Freitag, 23. Oktober 2020

Josef Werndl - Fabrikant und Arbeitgeber für die ganze Region

Für das Stodertal und überhaupt für das ganze Pyhrn/Prielgebiet war die Waffenfabrik Josef Werndls in Steyr vor rund 150 Jahren ein wichtiger Arbeitgeber. Viele Stodertaler gingen unter der Woche in Steyr zur Arbeit und kamen nur am Wochenende heim. Oft versorgten ihre Frauen die Kinder, eine kleine Landwirtschaft und manchmal auch noch die Großeltern ganz alleine.
In der Waffenfabrik wurden riesige Mengen an Holz gebraucht, die hauptsächlich die Stodertaler Bauern lieferten und für die das natürlich ein wichtiges Einkommen war.

Eine Arbeitsgemeinschaft Steyrer Lehrer hat die Entstehung und den Werdegang von Josef Werndls Unternehmen aufgezeichnet. 

1831 - wurde Josef Werndl in Steyr geboren. Er starb 1889 in Steyr.
1855 - übernimmt er von seinem Vater Leopold Werndl dessen veralteten Betrieb             und konstruierte mit seinem Meister Holub ein Hinterladergewehr. Das                 Gewehr wurde maschinell hergestellt und in die ganze Welt exportiert.
1866 - Elektrische Geräte und Maschinen wurden in das Programm aufgenommen.
1869 - wurde die Firma eine Aktiengesellschaft mit dem Namen “Österreichische              Waffenfabriks-AG“
1874 - feierte die Firma den 10jährigen Bestand mit 4500 Beschäftigten.
1884 - Besuch von Kaiser Franz Josef I anlässlich der Industrieausstellung in                  Steyr. Durch die Herstellung von Bogenlampen und wasserbetriebener                  Dynamos konnte die erste elektrische Beleuchtung am Kontinent gezeigt              werden. Der Betrieb zählte zu dieser Zeit bereits 9000 Beschäftigte.
1886 - Einführung des Jagdgewehrs „Steyr-Mannlicher/Schönauer“. Benannt nach den Konstrukteuren des Gewehrs.
1889 - 29. April plötzlicher Tod Josef Werndls. Damals beschäftigte die Firma bereits ca. 10.000 Mitarbeiter.
1894 - Enthüllung des Werndl-Denkmals mit Figuren von Viktor Tilgner auf der Handel–Mazzetti-Promenade. 
1903 - Während in Steyr „Mannlicher-Schönauer Jagdgewehre hergestellt 
urden,             fertigte in Graz Johann Puch Fahrräder und konstruierte 1906 versuchsweise ein Auto.       
1918 - nach dem verlorenen 1. Weltkrieg durften keine Waffen mehr erzeugt werden und deshalb wurde die Waffenfabriks AG 1926 in die Steyrerwerke AG umgewandelt und es wurden Autos gebaut. 
1934 - Fusion der Steyrerwerke AG mit Austro-Steyr-Daimler-Puch AG. Daimler in Wr. Neustadt wird still gelegt und in Steyr werden Autos erzeugt. In Graz Fahrräder.
1939 - Umstellung auf Rüstungsaufträge (Waffen und Heeresfahrzeuge).
1941 - Bau des Rüstungswerkes Graz Thondorf
1946 - nach Kriegsende Herstellung des 3t-LKWs.
1947 - Aufnahme der Traktorenproduktion nach dem 2. Weltkrieg. 1915 wurde bereits der erste Traktor in Steyr gebaut.
1948 - Produktion der ersten Diesel LKWs.
1959 - Ankauf der Saurer Werke AG
1964 - 100 Jahr Feier der Steyr-Werke gemessen an der Eintragung der Werndl Fabrik in das Handelsregister.


Der Fabrikant Josef Werndl war aber auch ein großzügiger stets zu Scherzen aufgelegter Mensch, den seine Arbeiter und Angestellten wirklich mochten.
Auch seine Freunde am Stammtisch schätzten ihn sehr, wie diese Anekdote aus der "Presse" zeigt.

Ein kleiner Eisenbahnbeamter aus der Stadt Steyr genoss, wegen seiner freundlichen Art das Vergnügen und die Ehre, jener Tischgesellschaft zugezogen zu werden, in welcher Josef Werndl in großzügiger Weise dafür sorgte, dass der gute Spaß nicht ausgeht.
Der kleine Eisenbahnbeamte hatte einen struppigen roten Vollbart und war auf diese Zier nicht wenig stolz. Da fiel es Herrn Werndl einmal ein, den Roten zu fragen, ob er ihm wohl die Hälfte seines Bartes verkaufen würde? Die Anderen von der Tafelrunde redeten dem nicht eben glänzend situierten Eisenbahnbeamten zu, mit dem reichen Werndl doch das Geschäft zu machen. Es wachse ein ganzer Bart nach, erst ein halber! Der bereits etwas beduselte Beamte murrte, er gebe in Gottes Namen den ganzen Bart her, wenn ihn der Herr Wemdl gut bezahle, aber doch nicht eine solche Menschenschändung. Ein halber Bart! Herr Werndl jedoch erklärte mit sehr ernster Miene, dass er den halben Bart haben wolle, oder nichts; er sei gern bereit dreihundert Gulden (3000 €) dafür zu geben, die andere Hälfte des Rotbartes aber müsse auf dem Gesicht des Beamten stehen bleiben, bis Herr Werndl gelegentlich auch für diese Partie Verwendung finde.
Dem nachgrübelnden Eisenbahnbeamten wurde wacker zugetrunken. Dreihundert Gulden sind kein Pappenstiel. Soviel Geld auf einmal hatte er noch nie besessen und als Werndl bald darauf drei knisternde Hunderter aus der Brieftasche zog und auf den Tisch legte, mit der Frage „Also wollen's, oder wollen's nicht?" Da schrie der außer Rand und Band gebrachte Rotbart, mit der Faust auf den Tisch schlagend: „Topp! Her mit dem Geld"! Sofort musste der Wirt in später Mitternachsstunde, Seife und Messer herbeischaffen und ein des Rasierens kundiger Herr aus der Gesellschaft setzte das Opferlamm auf einen Stuhl, hing ihm eine Speiseserviette um und fegte ihm kunstgerecht von einem Ohr bis zur Kieferhälfte den Bart weg. Der Rote sah dann aus wie ein geschundener Raubritter und zechte sich zu seinem halben Bart einen ganzen Extrarausch an und sang zehnmal von des Tisches Höhe, in allen Tonarten die verschiedensten Schlager...

Am nächsten Vormittag — der Halbrasierte schnarchte noch — kam ein Diener Werndls mit weiteren 300 Gulden und berichtete dem fürchterlich komisch aussehenden verkaterten Mann, sein Herr erbitte sich dringend jetzt auch die zweite Hälfte des Bartes. Er habe zu diesem Zwecke gleich einen Barbier mitgeschickt. Jetzt erst griff der Mann mit entsetzensgemischter Freude an sein Gesicht und sang dann, mit 600 Gulden in der Tasche, ein lautes Hallelujah. Der ganze Neck war von dem großmütigen Werndl nur deshalb angestellt worden, weil er wusste, dass der rote Eisenbahnbeamte verschuldet sei. Er wollte ihm aus der Klemme helfen, ohne ihm das Geld geradewegs zu schenken. Er kaufte ihm das Einzige ab, was der Arme noch zu verkaufen hatte, den Bart; nach solchen Dingen konnte es freilich nur dem steinreichen und seelenguten Werndl gelüsten.

Allerdings war Werndl auch ein beinharter Geschäftsmann. 
Der steigende Bedarf an Holzkohle wird aus einem Schreiben vom Jahre 1883 ersichtlich, in dem der Rechtsanwalt Dr. Julius Seidl des Fabrikanten Werndl, die Gemeinde Hinterstoder bat, den Bau von 8 Kohlenmeilern für den Betrieb eines neuen Walzwerkes in Steyr zu unterstützen. Der Fabrikant Werndl bekam von der Stadtverwaltung Steyr nicht die Erlaubnis zum Bau der Meiler, da befürchtet wurde, dass die ausströmenden Dämpfe die Stadt in Gefahr bringen würden. Nun sollten die Gemeinden Hinterstoder, wie auch Vorderstoder und St.Pankraz, die Interessen der Waldbesitzer vertreten, die damals größtenteils an Werndl verkauften und den Bau der Meiler in Steyr durch Vorsprachen und Eingaben bei den zuständigen Behörden unterstützen. Werndl wollte dafür statt damals 4 Meiler mehr als 20 in Betrieb nehmen und das notwendige Holz im Stodertal einkaufen. Sollte ihm aber die Betriebsbewilligung für die Meiler nicht erteilt werden, würde er überhaupt kein Holz mehr aus dieser Region kaufen, ließ er mitteilen.

Josef Werndl





Denkmal auf der
Handel–Mazzetti-Promenade


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