Fotos: Traude Schachner
Samstag, 10. Juli 2021
Freitag, 9. Juli 2021
Geschichten aus dem Leben von Johannes Brahms
Die Oberdonau-Zeitung berichtete am 15.2.1944 über Anekdoten, die Einblick in das Leben des berühmten Komponisten Johannes Brahms (geb.1833, gest.1897) geben. Brahms verbrachte gerne seinen Urlaub in Mürzzuschlag. Dort gibt es auch ein Brahms-Museum. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
Brahms spie!t zum Tanz auf.
Johannes Brahms, der berühmte Komponist, war ein etwas galliger Herr und wer ihn zum ersten Mal sah, erkannte in dem verdrießlichen Mann viel eher den Komponisten des „Requiem“ als der „Ungarischen Tänze“.
Es war im Jahre 1871, als Brahms in Wien mit einigen Freunden eine kleine Gaststätte aufsuchen wollte, in der stets ein Tisch für seine Gesellschaft reserviert war.
Die Reliquien-Zigarette
Johannes Brahms war zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Zigarettenraucher. Und er hatte da seine „Verbindungen" — so etwas gab es nämlich damals auch schon, wenn auch nicht in dem Sinne, wie wir das Wort heutzutage anzuwenden pflegen.Freitag, 2. Juli 2021
Begegnungen im Regenbogenhaus
Die Oberdonau-Zeitung berichtete am 12.9.1943 von Karl Heinrich Waggerl (geb.1897, gest.1973) dem berühmten Heimatdichter, der es mit seinen Besuchern auch nicht immer leicht hatte. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
"Gäste aus der Stadt sind merkwürdige Geschöpfe, unergründlich, sie stecken voller Rätsel. Ob sie nun singen oder pfeifen, oder im stillsten Wiesengrund sitzen und Marschmusik auf einer Maschine spielen, einerlei, den Drang zum Geräusch haben alle in sich. Wenn Irgendwo ein Vogel auf dem Zaun sitzt, um seine Federn zu putzen und es kommt ein Sommergast des Weges, dann schweigt der Vogel und wartet mit seinem Geschäft, bis der Fremde vorbeigegangen ist. Aber der kann nicht schweigen, der muss mit dem Finger auf den Vogel zeigen und einen Schrei ausstoßen: Seht her, ein Kuckuck. Und dann fliegt der Vogel davon und kommt lang nicht mehr. Natürlich, weil ihn das ärgert, er ist ja kein Kuckuck, sondern ein Häher.
Andere Gäste wieder sind über alles menschliche Maß hinaus neugierig, besonders die weiblichen, und es gibt fast nur solche, soweit ich mich entsinne. Wo immer ein Kind am Wege sitzt, das eben erst ein wenig krähen kann, gleich wird es in ein weitäufiges Verhör gezogen, wie es denn heiße und wer sein Vater sei, lauter peinliche Fragen. Das Kind darf ja schweigen und sich sein Teil denken, aber unser einem ist es weniger leicht gemacht.
Zum Beispiel habe ich einmal, als mir sonst nichts einfiel, die Fensterläden an meinem Haus blau angestrichen, alle bis auf zwei im Untergeschoß, die sind braun geblieben. Die Dorfleute regt das weiter nicht auf, sie begreifen, dass einem zur Unzeit die Farbe ausgehen kann oder die Geduld, aber die Stadtleute bringt so etwas außer Rand und Band. Sie sammeln sich vor dem Haus und beraten die Sache unter sich. Etliche ziehen Schlüsse auf meinen Geisteszustand, meine Gemütsart, andere meinen, ich müsse auf jeden Fall ein Mensch von Eigenart sein und wieder andere bezweifeln das, die raten auf eine völlig zerrüttete Ehe. Und wahrhaftig, es fehlt nicht viel daran, dass sie recht behielten, denn auch die Hausgenossen mischen sich in den Streit und wollen die Schande nicht länger dulden.
Ich weiß nicht, vielleicht werde ich tun, was Salomon getan hätte. Ich werde noch ein paar Fenster rot und gelb dazumalen. Dann heißt mein Haus das Regenbogenhaus, und alle sind zufrieden.
Ein anderes Mal, während ich am Schreibtisch sitze, weil mir ist, als käme mich ein Gedanke an, trifft mich plötzlich eine Stimme vom Fenster her in den Rücken. Hier wohnt er, sagt die Stimme. Ja, sagt eine zweite. Aber er soll so scheu sein. Was heißt das nun? Natürlich muss ich sogleich aufstehen und leise zum Fenster schleichen, es war immerhin eine ziemlich treffende Bemerkung. Ich schaue hinaus und weil das nicht mehr zureicht, stecke ich den Kopf durch das Gitter. Aber in diesem Augenblick dreht sich das eine der beiden Wesen noch einmal um und sieht mich mit gerecktem Hals und lächerlich zerrauftem Haar, ich kann um alles in der Welt den Kopf nicht schnell genug wieder einziehen.
Es gibt freilich auch dreistere, die stehen plötzlich vor der Tür und kichern und stoßen sich an. Nach einer Weile klopft es auch wirklich und dann knöpfe ich in Gottes Namen den Hemdkragen zu und führe die beiden herein. Die eine hat einen Zettel mitgebracht, damit ich ihr einen Vers darauf schreibe, sie sammelt solche Zettel. Die andere aber, die hübschere, ist eigentlich nur spaßeshalber gekommen, um mir dabei zuzuschauen. Sie hat überhaupt noch keinen lebendigen Dichter gesehen immer nur Denkmäler. Nun, was mich betrifft, ich bin keineswegs aus Stein, sondern ein zugänglicher Mensch. Man darf bei mir in der Stube umhergehen und alles genau betrachten, darf sich in jeden Stuhl setzen und Bilder aus dem Fach kramen, und wenn man einen üppigen Mund hat und winzige Sommersprossen auf der Nase, dann darf man auch Fragen stellen, obwohl mir dabei der Reim wieder entfällt, den ich eben gefunden habe.
Ob ich denn diese vielen Bücher auch alle gelesen hätte? — Einige. Und wie das eigentlich zuginge, ob ich mich einfach hinsetze und schon fiele mir etwas Gereimtes ein? — Ach nein, erklärte ich, viel öfter etwas Ungereimtes. Aber die Leute merken es gar nicht immer. Natürlich, sagt das Fräulein, als ob es ohnehin von mir und den Leuten nichts Besseres erwartet. Und ob ich immer nur Verse machte oder manchmal auch etwas anderes? Ja? Was denn zum Beispiel? — Zum Beispiel diese Uhr an der Wand, behaupte ich, um mir ein neues Ansehen zu geben. So. Und die Bilder vielleicht auch? Ja, sage ich zerstreut, denn ich habe den Reim wieder gefunden Und diesen Krug auf der Truhe? Jawohl, erkläre ich, auch den, mein Kind. — Und woraus? — Aus Lehm und Geist, sage ich, und schreibe meinen Vers auf den Zettel. Aber dann müssen wir beide lachen, denn ich habe schändlich aufgeschnitten, es klebt ja eine Marke unten auf dem Krug.
Nein, sagt die Freundin säuerlich, nein, Liese, du bist entschieden zu vorlaut! Sie ist die Ältere von den beiden, sie hat keine Sommersprossen auf der Nase. Das Kind aber verstummt und ich wende mich auch wieder zu meinem Gedicht, ein wenig betreten. Es ist ja wahr, ich sollte mehr Würde zeigen, das bin ich dem Ansehen meiner Zunft schuldig. Wohin kämen wir, wenn jedes stupsnäsige Mädchen seinen Spaß mit uns treiben könnte? Wenn gar die Leute anfingen, bei allem, was wir ihnen zeigen, auch den Boden zu besehen".
Freitag, 25. Juni 2021
Ein Linzer Findelkind, Maler der Könige – Künstlerleben in Oberösterreich.
Im Jahre 1882 ist Stirnbrand, der über neunzig Jahre alt wurde, in Stuttgart gestorben.
Freitag, 18. Juni 2021
Franz Grillparzer als Kurgast in Bad Hall.
Freitag, 11. Juni 2021
Die Uhr ist stehen geblieben.
Der große Wiener Volksschauspieler Alexander Girardi (geb: 1850, gest. 1918) war, wie so mancher andere hervorragende Komiker, ein großer Hypochonder. Hörte er von einer Krankheit, so fragte er sich immer gleich bedrückt, ob er sie, wenn auch vorläufig noch versteckt, nicht ebenfalls habe.
Die Oberdonau-Zeitung vom 4.1.1943 berichtete darüber. Der Artikel wurde etwas gekürzt und unserer Zeit angepasst.
Eines Tages, während er gemächlich in Wien durch die Kärntner Straße nach dem Graben zu spazierte, traf Girardi einen seiner näheren Bekannten, einen Herrn Penkala. Dieser begrüßte ihn lebhaft, man bekomplimentierte (tauschte Komplimente aus) sich und ging zusammen weiter, wobei Girardi fragte: „Was gibt’s denn Neues?“ Penkala wiegte bedauernd den Kopf: „Neues gibt’s schon, aber nix Gutes. Wissen’s, Herr von Girardi, was gestern dem Hartlmeier passiert ist?“ Girardi schüttelte den Kopf: „Keine Ahnung! Was ist denn geschehen?“ „Also ein sehr trauriger Fall, das muss ich schon sagen. Da sieht man doch wieder, dass der Mensch ein Nichts ist.
Der Hartlmeier sitzt also wie gewöhnlich nachmittags Im Kaffeehaus, spielt seinen Tarock und plaudert mit seinen Freunden und mit einem mal kommen ihm ihre Stimmen so gedämpft vor, werden immer leiser und der Hartlmeier sagt: „Was sprecht ihr denn so geheimnisvoll?“ Sie sehen ihn ganz verwundert an und sagen: „Wir reden doch wie sonst.“ Und da zieht er seine Uhr heraus, hält sie ans Ohr — und hört nichts mehr, keinen Ton. Taub ist er geworden.“
Girardi erbleichte und blieb stehen. „Was — was sagen Sie da?" Er griff hastig nach seiner Uhr, hielt sie ans Ohr, seine Augen wurden starr vor Schreck und er flüsterte: „Um Himmelswillen, ich hör nicht das Geringste!" Auch Penkala verlor die Fassung: „Sie hören nichts mehr? Zeigen`s mal die Uhr her! Er nahm sie dem bestürzten Künstler aus der Hand und sah auf das Zifferblatt, dann lächelte er: „Sie können auch nichts hören. Die geht ja gar nicht, die ist stehen geblieben!" „Stehen geblieben? Wirklich!" In Girardis Gesicht kam wieder Farbe. Penkala aber erklärte: „Sie, da können S' von Glück sagen, denn wenn die Uhr ginge — dann wären S’ jetzt taub!“ Alfred Semerau
Der Girardi-Rostbraten
Auf Alexander Girardi geht die Neurologie-Reform unter Kaiser Franz Joseph zurück.
Der Schauspielerin Katharina Schratt, bekanntermaßen die „Freundin“ des Kaisers, gelang es durch ihre gesellschaftlichen Verbindungen, Girardi wieder aus der Heilanstalt herauszuholen. Deshalb entging Girardi zufällig seiner Einlieferung ins Irrenhaus.
Der Kaiser ordnet darauf hin an, dass nie wieder jemand per Ferngutachten in die Psychiatrie gesperrt werden dürfe.
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| Alexander Girardi |
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| Helene Odilon |
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| Alexander Girardi als Kaufmann, Abgeordneter und Richter |
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| Girardi-Denkmal in Wien |





























