debatte" vom 19.1.1869 berichtet von einer "Bergfahrt" (Bergtour), die der Windischgarstner Mönch, Priester, Familienvater, Bergsteiger, Forscher und Erfinder Hans Hauenschild (geb. 1842 - gest. 1901) im August 1867 gemacht hat. Sein Bericht wird nachstehend, dem Stil unserer Zeit etwas angepasst zum Teil wiedergegeben. - (Siehe auch den Beitrag über Hauenschild in diesem Blog vom 26. April 2016)
Die erste Besteigung der Spitzmauer soll im Jahr 1858 stattgefunden haben. Doch das ist nachweislich ein Irrtum, da schon früher Jäger und Besitzer angrenzender Almen das Österreichische Matterhorn bis zum Gipfel bestiegen haben.
Mit dem Förster Franz Forsthuber und weiteren sechs Bergkameraden begab sich Hans Hauenschild  am 13. August 1867 vom Jaidhaus aus zum Prielaufstieg und erreichte mit Anbruch der Nacht die obere Polsteralm. Dort wurde fröhlich gerastet, gegessen und getrunken. Es war spät als die Bergsteiger den letzten Tropfen Grog schlurften und sich in der Herrenstube zur Ruhe begaben. Diese so genannte Herrenstube ist ein Anbau an den Stall mit einer mit Heu befüllten Schlafstelle. Der Ehrenplatz wurde dem Bergführer überlassen, der bald mit Schnarchen von der Güte seines Bettes Nachricht gab. Weil dort nicht genügend Platz war gingen die anderen Teilnehmer der Bergtour in den ersten Stock bzw. unter das Dach zum Schlafen. Doch auch dort stellte sich trotz des prächtigen  Heus der Schlaf nicht ein. Schuld war das Ziegenvolk, das ebenfalls diesen Dachboden bewohnte und keine Ruhe geben wollte. Besonders der Ziegenkönig schien eine besondere Freude daran zu haben, den nunmehrigen Mitbewohnern wenigstens jede Minute einmal zu zeigen, dass seine umgehängte Schelle noch klingeln kann. Etwas später trug der Nachtwind einen "Stöderer Juchezer" daher, Menschenstimmen wurden laut und gleich darauf wurde deutlich vernommen:

                                            "Wir müssen heute noch ins Biri (Gebirge) gehn,
                                             Rührt sich keine Luft, ist der Himmel schön,
                                             Die Mäuer (Felsen) sind sind so hell und klar,
                                             Schöner wird es kaum mehr dieses Jahr."

Im Nu waren die Bergsteiger in den Schuhen und im Freien. Die nächtlichen Sänger waren noch weit unten, kamen aber heraufgeklettert und entpuppten sich als zwei Vorderstöderer, die es unten nicht aushalten konnten weil es heute gar so schön ist. Sie wollten unbedingt noch vor Sonnenaufgang am "Größtenberg" (Goßen Priel) sein. Die Nacht war wunderbar schön und die Riesenwände der Spitzmauer glitzerten geheimnisvoll herüber.
Vom Schlaf war keine Rede mehr. Die Gesellschaft ließ sich noch einen kräftigen Kaffee kochen, der wunderbar schmeckte und brachen bei hellem Vollmond um halb zwei Uhr auf. Die beiden Vorderstöderer schlossen sich der Gruppe an. Die Partie sollte nicht ohne Abenteuer verlaufen. Eben war der steilste Teil einer Schneewand zu erklimmen, als plötzlich ein leiser Ruf und das Geräusch eines fallenden Körpers vernommen wurde. Im nächsten Augenblick fuhr auch schon eine dunkle Masse die weite Schneefläche hinunter. Es war einer der Touristen, der durch einen Fehltritt stürzte und Kopf über den Hang hinunter kollerte. Erst im unteren Drittel gelang es ihm den Fall mit seinem Bergstock abzubremsen und stehen zu bleiben. Sein Hut aber setzte die Reise fort. "Da muss man ja nachfahren!" rief der entschlossene Führer und glitt in sausender Eile, doch sehr sicher abwärts. Kaum hatte er den Halbbetäubten erreicht, als eine zweite unfreiwillige Rutschpartie erfolgte. Ein zweiter unvorsichtiger Bergsteiger flog mit solcher Wucht hinunter, dass er den entgegen springenden Führer niederriss, worauf beide bis zum Rand des Schneefeldes hinunterrollten. Das hatte nicht drei Minuten gedauert. Glücklicherweise ging es für alle gut aus, nur einige Hautabschürfungen blieben von diesem Abenteuer zurück.
Um weitere Rutschpartien zu vermeiden, wurden mit einer Hacke (Axt) Stufen in die Schneewand gehauen und auf diese Weise ohne weiteren Unfall die Brodfallwand erreicht, wo die beiden Vorderstöderer schon angekommen waren. Als man über die Wand hinaufkletterte herrschte bereits Dämmerung und auf dem Grat wurde es schon hell. Es war beinahe halb fünf Uhr und es schien fast unmöglich, den höchsten Punkt, die neue Pyramide, vor Sonnenaufgang zu erreichen. Doch die Äußerung "Klammer´s" so hieß der Führer mit seinem Spitznamen - "Wenn wir recht laufen so geht´s schon", gab Signal zu einem Wettrennen, das auf so einem Terrain wohl noch nie ausgeführt worden sein dürfte. Bald standen wir an der Pyramide am Gipfel und hatten bis zum Sonnenaufgang hinlänglich Zeit zum Ausschnaufen.
Als die Sonne aufstieg lagen die fernen Eismassen der Tauernkette noch in kalter Nachtfarbe. Dann rötete sich zuerst der Dachstein, die höchsten Gipfel der Salzburger- und Tiroleralpen  begannen zu glühen und zuletzt umsäumte den ganzen Westen  ein Rosenpurpurgürtel, nur über das Tote Gebirge lag noch ein riesiger Schattenkegel, dessen Spitze bis an den Nordrand des Tennengebirges reichte.
Die Gesellschaft blieb zwei Stunden auf dem Gipfel und labte sich an der Aussicht und am Proviant. Die Stöderer sangen nach Herzenslust, ein Gämsenrudel zeigte sich in der Ferne und verschiedene Bergabenteuer wurden erzählt, unter anderem das nachstehende.
Der verstorbene Erzherzog Ludwig bestieg am 27. August 1819 mit zahlreicher Begleitung den Großen Priel, Unter den Trägern befand sich auch der damalige Schullehrer von Hinterstoder, dem es eine besondere Ehre war das Kaffeeservice der Herrschaften zu tragen. Auf dem höchsten Oberösterreichischen Gipfel wollte man die grandiose Aussicht und eine Tasse Mokka genießen.
Als der Schulmeister den obersten Rand des Schneefeldes schon fast erreicht hatte, glitt er aus und  rutschte das steile Schneefeld mit rasender Geschwindigkeit hinunter. Alle waren erschrocken...die Diener jammerten um das schöne Kaffeegeschirr....die hohen Herrschaften bangten um den verunglückten Schulmeister. Dieser aber nahm keine Rücksicht auf seine Gliedmaßen und auch auf sein Leben. Viel wichtiger war ihm, dass das Kaffeeservice der allerdurchlauchtigsten Herrschaften nicht Schaden nahm. Er hielt mit beiden Händen den Korb hoch über den Kopf und gab seinen Körper schonungslos den Prellungen und Stößen der Rutschpartie preis. Unten angekommen war er zwar arg mitgenommen, hatte zahlreiche Schürfwunden und blaue Flecken aber das Geschirr war größtenteils unbeschädigt. Unter tiefsten Seufzern wollte er zum zweiten Mal aufsteigen, es wurde ihm aber befohlen zur Almhütte zurückzukehren, wo das Service schon noch Verwendung finden werde. Das tat er dann auch und erntete unten stürmische Danksagungen eines Dieners, der bei dem übrigen Gepäck in der Hütte zurückgeblieben war. Dieser Diener machte sich schon die ganze Zeit über die größten Vorwürfe, weil er das Wichtigste vergessen hatte, nämlich den Kaffee für die Herrschaften mit einzupacken. Das Service wäre wohl umsonst hinauf getragen worden.
Die Geschichte berichtet weiter, dass der Lehrer gemeinsam mit der allerhöchsten Gesellschaft in der Alm aus des Erzherzogs höchst eigener, zwar leicht beschädigter, henkelloser Kaffeetasse, zum guten Abschluss einen Kaffee geschlürft habe. Bestimmt ist er ihm weder früher noch später so köstlich über die Lippen gekommen.


Stodertal - Spitzmauer 2446m , gesehen vom Aufstieg auf den Hoch-Priel



Freitag, 6. Juli 2018

Die Selbstmordkomödie vom Gleinkersee





Die Kronenzeitung  berichtete im Dezember 1930 von einer Tragikomödie deren Schauplatz der
Gleinkersee war. 

"Der letzte Sproß einer alten oberösterreichischen Patrizierfamilie, der 47 jährige Ingenieur Erich Schröckenfux, dessen "Selbstmord" seinerzeit großes Aufsehen erregte, steht in einer für drei Tage  anberaumten Verhandlung wegen versuchten Betruges vor dem Schöffengericht.
Mit ihm ist seine Freundin, Marie Fuchs, eine Hausbesitzerstochter aus Windischgarsten, die in seine Affären eingeweiht und ihm bei der Ausführung seiner Pläne behilflich war, mit angeklagt. Die Anklage legt Schröckenfux zur Last, er habe durch fingierten Selbstmord mehrere Versicherungsgesellschaften um hohe Beträge betrügen wollen.
Die Familie Schröckenfux besaß seit Jahrhunderten eine Sensenfabrik in Roßleiten in Oberösterreich, sie galten als eine der reichsten Familien im Lande. Bis zum Kriegsende wurde das Unternehmen  von den Brüdern Erich und Artur Schröckenfux geführt, unter ihrer Führung musste das Geschäft wegen schlechten Geschäftsganges  und Kapitalmangel in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden; die beiden Brüder  Schröckenfux waren an dem Unternehmen nur noch mit 20 Prozent beteiligt und mussten sich mit einer Anstellung bescheiden. Die Staatsanwaltschaft schreibt die Schuld  an dem Niedergang auch der leichtfertigen Geschäftsgebarung des Ingenieurs Schröckenfux zu, der sich in der Inflationszeit in allerlei Geschäften, von denen er nicht viel verstand, versuchte und auch ein verschwenderisches Leben führte.
Er geriet immer mehr in Schulden und als er keinen Ausweg mehr sah, fasste er den Entschluss nach Südamerika auszuwandern.
Seine Gefährtin auf der Reise sollte die Geliebte sein. Frau und Kinder sollten erst nach der Flucht von seinem Plan erfahren. Die Kosten der Überfahrt und die Existenzgründung in Südamerika sollten Versicherungsgesellschaften bestreiten.
Schröckenfux hatte sich vor Jahren bei mehreren Versicherungsgesellschaften auf insgesamt 446.000 Schilling (Kaufkraft heute ca. 1 330 000 €) versichern lassen.
Er erörterte wiederholt mit seiner Freundin die Möglichkeiten, von den Versicherungsgesellschaften Geld zu erhalten, sie berieten oft darüber ob ein Unfall oder Tod das richtige Mittel zur Erreichung ihres Zweckes wäre.
Im Mai 1929 schritt Schröckenfux an die Verwirklichung des Planes. Er löste für sich und seine Gattin einen Pass und überreichte an Stelle der Photographie seiner Frau, die der Marie Fuchs. Die Geliebte ließ sich aber auch einen eigenen Pass ausstellen. Schließlich veranlasste Schröckenfux einen der Angestellten der Gesellschaft, einen Pass auf den eigenen Namen, jedoch mit der Photographie von Schröckenfux zu lösen.
Als alles für die Reise vorbereitet war, begab sich Schröckenfux zum Gleinkersee um dort für die Versicherungsgesellschaften zu sterben.
Er ließ am Ufer einige Kleidungsstücke zurück, in den Taschen waren Abschiedsbriefe an den Bruder Artur, dem er als Motiv seines Selbstmordes die misslichen finanziellen Verhältnisse und die Furcht vor geistiger Umnachtung angab. Er gibt dann seinem Bruder den Rat, diesen Abschiedsbrief vorläufig geheim zu halten; vielleicht wird die Allgemeine Unfallversicherung einen Unfall annehmen und die Versicherungssumme auszahlen. Werde aber ein Unfall bezweifelt, dann solle der Abschiedsbrief vorgewiesen und Selbstmord in geistiger Umnachtung behauptet werden; in diesem Falle würden nur die beiden anderen Versicherungsanstalten die Versicherungssummen auszahlen.
Die wahre Absicht Schröckenfux` war aber eine andere:
Die Versicherungssumme sollte die Geliebte beheben, die sich mit dem gemeinsamen Pass als seine Witwe ausweisen konnte.
Bezüglich der Assicurationi Generali, bei der er versichert war, ging Schröckenfux noch weiter; er hatte bereits früher die Polizze einem Notar mit dem Auftrag übergeben, im Falle seines Ablebens die Versicherungssumme zu beheben und Marie Fuchs auszufolgen.

                                              Die Flucht.

Ende Mai fuhr dann Schröckenfux über Berlin  nach Hamburg. Dort wartete er auf das Eintreffen der Freundin. Indessen wurden seine Kleider am Ufer des Gleinkersees  von der Gendarmerie gefunden. Taucher suchten den See nach seiner Leiche ab, doch selbstverständlich ohne Erfolg. Als man die Weisung Schröckenfux`an seinen Bruder gelesen und dann festgestellt hatte, dass Schröckenfux und seine Geliebte mehrere Pässe gelöst hatten, glaubte man nicht mehr an den Selbstmord. Aus Berlin kam die Nachricht, dass man den Selbstmörder dort gesehen habe.
Es wurden Erhebungen in allen Hafenstädten eingeleitet und nach einigen Tagen konnte Schröckenfux  in einem Hamburger Hotel verhaftet werden. Er wurde an Österreich ausgeliefert, befand sich einige Monate beim Kreisgericht  Steyr in Haft, dann wurde er auf freien Fuß gesetzt und für die Durchführung seines Strafprozesses an das Wiener Landesgericht delegiert.
Schröckenfux erklärte sich für nicht schuldig. Wenn ihm die Anklage leichtfertige Geschäftsführung vorwerfe, so müsse er darauf verweisen, dass er jederzeit bestrebt gewesen sei, die von ihm geleitete Sensenfabrik aktiv zu erhalten. Leider sei die wirtschaftliche Lage nach dem Krieg schlecht gewesen, weil der Hauptabnehmer für Sensen, Rußland, nur mehr de Hälfte der früheren Bestellungen beanspruchte.
Ausführlich begründete der Angeklagte den Abschluss von Lebensversicherungen bei verschiedenen Gesellschaften und gibt als Motiv für den Abschluss der Versicherungen zugunsten seiner Geliebten Marie Fuchs an, dass er die Zukunft seiner Braut sicherstellen musste, weil sie seinetwegen zwei Heiratsanträge ausgeschlagen hatte.
Über seine Ehe sagte der Angeklagte: Ich habe 1911 geheiratet, die Ehe war von Anfang an unglücklich, meine Frau war hysterisch. Obgleich ich bestrebt war, ihr das Leben so angenehm als möglich zu gestalten, hat meine Frau mich immer beschimpft. Dazu kam eine wahnsinnig, grundlose Eifersucht meiner Frau.
Vorsitzender: Konnten sie nicht diese Lage durch eine gerichtliche Scheidung ändern?
Angeklagter: Nein, meine Frau wollte davon nichts wissen.
Vors.: Sie haben sich dann für andere Frauen interessiert?
Angeklagter: Erst im Jahre 1928, als ich Fräulein Fuchs kennen lernte. Andere Beziehungen zu Frauen hatte ich nicht, es wurde mir nur fälschlich nachgesagt.
Vors.: Wann ist in ihnen der Entschluss zur Auswanderung nach Südamerika gereift?
Angeklagter: Im Winter 1928 las ich eine Annonce, dass ein Betriebsleiter für ein Eisenwerk in Brasilien gesucht wurde. Um diese Stelle bewarb ich mich. Nach fünf Monaten erhielt ich die Antwort, ich möge mich Ende Mai in Hamburg bei dem Bevollmächtigten der brasilianischen Firma vorstellen.
Da ich meinem ehelichen Leid um jeden Preis ein Ende machen wollte, beschloss ich, Selbstmord vorzutäuschen, um aus Europa ohne Schwierigkeiten verschwinden zu können.
Schröckenfux erzählte weiter, dass er die Fuchs für den 26. zum See bestellt habe. Dort habe er ihr mitgeteilt, dass er am nächsten Tag weggehe. Sie sollte gleich mit ihm kommen. Das Mädchen aber meinte dass sie ihm nachkommen werde. Der Angeklagte bemerkte, dass Marie Fuchs gefragt hat, ob man sein Vorgehen nicht als Versicherungsbetrug auslegen werde. Er habe ihr aber das ausgeredet. "Ich war", sagt Schröckenfux, "felsenfest davon überzeugt, dass man mein Vorgehen niemals als Verbrechen wird auslegen können."
Vors.: Wie sind sie überhaupt bei dem Gespräch mit der Fuchs auf die Versicherung zu sprechen gekommen?
Angeklagter: Die Fuchs meinte, ich solle doch die Versicherung für meine Familie hier lassen. Ich aber sagte ihr drüben gäbe es keine Versicherungen und wenn mir etwas geschehe stünde sie hilflos verlassen in der Welt.
Schröckenfux erklärte, die Marie Fuchs habe nur um die zwei zu ihren Gunsten abgeschlossenen Versicherungen gewußt. Weisung wegen Behebung des Geldes habe er ihr nicht gegeben. Ende Mai habe er sich aus seiner Wohnung entfernt und einige Tage auf der Stofferalm verbracht. Am 27. Mai nachmittags habe er seine Kleider am Seeufer niedergelegt.
Dann sei er in der Nacht von der Station Spital am Pyhrn mit dem Schnellzug nach Deutschland abgereist."
Marie Fuchs bestreitet eine Mitschuld..........

Gleinkersee

Taucher am Gleinkersee
  
Tages Post 4. Dezember 1930
    

Samstag, 30. Juni 2018

Gemeindekooperation Hinterstoder - Klaus gewinnt Regionalen Nachhaltigkeitspreis 2018

Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder informiert




Am Bild v.l.: Susanne Kreinecker, Felix Fößleitner, Sabrina Popp, Florian Radner und Wolfgang Löberbauer 
Foto: Walter Silber

Freitag, 29. Juni 2018

Taucher im Gleinkersee

Eine große Sensation war die Suche nach dem, wie man vermutete, im Gleinkersee ertrunkenen Ing. Erich Schröckenfux, dem technischen Leiter des gleichnamigen Sensenwerks in Roßleiten. Seine Kleider hat man Ende Mai 1929 am Ufer des Sees gefunden. Von ihm fehlte jede Spur. Ing. Schröckenfux wollte zur Jagd und dabei einige Tage in der Jagdhütte seiner Mutter, oberhalb des Sees, verbringen. Man wusste er konnte gut schwimmen, dennoch vermutete man einen Badeunfall.


Die Tages-Post vom 14. Juni 1929 berichtete ausführlich über die Suche:
"Den Angehörigen des Vermissten war darum zu tun, dem See das Opfer, das er sich geholt, zu entreißen. Sie bemühten sich deshalb um Taucher, italienische, rumänische und auch ein deutsches Unternehmen schlugen das Angebot aus. Das Spreng- und Tauchunternehmen Ferdinand Sides in Mannheim nahm es jedoch an und schickte zwei erfahrene Taucher, Herrn Roß aus Walsum a. Rhein und Herrn Rhin aus Mannheim mit der erforderlichen Ausrüstung nach Roßleiten. Sie gingen Samstag den 8. Juni zum ersten mal und zwar an der mutmaßlichen Unfallsstelle in das Wasser des Gleinkersees und tauchen seither systematisch zwischen den Felsen und Bäumen. Die Zuschauer verfolgen und beobachten die Arbeiten mit der Freude von Kindern. Sonntags richteten weit über 1000 Leute den Blick auf das etwa 100 Quadratmeter große, von leeren Fässern im Auftrieb verstärkte Floß, den Stützpunkt der beiden Taucher.
Der Garderobewechsel auf dem Taucherfloß ist immer die große Sehenswürdigkeit. Der Taucher nimmt zuerst den roten Wollschal um den Hals, zieht sich zwei Paar schier bis zum Rumpf reichende, dicke Wollstrümpfe über die Beine hinauf und steckt dann auf einer Bank stehend, die Füße in den Taucheranzug, der luft- und wasserdicht ist und aus Gummi und Leinen besteht. Vier starke Hände haben zu tun, um ihm den Wams über die Schultern zu ziehen. Er riemt sich dann die schweren, mit Bleiplatten besohlten Schuhe an die Füße. Mit einem Griff ist ihm auch das Schulterstück und darüber der Helm mit den Sehscheiben aus starkem Kristallglas aufgesetzt. Zu guter Letzt behängt man ihn mit einem 42 Pfund schweren Vorder- und einem 50 Pfund gewichtigen Hinterblei, damit er unter Wasser die notwendige Standfestigkeit hat und rasch den Grund erreicht. Die Luft zum Atmen wird ihm durch einen Schlauch, der in den Helm einmündet von vier auf dem Floß postierten Arbeitern zugepumpt.
Alle 10 Meter, die er tiefer geht, braucht er um eine Atmosphäre mehr Druck. Die notwendigen Zeichen gibt er mit einer Signalleine, sein Kamerad am Floßrand hält sie in der Rechten, was ihm die Leine ruckweise mitteilt übersetzt er sofort in einen kurzen Befehl an die Hilfsmannschaft. Hat der Taucher in seiner Rüstung Überluft, so genügt eine Wendung des Kopfes um das Ventil im Helm zu öffnen. Den Dolch an der Seite, sonst eine Waffe gegen Unterwasserräuber, benützt er im Gleinkersee zum Kampf gegen Geäst. Zur Ausrüstung gehört auch eine Unterwasser-Lampe, die mit einer Batterie durch ein Kabel verbunden ist. In Verwendung kommt sie nur, wenn bei zunehmender Tiefe die Lichteinstrahlung für den Taucher so gering wird, dass er zur Orientierung einen optischen Anhaltspunkt braucht.
Die systematische Suche im See wird von Süden nach Norden hin durchgeführt. Dazu sind Drahtseile gespannt worden, an denen das Floß mit dem Taucher unter Wasser, langsam über den See bugsiert wird. Nur so, bei strichweiser Streife, ist mit einem Erfolg zu rechnen. Lotungen sollen ergeben haben, dass die tiefste Stelle des Sees 35 Meter unter dem Spiegel liegt. Der Volksmund, der ja auch Sagen über den Gleinkersee weiß, berichtet allerdings von 150 Meter Tiefe. Bis jetzt sind die Taucher nur auf 25 Meter gekommen aber von Tag zu Tag gehen sie größeren Tiefen zu. Der Seegrund ist ein Wirrwarr von Felstrümmern und vermorschten Baumschäften, zwischen denen hemmendes Geäst und tiefer Schlamm liegen. Der Schlamm ist so nachgiebig. dass der Taucher Roß schon einmal bis zur Brust hinauf eingesunken ist. Der südliche Seegrund ist die Trümmerstätte einer großen Lawine, die einst mit verheerender Gewalt niedergegangen sein muss. Das verraten übrigens auch die Gesteinsfragmente am Ufer. Neben dem Schlamm sind Schründe am Seegrund von besonderer Gefahr für die Taucher, Risse, die zwei bis drei Meter  weit auseinanderklaffen und wie Fallgruben auf des Menschen Schritte lauern. Die Temperatur am Seegrund wird mit  sechs bis acht Grad angegeben. Das bedeutet für den Taucher empfindliche Kälte. Er muss deshalb auch mit Handschuhen arbeiten. - Im Seeabschnitt der zur Zeit bearbeitet wird sind die Lichtverhältnisse noch gut, die Sicht des Tauchers befriedigend. Die Klarheit des Wassers ist ein Zeichen dafür, dass der See filternden unterirdischen Zu- und Abfluss hat, die Beobachtungen der Taucher gehen auch dahin, dass Strömungen am Grund vorhanden sind und zwar gegen die Seemitte zu. Vermutlich ist auch dort der Leichnam des Vermissten am ehesten zu finden. Verschlammt ist er nach Ansicht der Taucher auf keinen Fall, sondern eher in Schwebe.
Gleich nach dem Abstieg des Tauchers in das dunkelgrüne Reich ist auch seine Rückkehr aus dem Wasser das gesuchte Schauspiel der zahlreichen Ufergäste. Die Signalleine zeigt an, dass er den Grund verlassen will. Mit dem Seil wird das Ungetüm hochgezogen. bis zur Holztreppe die zum Wasser führt. Steht der Taucher nun wieder auf festem Boden, dann wird ihm sofort das Verschlussstück vor dem Mund aus dem Helm geschraubt, damit er Luft bekommt. Er steckt sich nun entweder eine Zigarette an oder spuckt den Kautabak aus. Man befreit ihn von den Bleistücken und den 30 kg schweren Schuhen, nachdem ihm der Helm abgenommen worden ist. Schließlich greifen acht Hände gerade nicht sanft zu um ihm die Rüstung vom Leibe zu ziehen. Die tropft noch, während sie der zweite Taucher anlegt um die Arbeit fortzusetzen .....Länger als zwei Stunden währt der Aufenthalt des Tauchers unter Wasser niemals. Im Gleinkersee bedeuten 40 Minuten - so lange blieb Dienstag der Mannheimer Rhin auf dem Grund - eine Sonderleistung. Sein Kamerad Roß entstammt übrigens einer alten Taucherfamilie, denn schon sein Großvater erwarb unter Wasser sein Brot und auch seine Brüder stehen ohne Ausnahme im Taucherberuf, der mehr Schatten als Lichtseiten hat, allerdings - wird dafür schwer bezahlt".







Mittwoch, 27. Juni 2018

Hinterstoder erhält den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018

Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder informiert:



Vize-Bgm. Klaus Aitzetmüller, Juror Arno Frising, Jurorin Beatrix Drago, Bgm. Helmut Wallner und Juror Hans Verheijen
Foto: Roland Wallner

Freitag, 22. Juni 2018

Karl Krahl und das Prielschutzhaus

Karl Krahl (geb. 1819, gest. 1891) kam von Dresden zum Studium der Chirurgie und Geburtshilfe an die Universität Wien und schloss sein Studium als Magister der Chirurgie ab. Er wurde Arzt in Stetten und Bisamberg nordöstlich von Wien.
1848 heiratete er die Witwe des Hofwappenmalers Josef Stein in Wien und übernahm dessen Geschäft. Seine Arztstelle gab er auf. Sein Lieblingsurlaubsgebiet war Hinterstoder und die umliegenden Berge. Beim Bergsteigen am Großen Priel entdeckte er vor dem Ausstieg auf die Brotfallscharte eine Höhle, die er mit Holz auskleiden und mit einer Tür versehen ließ. Dadurch entstand 1876 die erste  provisorische Unterkunft für Nächtigungen auf dem Großen Priel.
Karl Krahl war auch Mitglied im Zentralausschuß des Österreichischen Touristenclubs und dessen Bibliothekar. Gemeinsam mit Anton von Ruthner, dem berühmten Bergsteiger, Hans Hauenschild, dem Erfinder  und  dem Pfarrer von St. Pankraz Franz Oberleitner, dem Botaniker, bemühten sie sich sehr um die Förderung des Tourismus in der Pyhrn-Priel Region und schrieben zahlreiche interessante Berichte in diversen Zeitungen. Es kamen immer mehr Bergsteiger in das Stodertal und am 16.8.1884 wurde nahe der oberen Polsteralm das erste Schutzhaus am Großen Priel eröffnet. Es bekam den Namen "Karl Krahl-Schutzhaus". 1906 wurde es nach einem Umbau und Erweiterung in "Priel-Schutzhaus" umbenannt.
Über die Eröffnung des Karl Krahl-Schutzhauses 1884 berichtet die Chronik: "Das Wetter war so grauslich, dass ein Drittel der weit gereisten, im Jaidhaus  übernachtenden Gäste der Eröffnungsfeier nicht aufsteigen wollten. Der Feier am nächsten Morgen wohnten bei schönem Wetter 20 Personen bei, die eingeschossige Schutzhütte mit Beherbergung für 15 Personen wurde zu Ehren nach Karl Krahl benannt."   





Darstellung des Doppeladlers ('mittleres Wappen'), umgeben von k.k. Marineflaggen, in rechteckigem Rahmen mit den Wappen aller Kronländer. Farbchromlithografie der k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien 1877 nach Entwurf und Gemälde von Karl Krahl






1906 wurde das Karl Krahl - Schutzhaus in Priel - Schutzhaus umbenannt

                                                                 Prielschutzhaus ca. 2010

Freitag, 15. Juni 2018

Fang eines Steinadlers vor 143 Jahren

Heute sind alle Tier- und Naturfreunde sehr froh, dass gefährdete Arten wie Steinadler unter Naturschutz gestellt worden sind, damit sie vor dem Aussterben bewahrt werden. 
Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert war das noch ganz anders. Steinadler wurden gejagt, weil sie  oft weidende Tiere wie Geflügel oder junge Schafe von Bauern holten. Über  Adler aus dem Stodertal wurde damals in verschiedenen Zeitungen berichtet.


Um den Artikel, der im Original schwer lesbar ist besser verstehen zu können, haben wir den Text, unter Beibehaltung der alten Rechtschreibung, übertragen.

Fang eines Steinadlers

Herr Simon Hagenauer erzählt:
In den ersten Juli-Tagen, während eines Aufenthaltes in Hinterstoder an der oberösterreichisch-steiermärkischen Grenze, begleitete ich die Kinder des mir befreundeten „Dietlbauers“, welche Schafe im Gebirge suchten. Drei Lämmer waren nicht zu finden und gaben meine Begleiter dem dort sogenannten „Gemsgeier“, der im Revier nistete, die Schuld. Ich fasste sogleich den Entschluss, den Horst desselben auszunehmen, musste jedoch am nächsten Tage abreisen und somit die Sache aufschieben.
     Am 17. Juli kehrte ich wieder auf das Dietlgut in Hinterstoder zurück. Meine erste Frage war nach dem Adlerhorste und ob das Junge noch nicht abgeflogen; man kannte wohl im Allgemeinen die Felsmauer, wo sich dasselbe befand und hatte es noch in den letzten Tagen schreien gehört; Genaueres wusste man nicht. Am 19. erblickte ich durch das Perspectiv in einer furchtbaren Felswand ein dürres Gestrüpp, dass ich für das Nest hielt, konnte es aber nicht deutlich unterscheiden; den nächsten Tag stieg ich frühzeitig mit Seppel, dem sechzehnjährigen Sohne des Dietlbauers, einem trotz seiner Jugend sehr ausdauernden und unerschrockenen Gebirgssteigers, zu jener Felswand, um genaue Untersuchung anzustellen über die Möglichkeit eines  Zukommens, namentlich Hineinseilens zum Neste, wozu ich, wenn irgend thunlich, fest entschlossen war. Gegen 10 Uhr Vormittags – wir saßen unterhalb der Wand, in der ich das Nest vermuthete – meldete sich der junge Adler, mit besonderer Heftigkeit und wir sahen den Alten hinfliegen, gleich aber wieder abstreichen; er hatte Nahrung gebracht und durch die Bewegung beim Verzehren sahen wir das Junge ganz deutlich an eben dem Puncte, wo ich Tage zuvor den Horst entdeckt zu haben glaubte.
     Nun hatten wir über den Ort wenigstens Gewißheit; durch gründliches Umsteigen der Wand, wobei wir auch den Horst sammt Insassen oft durch`s Perspectiv beobachteten, gelangten wir  gegen Abend zu folgendem Ergebnisse: Mit dem Hinablassen am Seile war nicht beizukommen, weil die Wand zu stark überhängig war, ich also mehrere Klafter (1 Klafter = 1,80m) vom Neste gehangen hätte, beim Neste selbst aber kein genügender Raum war, auf dem ich, wenn ich mich durch Schwingungen näher gebracht hätte, den Kampf mit dem schon sehr großen und starken Adler aufnehmen konnte; weil bei der enormen Höhe – mindestens 30 Klafter – Seile von der nöthigen Stärke sehr schwer zu transportiren und ohne besondere Vorrichtungen kaum zu handhaben gewesen wären; endlich, weil die Beschaffenheit des oberen Theiles der Wand ein Durchreihen oder Verklemmen des Seiles wahrscheinlich machte. Hingegen erschien es denkbar auf einer Seitenwand, die mit der Hauptwand einen sehr steil und tief hinabziehenden Graben bildete, von oben, freilich mit großer Schwierigkeit, so weit hinabzusteigen, dass man auf das Nest hinschießen konnte. Diese Operation wurde auf den folgenden Tag festgesetzt.
     Am 21. Juli hatten wir Regen und Nebel, so dass wir  etwas später, als projectirt, und mit wenig Hoffnung fortgingen; doch besserte sich das Wetter so weit, dass wir deutlich die Wände sahen. Wir führten den Stieg hinab, der durch die Nässe noch sehr erschwert war, glücklich aus; mehrere Male mussten wir die Büchsen ablegen und einer dem anderen reichen; eine Leine, die wir vorsichtshalber mitgenommen hatten, warf Seppel, um die Untersuchung, wann und wo dieselbe zu gebrauchen, abzuschneiden, zu einer unter uns stehenden Fichte hinab: „Bis dorthin steigen wir so und dort können wir schießen“, und nach dieser raschen That mussten wir schleunig hinabsteigen, da die Fichte, wenn wir auch nicht gerade bequem hinter ihr saßen, der einzige Anhaltspunct war, den wir ober einem ungemessenen Absturze hatten. Wir richteten einen Ast zum Auflegen der Büchse zu und beobachteten den Horst: deutlich unterschied ich einige starke Holzprügel, die zur Grundlage des Nestes zusammengefügt waren; der junge Adler lag auf einem Felsvorsprunge etwas oberhalb desselben, die überhängende Wand bildete fast eine Höhle. Genau die Distanz zu schätzen war schwer, jedenfalls ein enorm weiter Schuß, noch dazu sehr schräg abwärts.
     Wir wollten einerseits eine Stellung des Adlers abwarten, die hoffen ließ, dass er nach dem Schusse herabfalle, andererseits kam vielleicht auch der Alte in Schußweite, wenn wir uns richtig verhielten. Um 10 Uhr herum kam er wirklich wie gestern, allein er musste uns bemerkt haben, denn wie ein Blitzstrahl, der in´s Nest schlug, war er dort und auch wieder weg, bevor ich nur das Gewehr an die Wange bringen konnte. Der junge Adler lag ruhig und behaglich da, bewegte sich nur selten und nahm nicht die gewünschte Stellung an. Gegen 2 Uhr drohte ein neuer Regenguß, der das Zurücksteigen über ungemein steile abschüssige Felsen, sowie über schlüpfriges Gras noch bedenklicher machen konnte; kam dazu dichter Nebel, so war die Aussicht für heute vorbei. Ich beschloß daher, den Schuß zu versuchen, legte die Büchse auf, zielte mehrmals und gerade um 2 Uhr drückte ich los. Noch nie habe ich im Gebirge einen Schuß so furchtbar grollen und donnern gehört, als zwischen diesen Wänden. Das majestätische Getöse, der Jagdeifer, die wilde Scenerie, das edle Wild vor mir, wirkten mächtig auf mich ein, ich unterdrückte nur mühsam ein heftiges Zittern. Uebrigens war der Adler nicht getroffen, er sprang auf und ging an den Rand seines Ruheplatzes vor. Schnell hatte ich wieder geladen und nun krachte es noch einmal. Den Adler warf es in das Nest herab, wir glaubten ihn getroffen, dann flog er mit unsicheren Flügelschlägen weg und abwärts über ein breites Thal, bis wir ihn nicht mehr sahen.
     Tief unten jauchzte man uns nach dem Schusse von einer Alpe zu, wo man unsere Absicht, den „Gemsgeier“ heute aus dem Neste zu schießen, kannte. Wir schrien Marcus, einem alten Jäger, der unter der Felswand postirt war, zu, die Wirkung des Schusses, sowie allfälliges Abfliegen oder Abstürzen zu beobachten und zeigten ihm an, wo er uns treffen solle. Hierauf stiegen wir glücklich hinaus und rasch hinab; allein auch Marcus hatte den Ort, wo sich das Thier niedergelassen, nicht erblicken können. Schnell nach Hause, Leute requirirt und Alles in der Gegend, wo wir ihn vermutheten, abgesucht, da nach den Anstrengungen des unfreiwilligen ersten Fluges ein schnelles Wiedererheben nicht zu erwarten war. Mit dem Dunkelwerden kehrten wir resultatlos heim.
     Am folgenden Tage saß ich von früh bis spät auf einem Felsblocke, spähte herum und hoffte, der junge Adler werde sich durch Hunger getrieben, melden, um dem Alten seine Zufluchtsstätte anzuzeigen. Umsonst. Mit demselben Erfolge kehrte ich Freitag, den 23. Juli, nach einigen Stunden Morgens um 8 Uhr heim und wollte mich etwas ausruhen, als gegen 9 Uhr die Kuhdirne, die soeben von der Alpe gekommen war, in mein Stübchen trat mit der Nachricht, sie hätte im Herabgehen hoch in einer Felswand das eigenthümliche Geschrei des Vermißten gehört. Bald hatte ich mich selbst von der Richtigkeit ihrer Angabe überzeugt und war unser Plan entworfen: „Seppel“ und ich steigen zu, Seppel`s  Schwester „Mietzl“ - nebenbei bemerkt, eine unübertreffliche Bergsteigerin -  sollte sich schleunig an einen ihr angegebenen Puncte des Reviers auf die Lauer legen, um ein nochmaliges Ausdemaugeverlieren unmöglich zu machen. Bald waren wir ober unserer Beute, konnten ihrer jedoch nicht ansichtig werden. Zwei Mal kreiste der alte Adler ober uns, so dass ich schon die Büchse spannte; beim letzten Baume, weiter hätten wir wegen des senkrechten Abfalles nicht gemocht, saß der Adler plötzlich hart vor uns, war aber im selben Momente auch schon weg. Doch strich er wieder etwas abwärts um eine Felsenecke. „Mietzl“ bedeutete uns aus der Tiefe durch Jauchzen und Huppen, dass sie ihn einfallen gesehen; wir erreichten in mächtigen Sprüngen kurz herauf das Thal, hatten uns über die Oertlichkeit verständigt und stiegen auf Umwegen von Neuem zu. Dieselbe Geschichte! Flugs war er weg, nachdem er uns wieder ganz nahe hatte kommen lassen. Auf der anderen Seite des breiten Bergthales zog er einige Kreise und fiel dann in einem steilen Bergwalde ein. Nochmals eilten wir hinab; es war mittlerweile Nachmittags geworden, doch spürten wir weder Hitze, noch Hunger oder Durst. Die Aufpasserin wurde neu angestellt und wir durchforschten den Wald; lange suchten wir; endlich stießen wir auf den Flüchtling und nun folgte der Schluß unserer Jagd, kurz und gut.
     Sobald er uns erblickte, fuhr er wie ein Pfeil, mit Füßen und Flügeln nachhelfend, auf der glatten, von kleinen Felsmauern unterbrochenen Waldfläche hinab; wir warfen die Büchsen weg und in rasender Eile ihm nach; wenn nicht der Jagdeifer uns gleichsam beflügelt hätte, wir wären mindestens zehn Mal Jeder bedenklich gestürzt; so aber sahen und hörten wir nichts als den Adler, welcher jeden Augenblick aus dem Gesichtskreise  zu verschwinden drohte. Schneller als ich es schreibe, waren wir ein tüchtiges Stück hinab auf einer weniger steilen Fläche angelangt, er konnte nicht mehr so schnell fort und setzte sich zur Wehre. Nun hieß es mit dem dräuenden, nicht zu verachtenden Gegner den persönlichen Kampf aufnehmen. Er spreizte die Flügel und hieb mit Schnabel und Krallen furchtbar um sich; ich gab Seppel eine starke Schnur, zog meinen Lodenrock aus, stürzte mich damit über ihn und drückte ihn zu Boden, Seppel packte nun seine Fänge und band sie zusammen. Während ich nun meinen Begleiter um die Büchsen zurückschickte, machte sich der Gefangene noch einmal los, wurde aber ebenso überwältigt, in den Rock gewickelt, mit einem Tragbande gleich einer geschossenen Gemse  zusammengemacht und am Rücken von Seppel zum Bauernhause getragen, wo uns großer Jubel und Erstaunen über unseren Erfolg empfing. Aus einer leichten Zerrüttung der Federn am Halse vermutheten wir bei genauer Besichtigung, dass ihn meine zweite Kugel dort gestreift.
     Der Triumph meiner Stoderer Freunde über den glücklichen Fang, die Reise mit dem Adler nach Salzburg, wo ich ihn bis jetzt bei mir hielt, könnte in einzelnen Momenten zu recht heiteren und komischen Schilderungen verarbeitet werden; hier aber will ich mit der Mittheilung schließen, dass er noch am selben Tage Nahrung annahm, oft zwar recht wild im Käfig tobte, später aber beim Füttern die Fleischstücke ganz artig von einem spitzen Stäbchen, mit dem ich sie reichte, wegnahm und sich vollkommen wohl befindet. Am 25. August schickte ich denselben an die kaiserliche Menagerie in Schönbrunn ab.


      

Die Arbeiter Zeitung vom 21.2.1925 berichtet von zwei gefangenen Steinadlern, von denen ebenfalls einer dem Tiergarten Schönbrunn gespendet wurde. 



Donnerstag, 14. Juni 2018

Veranstaltungen in Hinterstoder

Julia Körber von der Gemeinde Hinterstoder informiert:

Landinger Sommer 2018
Von 16. bis 21. Juli gibt es in Hinterstoder heuer zum siebten Mal die Gelegenheit, beim Landinger Sommer spannende Köpfe und neue Ideen kennenzulernen. Der „ideale Landinger Sommer“ ist ein bunter Mix aus Einheimischen und Gästen mit unterschiedlichsten Interessen und Kompetenzen. Das Programm entsteht zum großen Teil in der Woche selbst. Um welche Themen es gehen wird, bestimmen die Teilnehmenden.
Sie sind also herzlich eingeladen, während dieser Tage in die Hösshalle zu kommen, sich auf den Aushängen im Foyer über die aktuellen Aktivitäten zu informieren und an jenen teilzunehmen, die Sie interessieren. Wie immer, sind Ihre eigenen Beiträge zum Programm hochwillkommen: Ein Workshop zu einem Zukunftsthema ebenso wie einer zu einem Handwerk, das sie besonders gut beherrschen. Eine Bergtour kann genauso ein Programmpunkt sein wie ein „kulinarischer Impuls“. Tragen Sie Ihre Vorschläge während der Woche einfach auf den Plakaten in der Hösshalle mit Termin und Ort ein oder schicken Sie ein kurzes Mail an sommer@landinger.at .
Anmeldung auf www.landinger-sommer.at. Die Teilnahme ist kostenlos.








Freitag, 8. Juni 2018

Auf den Spuren von Marlene Haushofer im Effertsbachtal.

Marlene Haushofer kam am 11.4.1920 in Frauenstein, einem wunderschönen Ort auf dem Weg von Hinterstoder in die Bezirkshauptstadt Kirchdorf, zur Welt. Ihr Vater, Rudolf Frauendorfer, war Revierförster und wohnte mit seiner Familie im Forsthaus im Effertsbachtal bei Frauenstein. Nach dem Besuch des  Gymnasiums bei den Ursulinen in Linz studierte sie Germanistik in Wien und heiratete den Zahnarzt  Dr. Manfred Haushofer, der 1950 eine Praxis in Steyr eröffnete. Sie schrieb ab 1946 Kinderbücher, Hörspiele und Romane.
In Wien fand sie Anschluss an die damalige Literaturszene und befreundete sich mit Hans Weigel, Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger.
Ein erster Erfolg gelang ihr 1952 mit der Novelle "Das fünfte Jahr, das dem Titel entsprechend ein Jahr im Heranwachsen eines Kindes namens Marili in nüchterner Nähe beschreibt. Gefördert wurde Haushofers literarische Tätigkeit vor allem von Hans Weigel und Herman Hakel.
Der Roman "Die Wand", der 1963 veröffentlicht und 2012 verfilmt wurde, ist wahrscheinlich Haushofers wichtigstes Werk. Dieser Roman beschreibt das Leben einer Frau, die durch eine plötzlich auftauchende, unsichtbare Wand von der Zivilisation abgeschnitten wird. Der Film, nach einem Drehbuch und der Regie von Julian Pölsler, mit Martina Gedeck als Hauptdarstellerin, wurde ein großer Erfolg.
Marlene Haushofer starb am 21.3.1970 in Wien.

In der Wallfahrtskirche von Frauenstein kann man die spätgotische Schutzmantelmadonna, geschaffen von Gregor Erhart ca. 1510, bewundern.

Im kleinen Friedhof von Frauenstein hat der berühmte Filmschauspieler und  Quizmaster Hans-Joachim Kulenkampff die letzte Ruhe gefunden.

Frauenstein

Kirche von Frauenstein

Schutzmantelmadonna von Gregor Erhart


Forsthaus im Effertsbachtal


Jagdhütte aus dem Film "Die Wand".
Fotos DI. Erik Holter