Mittwoch, 14. Dezember 2016

Programm der nächsten Veranstaltungen 2016/17

Diese Übersicht über die nächsten Veranstaltungen in Hinterstoder hat Julia Körber von der Gemeinde  zur Verfügung gestellt:








Freitag, 9. Dezember 2016

Leinenstoffe für die Bauernhäuser

Vor rund 100 oder mehr Jahren, wurde in den Bauernhäusern im Stodertal fast alles was man zum Leben brauchte selbst hergestellt. Auch das Leinen, das man zu Stoff verarbeitete.
Der Flachs, das Haar oder der Lein wie man es nannte, wurde folgendermaßen bearbeitet:
Zunächst zog man die Flachspflanzen mit samt den Wurzeln aus dem Boden. Das nannte man "Haar fangen". Dann legte man die Pflanzen gebündelt in die Hauslache (kleiner Teich), das hieß "das Retzn". Dann legte man die Pflanzen in kleinen Büschchen auf die Wiese zum Trocknen auf. Das war das "Broatn" (ausbreiten). Um den Flachs brüchig und hart zu machen wurde er im Dörrofen geröstet und in der "Haarstube" verarbeitet. Die "Haarstube" war wegen der Feuergefahr etwas abseits vom Bauernhof gelegen.
Wenn der Flachs trocken war konnte man ihn "riefeln". Durch das Ziehen über eiserne, aufrecht stehende Zinken streifte man die Samenkapseln von der Pflanze. Aus den ölhaltigen Samen wird das Leinöl gewonnen. Der nächste Schritt in der Verarbeitung war das "Brecheln" und "Schwingen". Alle Verunreinigungen wurden entfernt und übrig blieb in Strähnen das "Werg", das noch einmal über einen Nagelstock gezogen und gereinigt wurde. Das feine Haar wurde nun für die Spinnrocken gebündelt. Das grobe Haar verwendete man für Stricke zum Binden der Bäume oder zum Verstopfen von Löchern in der Hauswand.
Traditionell hat man mit dem "Spinnen" zu Weihnachten begonnen. Das grobe Material wurde zur Herstellung von Stricken verwendet. In Bauernhäusern wurden oft und viele Stricke gebraucht. Das feine Haar wurde zu Tischtüchern, Leintüchern und Frauenkleidern verarbeitet. Ursprünglich war das Leinen braun und wurde erst mit der Zeit durch waschen und bleichen weiß.
Die Hosen und Janker (Röcke) der Männer wurden oft auch aus Hanfgewebe hergestellt. Leder aus Rinder oder Schafhaut wurde auch selbst gemacht und war dementsprechend steif.

Flachsbrechel

Riffelkamm

Flachsriffel


Spinnen

Spinnrad


                                              Flachsbearbeitung in den 1920er Jahren




Modekatalog ca.1880

Freitag, 2. Dezember 2016

Wie war es mit Nikolaus und Krampus vor 50/60 Jahren in den Kindertagen?

Ein Schulkind erinnert sich:
"Für 6. Dezember kündigt jedes Jahr der Kalender den Besuch des heiligen Nikolaus an. Im Stodertal kam er aber schon am Abend des 5. Dezember zu uns. Wie aufgeregt waren wir damals. Der Nikolaus kam nie alleine. Immer brachte er auch den Krampus mit. Vor dem fürchteten wir uns alle. Ganz schlimm war es wenn er auch noch die Habergeiß mitbrachte. Vor dem Krampus und der Habergeiß haben wir vor Angst gezittert. Zum Glück war der gute Nikolaus mit dem weißen Rauschebart immer dabei. Als er sich bei der Mutter erkundigte ob wir Kinder auch immer brav und folgsam waren wurde uns ganz schön mulmig. Was wird die Mutter sagen? Aber Mutter sagte ihm, dass wir immer recht brav und in der Schule fleißig waren. Dann hat der Krampus trotz aller Ermahnungen durch den Nikolaus keine Ruhe gegeben und mit der Kette auf den Boden geschlagen. Auch meinen Brüdern hat er mit der Rute ein paar Schläge versetzt und wir Mädchen mussten ein Gebet oder ein  Gedicht aufsagen. Manchmal mussten wir auch ein Lied vorsingen. Dabei flossen uns aus Angst vor dem Krampus oder der Habergeiß die Tränen herunter.

Einmal, erinnere ich mich, gab es am 5. Dezember zum Abendessen Bratwürstel mit Sauerkraut. Alle hatten brav zusammengegessen und warteten auf den Nikolaus. -  Nur der kleine Peter konnte vor Aufregung gerade noch ein Bratwürstel essen, das Sauerkraut blieb über. Seine Mutter ermahnte ihn: "Das wird dem Krampus nicht gefallen wenn Du nur die Wurst isst und das Kraut übrig lässt, das so gesund ist."  Ein paar Minuten später war der Teller leer und Peter wurde dafür gelobt. Erst nach dem Besuch von Nikolaus und Krampus als es zum Schlafen gehen war, bemerkte die Mutter, dass Peters Hose patsch nass war. Erst glaubte sie, dass durch die Aufregung etwas in die Hose gegangen war. Aber als sie nachschaute sah sie, dass die linke und die rechte Hosentasche mit Sauerkraut angefüllt war. "Wohin hätte ich das Kraut so schnell geben sollen, wenn schon der Krampus an der Tür gepumpert hat"? war die einleuchtende Antwort.

Zum Schluss hat uns der Nikolaus noch ermahnt Vater und Mutter immer zu folgen. Wir versprachen es  und er gab uns aus seinem Korb ein paar Geschenke".          


Nikolaus und Krampus in den 1950er Jahren


Die Rückansicht des Krampus




Nikolausfest heute


Die Habergeiß

Unterhaltungsbeilage der Linzer-Tagespost Jahrgang 1909


Dienstag, 29. November 2016

Erinnerung an David Hamilton (geb: 15.4.1933 - gest: 25.11.2016)

Am 25. November starb in Paris der weltbekannte, englische Fotograf und Regisseur David Hamilton. Zum 150. Geburtstag der Fotografie 1989 (patentiert 1939 in Paris) reiste er quer durch Österreich und hielt Vorträge, die ich organisierte. Seine oft kopierte aber nie wirklich erreichte Aufnahmetechnik mit weichem Licht zarte Bildkompositionen zu schaffen interessierte Berufsfotografen und Amateure. Besonders seine Bücher mit Bildern junger Mädchen  und seine Filme fanden ein Millionenpublikum.

Es traf sich zufällig, dass Hamilton in dieser Zeit ein Buch über Venedig herausbrachte und ich das Buch "Das Stodertal aus vergangenen Tagen". Das Stodertalbuch interessierte ihn sehr und so kam es, dass wir unsere Bücher bei Gelegenheit gemeinsam zeigten.

                                                            Ein Zeitungsausschnitt von 1989:

Ein Zeitungsausschnitt vom November 1989


Hamilton mit dem Stodertalbuch





 Prof. Ernst Fuchs beim Vortrag seines Freundes  David Hamilton

Hamilton, Prof.Fuchs und Tochter, Dir. Techt
   

Montag, 28. November 2016

Advent in Hinterstoder

                                               Adventmarkt in Hinterstoder










    Besinnlicher Advent im "KUNST-SchAU-STALL" bei Monika und Kurt Aufner im Prielergut


Musikalische Umrahmung
Julia Grabner und Monika Prieler









Freitag, 25. November 2016

Adventzeit im Stodertal

Ein Mädchen aus Hinterstoder erzählt aus ihrer Jugendzeit im elterlichen Bauernhaus ca.1930

"Die stille, besinnliche Jahreszeit fing mit dem Binden des Adventkranzes an, Wir verwendeten immer nur  Tannenreisig. Wenn die erste der 4 Kerzen in der ersten Adventwoche angezündet wurde kam vorweihnachtliche Stimmung in unser Haus.
Am Barbaratag, dem 4. Dezember, schnitt Vater Kirschzweige vom Baum, gab sie in eine Vase und stellte sie in die Stube. Die anfänglich kahlen und unscheinbar  wirkenden Zweige zeigten bald, daß die Natur in der Kälte nur den Winterschlaf hält. Schon nach wenigen Tagen bemerkte man an den Knospen, von der Wärme hervorgelockt, ein grünliches Schimmern. Wenn die Zweige zu Weihnachten am 24. Dezember zu blühen begannen, dann, so war man überzeugt, brachte es Glück. Wenn eine heiratsfähige Tochter im Haus war zeigten die blühenden Barbarazweige eine bevorstehende Hochzeit an.
In den Rauhnächten, sie begannen mit der Thomasnacht am 21.Dezember und endeten in der Nacht vor dem hl. 3 Königstag am 6. Jänner, sagte man, durften weder die Schuhe geputzt, noch die Wäsche gewaschen werden. Wäsche stopfen, flicken und die Wäsche im Freien aufhängen durfte man auch nicht. Wenn man es dennoch tat brachte es Unglück im Stall.
Der Höhepunkt des Jahres war das Weihnachtsfest. Tage oder manchmal schon ein oder zwei Wochen vorher brachte Vater Tannenreisig und Eibenzweige nach Hause. Mit diesen Zweigen wurde die Stube geschmückt. Die Eibenzweige hatten rote Beeren. Sie waren nicht leicht zu bekommen. Es gab nur wenige Eiben in unserer Gegend und die waren alt und hatten zum Boden hin keine Äste. Man musste deshalb auf den Baum klettern, oft bis zum Wipfel um schöne Zweige mit Beeren zu finden.
Den Christbaum holte Vater selbst aus dem Wald. Es war immer eine Tanne. Wenn ein Zweig nicht genau in der Reihe stand oder der Abstand ungleich war schnitt er den Zweig ab und setzte ihn an passender Stelle wieder ein. Der Christbaum verströmte einen wunderbaren Duft von Tannennadeln und Harz und blieb bei uns in der Stube bis Maria Lichtmess am 2. Februar. Von diesem Tag an wurde der Tag wieder um einen "Hirschsprung" länger, sagte man.
Die Wochen vor dem Weihnachtsfest waren voller Erwartungen. Ich dachte damals als Kind, das Christkind könnte man vielleicht doch einmal sehen wenn man ganz still und brav war. Es fliegt hoch vom Himmel, die ganze Nacht über bis in unser verschneites Tal. Über dem Christkind glitzern die Sterne und darunter liegt der dunkle Wald und die verschneiten Bergspitzen. Es könnte doch sein, daß es dann durch das Fenster herein in die Stube huscht und es wird ein Licht sein wie im Himmel.
Ich fragte die Mutter ob man das Christkind auch zu sehen bekommt. Aber die Mutter sagte nur, wie stellst du dir das vor? Das Christkind muss überall sein, bei armen Leuten und Reichen, bei Kranken und Gesunden. Sehen kann man es nicht. Aber man kann es spüren, dass es unter uns ist.
Am hl. Abend nahm Vater eine schwarze Pfanne von der Wand, gab Ofenglut hinein und streute Weihrauch darauf. Während der Duft des Weihrauchs aufstieg wurde leise gebetet und Weihwasser versprengt. Dabei durfte kein lautes Wort gesprochen werden. Dann ging er mit uns durch alle Zimmer und trieb die bösen Geister aus. Dabei sprengte er mit einem kreuzförmigen Tannenzweig und Weihwasser alle Räume und räucherte danach mit Weihrauch. Wir gingen auch in den Stall und dort wurden genau so die Kühe, die Schweine und die Hühner mit Weihrauch und Weihwasser gesegnet. Vor dem Haus wurde in allen Himmelsrichtungen die Wiesen, der Wald und die Felder gesegnet und auch die Schi und der Schlitten damit es keine Unfälle gab. 
Zum Räuchern wurden besondere Holzscheite verwendet, die nur wenige Funken bildeten und eine richtige Glut gaben. Diese Scheiter wurden beim Brennholz machen schon ausgesucht und für das Räuchern zur Seite gelegt.Wenn ein Holzstock sehr viele Äste hatte, sehr harzig war und sich schwer spalten ließ, wurde er für die Rauhnacht aufgehoben. 
Das Vieh bekam an diesem Tag eine besondere Nachspeise. Tannenzweige wurden ganz fein zerhackt und mit Salz und Weihwasser vermischt und den Tieren gegeben.
Zu einem eigenartigen Brauch gehörte, dass jeder Mann seinen Hut oder Frauen das Kopftuch über den Bauch hielten, 3 mal aufstanden, sich verbeugten, Hut und Kopftuch aufsetzten und wieder abnahmen. Je tiefer man sich dabei verbeugte, desto besser und reichlicher sollte das Getreide im kommenden Jahr wachsen.
An der Kerze der Stall-Laterne wurde die Weihnachtskerze entzündet. 
Dann ging die Stubentüre auf und ein heller Lichterglanz strahlte uns entgegen. Viele Kerzen brannten am Tannenbaum und es roch nach Tannenharz und gebratenen Äpfeln.Vergoldete Nüsse, Vanillekipferl und Zuckerringerl hingen auf dem Baum. Darunter lagen die Päckchen. Die Geschenke waren hauptsächlich Dinge die wir Kinder brauchten. Fäustlinge, Wollhauben oder Fleckerlpatschen. Einmal bekamen wir eine Puppe mit echten Haaren die sogar Mama sagen konnte.Die Fleckerlpatschen machte Mutter selbst aus verschieden farbigen Filzstreifen. Die Schuhleisten borgte sich Mutter beim benachbarten Schuster Ambros aus, der auch die Sohlen auf unsere Patschen (Hausschuhe) nähte.
Mutter machte auch Schokolade aus Ceresfett, Zucker und Kakao selbst, genauso wie das Kletzenbrot und Krapfen. Zu Weihnachten hatten wir immer ein Festessen und dabei wurde auch der Mettenlaib (ein besonders großer Brotlaib) angeschnitten. Zuletzt kam noch der "Krambamberl"-Schnaps. Auf eine Gabel kam ein Stück Zucker. Der Schnaps wurde angezündet. Der darüber gehaltene Zucker auf der Gabel lief zischend in das Glas mit dem Schnaps und färbte ihn langsam braun.
Um 11 Uhr gingen wir dann zur Christmette. Als wir der Kirche nach einer Stunde Gehzeit näher kamen haben alle Glocken geläutet.Wir gingen im tiefen Schnee mit einer Laterne in der Hand. Die Glocken klangen in der stillen, heiligen Nacht viel schöner als sonst. Überall kamen von den Bauernhöfen mit schwankenden Laternen die Menschen. In der Kirche war eine tiefe andächtige Stille. Die Menschen, mit Laternen oder Kerzen in den Händen, warteten auf den großen Augenblick an dem unser Pfarrer die Botschaft vom Engel verkünden würde - Jesus, der Erlöser ist in einem Stall in Bethlehem geboren worden. Der nächtliche Gang zur Christmette gehörte zum Höhepunkt in der heiligen Nacht. Der tief verschneite Friedhof, auf dem unzählige Christbäume zum Himmel funkelten und das traditionelle Turmblasen ließen uns einen tiefen, inneren Weihnachtsfrieden finden. Es waren unvergessliche, ergreifende Stunden. Nie habe ich die Christnacht mächtiger erlebt, als damals als Kind in Hinterstoder".

                                     Bilder vom Advent aus den vergangenen Jahren









Christmette in Hinterstoder