Freitag, 19. Oktober 2018

Von den alten Stodertaler Bauernhäusern (Teil1/3)

Heute gibt es nur mehr wenige alte Stodertaler Bauernhäuser, die aussehen wie früher. Viele sind nach dem 2. Weltkrieg abgerissen worden und neu gebaut oder umgebaut worden. Der Baustil aller dieser  ursprünglichen  Häuser war sehr ähnlich.

Vielleicht ist es interessant zu erfahren, wie man vor rund 100 Jahren in der "guten alten Zeit" dort gelebt hat.
Ein Mädchen, das hier in einem kleinen Bauernhaus aufwuchs und später nach Deutschland heiratete, erinnerte sich im fortgeschrittenem Alter an ihre Kindheit in den 1930er Jahren und schrieb auf, wie es im Elternhaus damals ausgesehen hat.

"Das Wohnhaus bestand aus einer großen Stube, einem Vorhaus und einer schwarzen Küche. Die schwarze "Rauchkuchl" hieß so, weil auf einem offenen Herd gekocht wurde. Der Rauch zog am Plafond entlang und mit der Zeit wurden die Wände durch die Pechablagerungen ganz schwarz. Am offenen Herd stand der Dreifuß aus Gusseisen und darüber war ein Kupferkessel mit Wasser aufgehängt. Neben der Küche war eine "Speis", für die Aufbewahrung der Lebensmittel und wenn man im Vorhaus über eine Holzstiege hinauf ging, kam man zu zwei Kammern.
In der Küche konnte man sich, außer zum Kochen, normaler Weise nicht aufhalten. Man konnte nur beim Herd stehen und sich die Finger wärmen. Sitzen konnte man in der Küche nicht. Es gab nur einen Tisch und ein Wasserbankerl mit einem Schaff zum Geschirr abwaschen. Unter dem Herd war eine gemauerte Öffnung in die wir Kinder immer Holz zum Heizen schlichten mussten. In der "Rauchkuchl" war auch die Selchkammer, in der Speckstücke nach dem Schlachten zum Selchen aufgehängt wurden. Darinnen wurde aus Sägespänen und Holzrinden  Feuer gemacht, so dass es wochenlang qualmte und rauchte. In der Küche stand auch die Milchzentrifuge, in der aus Vollmilch Rahm und Magermilch gemacht wurde. Die Schleuder klang dumpf wenn sie ansprang und klang mit jeder Umdrehung immer höher. Von der "Rauchkuchl" zur Stube hin war ein "Guggerl" (kleines Fenster), durch das man das Essen hin und herschieben konnte.
Das Kochgeschirr war in der "Speis", in der auch ein Kasten mit Speiseresten für das Vieh stand. Auf einem Regal standen die "Foamhefa". Der Foam (Schaum) entstand von der ausgelassenen Butter, dem sogenannten Rinderschmalz. Daraus bereitete unsere Mutter eine Speise, die "Foamseilinge", die säuerlich und etwas ranzig schmeckten. Auch die Tontöpfe mit Rahm standen in einem Regal. Im Vorhaus stand die Mehltruhe, zwei Kästen und eine alte Kiste mit Ketten, Fangeisen, Karbidlampen, Firnisöl und Flaschen mit Medizin für das kranke Vieh. Haken und Seile lagen auf einer alten Hobelbank".
Fortsetzung folgt. 

Das alte "Schelcherbauer"



"Rauchkuchl"


In manchen Bauernhäusern gab es religiöse Fresken

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